Longruns Miami: Ferrari verkürzt Rückstand auf Mercedes
Mercedes dominiert die Longruns in Miami, doch Ferrari und Red Bull holen auf - Verschiebt sich das Kräfteverhältnis nach den Regelanpassungen?
Charles Leclerc scheint der erste Mercedes-Verfolger in Miami zu sein
Foto: LAT Images
Normalerweise sind repräsentative Longruns an einem Sprintwochenende eher selten, doch da das erste Freie Training der Formel 1 in Miami im Hinblick auf die Änderungen des 2026er-Reglements auf 90 Minuten verlängert wurde, ergab sich diesmal eine umfangreiche Datenlage - auch mit viel Gewicht im Tank.
Das erlaubt deutlich präzisere Rückschlüsse auf das tatsächliche Kräfteverhältnis für den Sprint sowie das Rennen am Sonntag. Da die Teams in diesen Runs üblicherweise vollgetankt sind, spielt der Sprit als Differenzierungsfaktor kaum eine Rolle. Trotz der fünfwöchigen Pause und der Reglementanpassungen scheint sich an der grundsätzlichen Hackordnung jedoch wenig geändert zu haben.
Die besten Longruns absolvierten im Schnitt die beiden Mercedes-Piloten. Bereinigt man die Daten um unterschiedliche Stintlängen und Reifenmischungen, war WM-Leader Andrea Kimi Antonelli im Durchschnitt der schnellste Fahrer mit viel Gewicht an Bord - allerdings nur hauchdünn mit 0,03 Sekunden Vorsprung pro Runde vor Teamkollege George Russell.
Damit lag Mercedes erneut deutlich vor dem restlichen Feld. Charles Leclerc im Ferrari war der erste Verfolger mit einem durchschnittlichen Rückstand von 0,33 Sekunden pro Runde. Teamkollege Lewis Hamilton belegte Rang vier mit einem Defizit von 0,6 Sekunden pro Umlauf.
Ist die Konkurrenz näher an Mercedes herangerückt?
Auch wenn sich an der grundsätzlichen Rangordnung wenig geändert zu haben scheint, könnten die Verfolgerteams näher an Mercedes herangerückt sein. In den ersten drei Saisonrennen lag Ferrari im Schnitt noch 0,53 Sekunden pro Runde zurück - hier könnte man also rund zwei Zehntel aufgeholt haben.
Ein Blick auf die Sektorzeiten zeigt, dass Ferrari weiterhin klare Stärken in den Kurven besitzt. Sowohl im ersten Sektor mit schnellen und mittelschnellen Passagen als auch im zweiten Sektor mit sehr langsamen Kurven kann das Auto überzeugen. Zeit verloren geht hingegen vor allem im letzten Sektor auf den Geraden.
McLaren präsentiert sich in Miami hinsichtlich der Rennpace vorerst als dritte Kraft, auch wenn die Performance auf eine schnelle Runde stärker wirkt. Im Longrun fehlten durchschnittlich 0,87 Sekunden pro Runde auf Mercedes - der bisherige Saisonschnitt liegt bei 0,82 Sekunden.
Das Leistungsbild ähnelt dabei dem von Ferrari, allerdings auf etwas niedrigerem Niveau. Während der erste Sektor mit schnellen Kurven noch gut funktioniert, baut der McLaren im zweiten Sektor bereits ab. Vor allem auf den Geraden im dritten Sektor geht dem amtierenden Weltmeisterteam viel Zeit verloren.
Update-Offensive: Hat sich Red Bull aus dem Mittelfeld gekämpft?
Mit gleich sieben Updates war Red Bull eines der Teams, das die lange Pause intensiv genutzt hat. Das war auch dringend notwendig, denn bislang fehlten dem RB22 satte 1,26 Sekunden pro Runde auf Mercedes in der Rennpace. Der erste Eindruck aus Miami deutet darauf hin, dass ein Schritt nach vorne gelungen ist.
Neben einem starken zweiten Platz in der Qualifying-Pace im ersten Training zeigte das Team auch solide Longruns zur Mitte der Session auf den Medium-Reifen. Max Verstappen fehlten, bereinigt um verschiedene Reifensorten, 0,88 Sekunden pro Runde auf Mercedes - eine Verbesserung von rund vier Zehnteln im Vergleich zur bisherigen Saison.
Die große Stärke des Red Bull bleibt der Topspeed. Kein anderes Auto war im finalen Sektor schneller; Verstappen führte die Geschwindigkeitsmessung mit 333 km/h deutlich an. Allerdings scheint es weiterhin an Abtrieb in den Kurven zu mangeln, was sich besonders im ersten, aber auch im zweiten Sektor bemerkbar macht.
Probleme hatte hingegen Teamkollege Isack Hadjar. Der Franzose belegte nur Rang neun, und in den Longruns fehlten ihm ganze zwei Sekunden pro Runde, womit er sich im hinteren Mittelfeld wiederfand.
Mittelfeld: Alpine und Haas geben weiterhin den Ton an
Auch im Mittelfeld hat sich am Kräfteverhältnis wenig verändert. Die beste Longrun-Pace zeigte Franco Colapinto im Alpine (+1,32). Dahinter folgten auch die beiden Haas-Piloten Esteban Ocon (+1,59) und Oliver Bearman (+1,86), die sich ebenfalls im vorderen Mittelfeld positionieren konnten.
Eine positive Überraschung lieferte Williams-Pilot Carlos Sainz (+1,51), der ebenfalls in dieser Region unterwegs war. Nico Hülkenberg im Audi (+1,85) befindet sich ebenfalls in Schlagdistanz zu den Punkterängen. Dennoch dürften Alpine und Haas weiterhin die Favoriten im Mittelfeld sein.
Keine Longruns absolvierte Aston Martin, während die Rennpace von Racing Bulls enttäuschte. Sowohl Liam Lawson (+2,78) als auch Arvid Lindblad (+3,84) hatten mit dem Mittelfeld wenig zu tun. Ähnlich erging es den beiden Cadillac-Piloten Sergio Perez (+4,34) und Valtteri Bottas (+5,32).
Reifen: Red Bull mit einem Satz Medium weniger
Wie an Sprintwochenenden üblich nutzten die meisten Teams jeweils nur einen Satz harter Reifen sowie einen Soft-Satz für Qualifying-Simulationen am Ende der Session. Von den Topteams griff lediglich Red Bull zusätzlich auf einen Medium-Satz zurück, der im weiteren Verlauf des Wochenendes fehlen wird.
Gerade der Medium-Reifen spielt an Sprintwochenenden eine zentrale Rolle: Er wird üblicherweise in SQ1 und SQ2 eingesetzt, kommt im Sprintrennen zum Einsatz und dazu auch in einem Stint des Hauptrennens am Sonntag. Idealerweise möchten die Teams daher alle vier verfügbaren Medium-Sätze für die entscheidenden Sessions aufbewahren - Red Bull entschied sich hier jedoch für einen anderen Ansatz.
Der Reifenverschleiß dürfte im Übrigen kaum eine entscheidende Rolle spielen. Einerseits ist die Wetterlage für Sonntag weiterhin unklar, andererseits zeichnet sich das Miami International Autodrome traditionell durch geringen Abbau aus. Alles deutet daher auf eine klare Einstoppstrategie bei trockenen Bedingungen hin.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.