Lewis Hamilton: So groß war sein Handicap beim Österreich-Grand-Prix

Andrew Shovlin rechnet vor, dass Lewis Hamiltons Rumpeln über die Randsteine in Runde 29 bis zu sieben Zehntelsekunden pro Runde gekostet hat

Lewis Hamilton: So groß war sein Handicap beim Österreich-Grand-Prix

Lewis Hamilton hatte beim Grand Prix von Österreich auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg mit einem größeren Handicap zu kämpfen als zunächst angenommen. Das hat die Post-Race-Analyse des Mercedes-Teams ergeben. Demnach wäre Hamilton unter normalen Umständen mindestens Zweiter statt Vierter geworden.

In Runde 29 des Rennens kam der siebenmalige Weltmeister ausgangs Kurve 10 auf den geriffelten Randstein. Dabei wurde sein Unterboden beschädigt. Das kostete laut einer ersten Schätzung von Teamchef Toto Wolff 30 Punkte Anpressdruck - eine Schätzung, die sich inzwischen in der technischen Aufarbeitung des Rennwochenendes bestätigt hat.

 

Bei dem Teil, das beschädigt wurde, handelte es sich um eines der Flügelprofile auf den hinteren Radträgern. "Eines dieser versteckten Teile, die ziemlich viel Performance generieren", sagt Andrew Shovlin, der Leiter des Mercedes-Ingenieursteams an der Strecke.

Zeitverlust größer als zunächst vermutet

"Das ist generell ein sehr sensibler Bereich. Wir messen dort den Druck und können daraus die Performance kalkulieren", erklärt er. "Die Schätzungen liegen bei 30 bis 40 Punkten Anpressdruck. Das sind umgerechnet sechs bis sieben Zehntelsekunden pro Runde. Also doch ein substanzieller Nachteil."

Der Blick auf die Rundentabelle zeigt: In den ersten Runden des Rennens verlor Hamilton recht deutlich auf den späteren Sieger Max Verstappen. Von Runde 18 bis Runde 29 konnte er dessen Tempo jedoch beinahe mitgehen. Dann, nach Auftreten des Schadens, wuchs der Rückstand rasch an.

Weil der Anpressdruck an der Hinterachse fehlte, "hatte Lewis in dem Stint eine Menge Übersteuern. Wenn das Heck rutscht, dann überhitzen die Reifen, und sie bauen auch schneller ab. Das ist ein teuflischer Kreislauf, der Lewis den zweiten Platz gekostet hat. Letztendlich haben wir entschieden, sogar nochmal einen frischen Satz Reifen zu holen, um ins Ziel zu kommen."

Übrigens: Die Videoanalyse zeigt, dass Hamilton der "Fehler" am Ende von Runde 29 und nicht wie andernorts berichtet in Runde 30 passiert ist. Der Mercedes-Pilot fuhr dort etwas weiter als sonst über den Randstein, allerdings keineswegs in einem ungewöhnlichen Ausmaß. In der 30. Runde beklagte er sich dann schon über ein loses Heck, nach einem plötzlichen Drift in Kurve 6.

Stallorder bei Mercedes: Das war der Grund

Der Rest war dann im TV zu sehen. Auch die Stallorder, mit der Mercedes Valtteri Bottas zunächst bat, hinter Hamilton zu bleiben. Eine Entscheidung, an der nicht lange festgehalten wurde. Letztendlich beendete Bottas den Grand Prix als Zweiter und Hamilton als Vierter.

"Anfangs, als wir das Problem an Lewis' Auto diagnostiziert hatten, konnten wir nur sehen, dass sich seine Rundenzeiten zu stabilisieren schienen", erklärt Shovlin. "Aber dann wurde uns ziemlich schnell klar, dass es für ihn unmöglich sein würde, sich gegen Lando Norris zu verteidigen."

"Wir waren besorgt, dass Valtteri, der mittendrin in diesem Kampf war, verwundbar sein würde. Aber als wir sahen, dass Lando so nahe an Valtteri dran war, dass er ein Risiko für ihn darstellte, trafen wir die Entscheidung, die Reihenfolge umzudrehen."

"Lewis hat also Valtteri durchgelassen, und dann konnte Lando letztendlich auch an Lewis vorbeigehen. Aber wie gesagt: Als wir das Ausmaß des Schadens einmal verstanden hatten, war uns ziemlich klar, dass es effektiv unmöglich sein würde, den dritten Platz zu halten", sagt Shovlin.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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