Marc Surer verteidigt Ferrari: "Haben sicher nicht beschissen"

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Marc Surer verteidigt Ferrari:
Autor: Sven Haidinger
Co-Autor: Christian Nimmervoll
15.10.2018, 07:38

Ferrari wird nach dem Verlust des Power-Tricks von Schummelvorwürfen verfolgt: Wieso Marc Surer nicht an Betrug glaubt und die Sache im Sommer so hochkochte

Was lief zwischen den Rennen in Spielberg und Singapur beim Ferrari-Motor? GPS-Daten belegen, dass Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen auf den Geraden auf unerklärliche Weise zusätzliche Motorleistung abrufen konnten - ein Vorteil, der seit dem Stadtrennen dahin ist. Hat Ferrari betrogen und wurde man von der FIA, die die in zwei Bereiche unterteilte Batterie des SF71H mit einem zweiten Sensor überprüfte, erwischt?

"Sicherlich muss da was dahinter stecken", ist Ex-Formel-1-Pilot und 'Motorsport.com'-Experte Marc Surer überzeugt, auch wenn Ferrari und die FIA selbst nichts davon wissenwollen. "Die komische Beschleunigung oder besser, die verlängerte Leistung der MGU-K, die man feststellen konnte - irgendwo mussten die dafür noch Strom abzapfen. Somit hat dieser zweite Sensor sicherlich irgendwie eine Grauzone geschlossen."

Fakt ist, dass pro Runde nicht mehr als vier Megajoule aus der Batterie abgezapft werden dürfen - bei Ferrari dürfte es aber mehr gewesen sein. Dennoch will der Schweizer nichts von Betrug wissen.

Surer: Warum der Ferrari-Vorteil so auffiel

"Ich nenne es jetzt eine Grauzone, weil sie sicherlich nicht beschissen haben. Sie haben das clever gemacht, bis die FIA wahrscheinlich irgendwann gesagt hat: Hallo, so geht's nicht, hört auf damit. Vielleicht haben sie auch etwas gefunden, um das zu messen - und dann konnte es Ferrari nicht mehr machen", vermutet Surer im Formel-1-Talk 'Starting Grid', dass Ferrari mit der Einführung der dritten Ausbaustufe in Belgien überführt worden sein könnte.

Der Ex-Rennfahrer hat auch eine Theorie, warum der Leistungsunterschied zwischen Ferrari und Mercedes im Sommer so eklatant war. Das sei "besonders auffällig, weil es bei Mercedes zeitgleich in die andere Richtung lief. Die hatten zwischendurch mit ihren Motorschäden, die sie auf dem Prüfstand hatten, etwas Leistung weggenommen. Deshalb hatten sie ein paar Rennen, bei denen sie nicht so stark aussahen. Ab Monza haben sie dann wieder volle Power gegeben, weil sie das Problem offenbar entdeckt und gelöst hatten. Das kommt jetzt natürlich zusammen."

Surer: Warum der Motorentrick keine Einbildung ist

Tatsache ist, dass bei Mercedes im Vorfeld des Kanada-Grand-Prix bei den Tests in der Fabrik in Brixworth bei den Tests der zweiten Ausbaustufe einige Schwierigkeiten aufgetreten waren, weshalb das Update auf Le Castellet verschoben werden musste. Es ist allerdings nicht bekannt, ob man bei der Entwicklung durch die Probleme einen Schritt zurück machen musste.

Dass die Schere zwischen Mercedes und Ferrari seit Singapur auseinandergegangen ist, führt Surer klar auf das Aus für den Motorentrick der Scuderia zurück und nicht auf enorme Fortschritte bei den Silberpfeilen. "Für mich ist der Maßstab, dass Red Bull jetzt plötzlich mit Ferrari mithält", argumentiert Surer. "Das heißt, der Ferrari muss etwas langsamer geworden sein, und das deutet schon darauf hin, dass mit diesem zweiten Sensor auch ein bisschen Leistung verloren ging."

Ferraris mysteriöser Rückfall ist nur eines der Themen der aktuellen Ausgabe des Formel-1-Talks 'Starting Grid' (in Kooperation mit 'meinsportradio.de'). Nachzuhören jetzt in unserem Radioplayer oder - bequem zum Beispiel für die nächste Autofahrt - als kostenloses iTunes-Abo.

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