Lewis Hamilton von Startplatz elf: "Fokus darauf, das Rennen zu gewinnen"

Lewis Hamilton rätselt über die Formel-1-Logik bezüglich offizieller Pole-Statistik, rechnet sich aber auch von P11 Siegchancen aus - Toto Wolff weniger zuversichtlich

Lewis Hamilton von Startplatz elf: "Fokus darauf, das Rennen zu gewinnen"

Lewis Hamilton war im Qualifying zum Formel-1-Grand-Prix der Türkei 2021 in Istanbul zwar souverän Schnellster. Mit einer Q3-Rundenzeit von 1:22.868 Minuten ließ er am Samstag nicht nur die versammelte Konkurrenz hinter sich, sondern fuhr auch neuen Istanbul-Streckenrekord. Dennoch startet Hamilton am Sonntag nur von P11 ins 16. Saisonrennen. Grund ist die Rückversetzung um zehn Startplätze, die für den Wechsel des Verbrennungsmotors ausgesprochen wurde.

Somit startet Hamilton am Sonntag statt von der Außenbahn der ersten Reihe, de facto von der Außenbahn der sechsten Reihe. "Das Rennen wird schwierig, aber ich werde alles geben", versichert der Mercedes-Pilot nach seiner Qualifying-Bestzeit und dem Wissen um seinen elften Startplatz.

"Für die Statistik kriege ich die Pole ja trotzdem, oder?", fragt Hamilton in der Pressekonferenz nach dem Qualifying und erhält zu seiner Enttäuschung als Antwort: "Nein." Daraufhin setzt er fort, "Nein? Verdammt", und lacht. Schließlich steht Hamilton auch ohne Istanbul-Pole 2021 bereits bei 101 Formel-1-Poles.

Hamilton bekommt den Pole-Award, aber nicht die Pole

Übrigens: Max Verstappen, der als Drittschnellster des Qualifyings in der selben Pressekonferenz sitzt, teilt Hamiltons Unverständnis darüber, dass die Pole für die Statistik nicht dem Schnellsten in Q3 zugesprochen wird, sondern demjenigen, der nach Strafen die Pole quasi erbt.

Lewis Hamilton

Formel 1 kurios: Hamilton bekommt zwar den Pole-Award, nicht aber die Pole für Statistik

Foto: Motorsport Images

"Ich verstehe das einfach nicht", sagt Verstappen. Laut Formel-1-Logik geht die Istanbul-Pole 2021 offiziell an Valtteri Bottas, der in Q3 einen Rückstand von 0,130 Sekunden auf den um zehn Plätze zurückversetzten Hamilton hatte.

Im vergangenen Jahr brachte Hamilton im Istanbul Park mit einem bei schwierigen Streckenbedingungen herausgefahrenen Sieg seinen siebten WM-Titel unter Dach und Fach. Damals fuhr er vom sechsten Startplatz kommend nach vorn.

Rechnet Hamilton für das diesjährige Rennen mit einer ähnlichen Fahrt durch das Feld? "Nun, im vergangenen Jahr war ich in der ersten Kurve schon Dritter. Das war ein großer Unterschied", erinnert er sich, unterstreicht aber mit Nachdruck: "Auch jetzt liegt mein Fokus noch immer voll darauf, das Rennen zu gewinnen. Von der elften Position wird das alles andere als einfach, aber nicht unmöglich."

"Vor allem muss ich mich natürlich aus Problemen heraushalten. Das wird zu Beginn des Wichtigste sein", denkt Hamilton an die Startphase am Sonntag und denkt weiter: "Danach müssen wir halt schauen, inwiefern es möglich sein wird, einen nach dem anderen zu überholen."

Vorhersage lässt Trockenrennen erwarten, aber ...

Sollte es ein Trockenrennen geben - und danach sieht es gemäß aktueller Wettervorhersage aus - dann rechnet Hamilton mit einer schwierigen Aufgabe. "Weil wir alle mit der gleichen Reifenmischung starten, wird das Überholen nicht einfach werden", glaubt er und verweist in diesem Zusammenhang auf das Rennen vor zwei Wochen in Sotschi.

