Marc Surer nimmt Michael Masi in Schutz: "Ein Scheißjob!"

Interview mit Formel-1-Experte Marc Surer: Wie er die kontroversen FIA-Entscheidungen bewertet und was er von FIA-Rennleiter Michael Masi hält

Marc Surer nimmt Michael Masi in Schutz: "Ein Scheißjob!"

Die FIA und ihr Rennleiter Michael Masi, quasi der "Oberschiedsrichter" der Formel 1, standen zuletzt in der Kritik. Von mehreren Seiten. Mercedes empfand zum Beispiel die Disqualifikation von Lewis Hamilton vom Freitagsqualifying in Brasilien wegen einer marginalen Abweichung des Heckflügels als zu hart und die Entscheidung, Max Verstappen für das Abdrängen von Lewis Hamilton nicht zu bestrafen, als zu lax. Red Bull wiederum war nicht damit einverstanden, dass Verstappen wegen des Doppelgelb-Zwischenfalls in Katar um fünf Startpositionen nach hinten musste.

Formel-1-Experte Marc Surer nimmt Masi jetzt in Schutz: Der Rennleiter habe einen "Scheißjob", sagt der ehemalige Grand-Prix-Pilot in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de. Es sei bei den strittigen Szenen in der Königsklasse des Motorsports "wirklich nicht einfach, immer die richtige Entscheidung zu treffen".

Masi sei Anfang 2019, als er nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Charlie Whiting dessen Funktion übernommen hat, "ins kalte Wasser geworfen" worden, wirbt Surer für Verständnis für den Australier und sein Team: "Er war immer im Hintergrund. Als Charlie Whiting überraschend starb, musste er einspringen. Und ich finde, er hat das eigentlich richtig gut gemacht."

"Natürlich kann man jetzt immer bei einzelnen Entscheidungen sagen, das hätte man anders machen müssen oder besser machen können. Aber grundsätzlich sage ich: Das ist ja ein Scheißjob, sorry!", sagt Surer.

Dass sowohl bei einigen Teams als auch bei vielen Fans eine Art Whiting-Sehnsucht besteht und viele Nostalgiker wie so oft der Meinung sind, dass früher alles besser war, kann der Schweizer grundsätzlich verstehen. Whiting war nämlich sein Renningenieur, als er 1985 für Brabham fuhr.

"Der ist im Motorsport groß geworden", sagt Surer. "Das heißt, der kennt alles, der kennt auch alle Tricks. Es wird ja überall getrickst, und wenn du so lang Ingenieur in einem Team bist, dann weißt du genau, wie man das macht. Das war der Vorteil von einem Charlie Whiting, dass er einfach ein Insider war."

Surer, heute Co-Kommentator bei den Formel-1-Rennen im Schweizer Fernsehen, spricht in dem Interview auch über die Idee, permanente Rennkommissare einzuführen, und analysiert jene FIA-Entscheidungen, die in den vergangenen Wochen kontrovers diskutiert wurden.

Dabei identifiziert der 70-Jährige auch ein Thema, das Masi seiner Meinung nach richtig gut macht: "Ich bewundere ihn für seinen Mut. Er startet manchmal ein Rennen, auch wenn es nass ist. Charlie Whiting war da immer übervorsichtig", sagt Surer.

Whiting habe "meistens ein Safety-Car fahren lassen, bis zum Gehtnichtmehr, bis die Strecke trocken war. Eine Runde, nachdem der Start freigegeben war, mussten die schon Reifen wechseln, weil es so trocken war. Der ging immer auf Nummer sicher. Und Masi hat Mut und lässt die losfahren, auch wenn die Piste noch nicht optimal ist. Das finde ich stark."

Das ungekürzte Interview mit Marc Surer über Michael Masi gibt's jetzt als Video auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de. Kanal am besten gleich kostenlos abonnieren und kein neues Formel-1-Video mehr verpassen!

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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