"Lucky" zeigt Bernie Ecclestone, wie man ihn noch nie gesehen hat

Neue achtteilige Dokuserie, in der Bernie Ecclestone eindrucksvoll über die Formel 1 erzählt, startet am 27. Dezember 2022 auf Streaming-Plattformen

"Lucky" zeigt Bernie Ecclestone, wie man ihn noch nie gesehen hat
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Bei aller Aufregung um eine gewisse Netflix-Veröffentlichung, die vor Kurzem auf die Bildschirme kam, sind Dokuserien derzeit in aller Munde. Da trifft es sich gut, dass das neueste Werk von Manish Pandey - BAFTA-Preisträger und Produzent von "Senna" - zu Weihnachten auf internationalen Streaming-Plattformen erscheint. Die Rede ist von "Lucky", einer achtteiligen Dokuserie über die Formel 1, in der der ehemalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone als Sprecher auftritt.

Nachdem Ecclestone die Formel 1 über 40 Jahre lang dominiert hatte, wurde er 2017 im Zuge der Übernahme der Formel-1-Rechte durch Liberty Media von seinem Posten abgelöst. Jetzt aber meldet sich der 92-Jährige wieder zu Wort.

Als einziger Protagonist der neuen Doku, die von Pandey geschrieben und inszeniert wurde, erzählt Ecclestone seine Geschichte von 1950 bis zum schicksalhaften Tag im Jahr 2017, als Libertys Chase Carey ihm nach über 35 Jahren als Formel-1-Boss den Laufpass gab.

"Lucky" ist unglaublich reich an Archivmaterial - mit spektakulären Aufnahmen ab 1950, einschließlich des ersten Formel-1-Grand Prix in Silverstone, bei dem Ecclestone anwesend war. Als Frontmann der Formel 1 war Ecclestone ein Mann der wenigen Worte. Hier aber steht er im Mittelpunkt und scheint sich wohl zu fühlen, wenn er seine eigene Geschichte erzählt. Die ist gespickt mit Einsichten, die manchmal urkomisch und manchmal extrem traurig sind.

In den ersten Teilen, die die 50er-, 60er- und 70er-Jahre abdecken, kommen unweigerlich viele tödliche Unfälle vor. Die unzureichende Sicherheit der Autos und Rennstrecken der frühen Formel 1 wird mit jedem Jahrzehnt, das vergeht und mit dem Verlust großer Namen wie Hawthorn, Collins, Rindt, Cevert und Villeneuve, auf bedrückende Weise in Erinnerung gerufen. Ecclestone trug seinen Teil dazu bei, die Sicherheit voranzutreiben, vor allem als er in den 1980er-Jahren die Kontrolle über den Sport übernahm und Professor Sid Watkins als medizinischen Leiter der Formel 1 einsetzte.

Ecclestone zeigt sich in "Lucky" von seiner besten Seite, wenn er beispielsweise die Absprachen hinter verschlossenen Türen beschreibt. Die waren sein Metier. Da es nahezu unmöglich ist, diese Anekdoten mit Archivmaterial zu illustrieren, haben die Produzenten eine elegante Lösung gefunden: eine Animation im Comicstil, die zwar kitschig klingt, aber tatsächlich gut funktioniert.

Abgesehen davon hat der Archivrechercheur ganze Arbeit geleistet. Es gibt echte Aufnahmen von Rennveranstaltern, die Ecclestone Geldbündel überreichen, die er dann fein säuberlich in seiner Aktentasche ordnet und sich für das Geschäft bedankt. Es gibt auch wunderbar stimmungsvolle Aufnahmen vom Gebrauchtwagenhandel am Straßenrand in der Londoner Warren Street, wo Ecclestone seine Karriere als Geschäftsmann begann.

Und neben der Rennaction gibt es weitere Perlen. Jean-Marie Balestre, der FIA-Präsident aus den 1980er-Jahren, mit dem Ecclestone um die Kontrolle der Formel 1 rang und der in "Senna" eine Hauptrolle spielte, wird erneut als aufgeblasener Possenreißer dargestellt. In einigen Szenen voller Humor und Unbeholfenheit stellt ihn Ecclestone in den Schatten.

Die Produzenten haben sich selbst eine große Herausforderung gestellt, indem sie Ecclestone zum Haupterzähler der Serie gemacht haben. Die Geschichte wird vollständig durch seine Augen gesehen. Auch andere führende Persönlichkeiten aus der Formel-1-Geschichte kommen zu Wort, allerdings nur in Ausschnitten aus zeitgenössischen Interviews. Figuren wie Graham Hill oder Colin Chapman etwa werden in ihrer Zeit eingefangen.

Aber es funktioniert. Für die wichtigsten erzählerischen Elemente wird Ecclestone in eine ganz in Weiß gehaltene Umgebung gesetzt. Er blickt direkt in die Kamera, sein Gesicht ist so ausgeleuchtet, dass alle schroffen Konturen sichtbar sind. Da er sich nirgendwo verstecken kann, erzählt sein Gesicht eine parallele Geschichte. Emotionen, etwas Bedauern, viel Humor und ironische Momente der Abrechnung kennzeichnen die Szenerie.

Zuletzt hat Ecclestone mit kontroversen Äußerungen über Wladimir Putin und Saddam Hussein aus den falschen Gründen für Schlagzeilen gesorgt. Hier aber geht es nicht um Schlagzeilen, sondern ganz klar um ein Vermächtnis für seinen jungen Sohn Ace, der 89 Jahre jünger ist als er selbst und der die Geschichte seines Vaters wahrscheinlich nicht im Detail aus seinem Munde erfahren wird. Auf diese Weise können auch wir sie sehen.

Viele Biografen und Filmemacher haben Bernie Ecclestone Geschichte erzählen wollen. Pandey war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte die richtige Idee. Ecclestone öffnet sich in "Lucky" auf eine Weise, die man sich, wenn man in der Formel 1 mit ihm zusammengearbeitet hat, bislang nur sehr schwer vorstellen konnte.

Natürlich haben wir hier nur die Seite des Protagonisten vorliegen. Aber für jeden, der sich für die Formel 1 interessiert und dafür, wie sie zu einem 2,4-Milliarden-Dollar-Geschäft und einer der größten Sportarten der Welt geworden ist, wird diese Dokuserie viele Lücken füllen.

Wo man "Lucky" ab 27. Dezember 2022 sehen kann:

Deutschland, Österreich, Schweiz, Spanien, Japan: DAZN

Großbritannien: Warner Brothers Discovery+

Niederlande, Polen, Skandinavien: Viaplay

Südamerika: ESPN LATAM

Alle anderen Gebiete: Facebook.com/LuckyTVSeries

Mit Bildmaterial von Warner Bros..

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