"Wir haben ja gesehen, wie es beispielsweise Max beim vorigen Rennen ergangen ist, sobald er im Bereich von P6 angekommen war", erinnert Hamilton an die Aufholjagd von Max Verstappen beim Grand Prix von Russland, nachdem dieser dort aufgrund einer Grid-Strafe sogar von ganz hinten hatte starten müssen. Am Ende wurde Verstappen direkt hinter Hamilton Zweiter, was aber nicht zuletzt am Regen in der Schlussphase lag.

"Deshalb müssen wir einfach mal abwarten", richtet Hamilton seine Gedanken wieder auf Istanbul und sagt: "Aber es gibt ja hier eine lange Gerade. Schauen wir mal, was möglich sein wird. Hoffentlich können wir den Fans ein tolles Rennen präsentieren." Und: Wenngleich die Wettervorhersage derzeit anderes erwarten lässt, ist ein Regenrennen auch für Sonntag in Istanbul nicht gänzlich auszuschließen.

Lewis Hamilton

Hamilton hätte nichts dagegen, wenn die Piste auch sonntags feucht oder nass wäre

Foto: Motorsport Images

Seit dem vergangenen Jahr hat man die türkische Grand-Prix-Strecke neu asphaltiert. "Die Strecke ist jetzt ganz anders, absolut hervorragend", so Hamiltons Urteil nach dem Qualifying, um anzumerken, dass es "richtig viel Grip gab".

Dennoch sei es "knifflig" gewesen, die richtige Linie zu finden. Warum? Am Vormittag hatte es geregnet. So gab es im Qualifying "hier und da noch ein paar feuchte Stellen. Und es war nicht einfach, die Reifen für die erste Runde auf Temperatur zu bekommen", erinnert sich Hamilton. Ganz ähnlich klingt auch Sebastian Vettel, für den in Q2 Endstation war.

Überholen: Toto Wolff weniger zuversichtlich als Hamilton

Am Sonntag geht es über eine Distanz von 58 Runden. Mercedes-Teamchef Toto Wolff jedenfalls sieht es derzeit noch lange nicht als selbstverständlich an, dass Hamilton im Rennen einen nach dem anderen überholt. "[P11 in der Startaufstellung] ist zwar die maximale Ausgangsposition für heute, aber da sind so viele Starter da vorne, die ein schnelles Auto haben. Auf den Geraden kommt man nicht vorbei, alle auf den gleichen Reifen. Also das wird schon schwierig", glaubt Wolff gegenüber 'ServusTV'.

Toto Wolff, Lewis Hamilton

Welche Strategie denkt man sich bei Mercedes für den Istanbul-Sonntag aus?

Foto: Motorsport Images

"Ich glaube, dass alle mit dem Reifen zu kämpfen haben werden. Man hat vor allem auch bei Red Bull gesehen, dass der Reifen vorne rechts gar keinen Spaß hat", bemerkt der Mercedes-Teamchef nach dem Studium des zweiten Freien Trainings vom Freitagnachmittag.

Mit welcher Strategie will man es für Hamilton am Sonntag versuchen? "Vielleicht können wir ein bisschen [länger draußen bleiben], aber es wird auch nicht genug sein, um einen richtigen 'Overcut' zu machen", meint Wolff und glaubt: "Die Strategie ist aber das einzige, was uns über bleibt. Gestern sind wir hinter einem Haas hergefahren und konnten auch den nicht überholen."

Auch wenn es laut Vorhersage derzeit nicht unbedingt zu erwarten ist, so hofft Hamilton insgeheim auf ähnliches Wetter wie im vergangenen Jahr. "Hoffentlich kriegen wir ein bisschen Regen", sagt er in der Pressekonferenz und unterstreicht zum Grip-Niveau der Strecke nochmals seine Aussagen aus dem Parc Ferme: "Ich war überrascht, wie viel Grip der neue Asphalt bietet, auch bei nicht ganz trockenen Bedingungen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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