Martin Brundle über George Russell: "Gerade noch nicht arrogant"

George Russell überzeugt auf der Strecke meist mit guten Leistungen und daneben mit jeder Menge Selbstvertrauen - Martin Brundle sieht aber (noch) keine Arroganz

Martin Brundle über George Russell: "Gerade noch nicht arrogant"

Auf George Russell wartet im kommenden Jahr die größte Herausforderung seiner immer noch jungen Karriere. Der 23-Jährige beerbt bei Mercedes Valtteri Bottas und hat fortan Lewis Hamilton als Teamkollegen, den dann möglicherweise achtmaligen Weltmeister. An Selbstvertrauen mangelt es Russell nicht, wie er auch öffentlich bereits mehrfach zum Ausdruck brachte.

Für 'Sky'-Experte Martin Brundle ist das Maß an Selbstüberzeugung bei Russell auffällig, aber notwendig. "Er ist selbstbewusst, aber das muss man auch sein", sagt er und führt beispielhaft das Rennen in Imola an. Dort nahm er mit einem Unfall ausgerechnet Bottas aus dem Rennen, wollte von eigener Schuld danach aber lange nichts wissen.

"Ich weiß nicht, welcher andere junge Fahrer mit Imola so zurechtgekommen wäre. Er hatte zum zweiten Mal in Folge Punkte für Williams weggeworfen und den Werks-Mercedes, den er eigentlich selbst haben wollte, mit einem Unfall ausgeschaltet. Dann ist er ausgestiegen und hat diesem Fahrer die Schuld gegeben, um dann in der Nacht mit Toto in seinem Jet nach Hause zu fliegen", sagt Brundle.

Brundle: Russell braucht dieses Selbstvertrauen

Doch Russell kam zurück, beendete seinen punktelosen Fluch bei Williams und hat großen Anteil daran, dass das Team zwei Rennen vor Saisonende relativ komfortabel auf dem achten Platz der Konstrukteurs-WM liegt - ein klarer Sprung nach vorne für das Traditionsteam nach Jahren am Ende der Tabelle. Auch deshalb holte Mercedes Russell für kommendes Jahr ins Team.

Brundle sieht das Selbstvertrauen bei Russell so eben noch auf der richtigen Seite der Waage, um im kommenden Jahr gegen Hamilton bestehen zu können. "Er hat eine gute Balance beim Selbstvertrauen, das gerade noch so keine Arroganz ist. Und genau das brauchst du, um gegen Lewis anzutreten, der sich wohlfühlt und Mercedes kennt", sagt er.

Doch nicht nur sein Teamkollege ändert sich für Russell, sondern das gesamte Team. Vom hinteren Teil des Feldes geht es nun ganz nach vorne. Auf den Briten wartet damit eine völlig neue Herausforderung, die laut Brundle mentale Stärke erfordern wird.

Russell bei Mercedes: Wachsen oder verwelken?

"Wenn man in einem Team im hinteren Teil des Feldes fährt, kann man ab und zu glänzen und alle reden darüber, aber dann kannst du auch wieder in der Versenkung verschwinden und keinen interessiert es mehr. Aber in einem Auto wie diesem, das musste Valtteri herausfinden, da verschwindest du nicht. Jeder schaut genau darauf, wie du im Verhältnis abschneidest", erklärt Brundle.

Russell werde bei Mercedes die ganze Zeit im Rampenlicht stehen. "Und du weißt vorher nicht, ob du dadurch wächst und ob es eine Energiequelle ist, oder ob du wie eine Blume verwelkst. Wir müssen abwarten und sehen, was George macht", blickt Brundle voraus. Er traue ihm aber zu, dieser Aufgabe gewachsen zu sein.

Martin Brundle war zwischen 1984 und 1996 bei 158 Formel-1-Rennen am Start. Neunmal stand er auf dem Podium, für Teams wie Benetton, Ligier und McLaren. Heute ist er Experte beim britischen Pay-TV-Sender 'Sky' und berühmt für seinen "Gridwalk". Auf der 'Sky'-Website veröffentlicht er nach jedem Grand Prix eine Kolumne mit seinen Einschätzungen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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