Lewis Hamilton: Zwei Millimeter ausschlaggebend für schlechten Start

Lewis Hamilton erklärt, was beim Start in den Sprint von Monza schiefgelaufen ist und was er sich für den Grand Prix von Italien ausrechnet - Motorwechsel möglich

Lewis Hamilton: Zwei Millimeter ausschlaggebend für schlechten Start

Zwei Millimeter sind mit freiem Auge kaum zu erkennen, und dennoch können sie über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. So wie am Samstag im Sprint zum Grand Prix von Italien in Monza. Zwei Millimeter haben darüber entschieden, dass Lewis Hamilton auf Platz fünf zurückgefallen ist nach einem schlechten Start.

Was war konkret passiert? Hamilton hatte sich im Qualifying am Freitag knapp hinter Teamkollegen Valtteri Bottas auf Platz zwei einreihen müssen. Im Sprint sollte er am Finnen vorbeikommen, um sich die offizielle Poleposition in Monza zu sichern - und zusätzlich drei wertvolle WM-Punkte.

Doch es kam ganz anders. Während Bottas seine Führung verteidigen konnte, wurde Hamilton links und rechts von seinen Gegnern hin zu Kurve 1 überholt. Nicht nur WM-Rivale Max Verstappen zog vorbei, sondern auch die beiden McLaren-Fahrer Daniel Ricciardo und Lando Norris.

Hamilton erklärt: Das ist am Start im Sprint schiefgelaufen

"Die Spanne zwischen 'Hero' und 'Zero' ist am Start so schmal", weiß Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Hamilton wurde vom Topfavoriten zum Verfolger. Denn er hatte den Kupplungspunkt nicht optimal erwischt, das Pedal sei "zwei Millimeter zu tief" gewesen.

Dadurch hatte er durchdrehende Räder und musste zusehen, wie die Konkurrenz ihn überholte. "Zu viel Wheelspin kann passieren", betont Wolff. Aber er weiß: "Das hat uns hart getroffen." Denn während sich Hamilton hinter den McLaren abmühte, konnte Verstappen von dessen Fehler maximal profitieren.

Der Niederländer wurde Zweiter, sammelte also zwei weitere WM-Punkte, und erbt am Sonntag aufgrund des Motorwechsels bei Bottas auch noch die Pole. Der Brite blieb auf Position fünf hingegen punktelos und reiht sich im Hauptrennen neben Norris auf P4 ein.

Er weiß aus dem Sprint: "Die McLaren sind die Schnellsten auf den Geraden, und ich konnte einfach nicht nahe genug ranfahren." Die Geschwindigkeitsmessung zeigt: Norris wurde im Sprint auf Start-Ziel mit 325,3 km/h geblitzt, Hamilton mit 322,3 km/h.

Überholen erscheint daher selbst in Monza auf den langen Geraden mit DRS eine große Herausforderung zu sein. Hamilton sitzt dennoch im besten Auto und wird daher von der Konkurrenz keineswegs abgeschrieben. "Er wird definitiv vorbeikommen", glaubt Verstappen.

Der WM-Zweite selbst ist sich da nicht so sicher. Ein Sieg am Sonntag sei "höchst unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich". Es wäre Hamiltons 100. Karriereerfolg, ein weiterer Meilenstein. Allerdings muss er sich nun bereits seit einiger Zeit gedulden, liegt etwa gar ein Fluch auf der magischen Zahl?

100. Grand-Prix-Sieg vor Augen: "Glaube nicht an Flüche"

"Ich glaube nicht an Flüche", kontert er. Zuletzt konnte Hamilton vor seinem Heimpublikum in Silverstone einen Grand Prix gewinnen, das war im Juli. "Wir werden natürlich so hart wie möglich daran arbeiten und es versuchen. Aber ich denke, es geht eher um Schadensbegrenzung."

Und er glaubt: "Das sollte ein relativ einfaches Rennen für Max werden, außer ich komme sehr früh an beiden McLaren vorbei und kann ihn dann herausfordern." Das hängt allerdings davon ab, wie gut er im Rennen überholen kann. Sollte es ähnlich schwierig werden wie am Samstag, wird Mercedes reagieren müssen.

"Ja, das wird man machen müssen, wenn das Überholen morgen genau so schwierig ist wie heute, dazu muss gesagt werden, dass die McLaren natürlich einen enormen Speed auf den Geraden haben", stimmt Wolff am Samstagabend zu.

 

Foto: Charles Coates / Motorsport Images

"Aber wenn das genau so schwierig ist, dann muss man sich vielleicht radikalere Offset-Strategien überlegen." Oder könnte Mercedes gar noch radikaler denken und auch bei Hamilton schon in Monza auf den vierten Motor wechseln?

"Ich glaube nicht, dass das geplant ist, und ich bin mir auch nicht sicher, ob es zu diesem Zeitpunkt das Klügste wäre, das zu tun", glaubt der 36-Jährige auf die Möglichkeit angesprochen. Schließlich habe er noch zwei funktionierende Motoren in seinem Pool, einer kann nach dem Motorschaden in Zandvoort nicht mehr eingesetzt werden.

Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Hamilton im Verlauf der zweiten Saisonhälfte noch auf einen zusätzlichen vierten Motor wechseln muss, was eine Gridstrafe ans Ende des Feldes bedeuten würde. Verstappen befindet sich in der gleichen Position.

Vierter Motor auch bei Hamilton schon in Monza?

Also warum nicht die relativ schlechte Ausgangslage aufgeben und die Strafe auf einer Strecke in Kauf nehmen, die dem Mercedes grundsätzlich liegt und auf der Hamilton gute Chancen hat, auch von ganz hinten noch bis ans Podium heranzufahren?

"Es ist derzeit nicht geplant, dass ich einen zusätzlichen Motor nehmen muss, hoffentlich. Aber wir werden sehen", kann Hamilton der Idee nicht viel abgewinnen. Wolff hingegen lässt sich diese Türe weiterhin offen, indem er sagt: "Sicher ist gar nichts."

"Wenn es ein Problem gibt, oder wenn wir der Meinung sind, strategieweise geht überhaupt nichts, dann kann das schon eine Option sein. Aber das wird ein bisschen eine spontane Entscheidung werden, wann wir einen vierten Motor für den Lewis nehmen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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