Mattia Binotto: Mercedes-Probleme die Folge fehlender personeller Kontinuität

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto glaubt, dass die aktuellen Probleme bei Mercedes hausgemacht sind und sieht Red Bull personell im Vorteil

Mattia Binotto: Mercedes-Probleme die Folge fehlender personeller Kontinuität

Ist das (vorläufige?) Ende der Dominanz von Mercedes in der Formel 1 die Folge fehlender personeller Kontinuität? Diese These vertritt zumindest Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. Der Italiener erkennt in den Personalentscheidungen einen klaren Unterschied zwischen den Silberpfeilen und Red Bull, die laut Binotto ein Grund für den zumindest vorübergehenden Machtwechsel darstellen könnten.

Konkret glaubt Binotto, dass Red Bull nun für die Kontinuität in den wichtigen Positionen belohnt werde. "Bevor man auf den technischen Aspekt blickt - und da muss man natürlich sagen, dass Red Bull einen tollen Job gemacht hat - ist es denke ich richtig, wenn man feststellt, dass sie den Erfolg ernten, weil sie auf ein Team zählen können, das seit Jahren stabil ist", meint Binotto.

Zumindest auf den leitenden Positionen trifft Binottos Aussage zu. Teamchef Christian Horner führt den Rennstall seit den ersten Tagen 2005, Technikguru Adrian Newey ist trotz einer inzwischen weniger aktiven Rolle im Tagesgeschäft seit 2006 mit dabei und hat immer noch großen Einfluss auf die Entwicklung der Boliden.

Binotto: Red Bull wird für Personalentscheidungen belohnt

Auch Sportdirektor Jonathan Wheatley, der vor allem für die Boxenstopp-Rekorde verantwortlich zeichnet, ist seit mehr als einem Jahrzehnt für das Team tätig. Dan Fallows, der das Team demnächst verlassen wird, führt immerhin seit 2014 die Aerodynamik-Abteilung.

Ein Rädchen greift dort ins andere, trotz ausbleibender Erfolge veränderte sich in der Teamstruktur kaum etwas. Laut Binotto der Schlüssel zum Erfolg. "Obwohl sie Schwierigkeiten hatten, obwohl sie nicht gewonnen haben, haben sie weiterhin diese Gruppe gebildet, um das Auto zu verbessern. Und jetzt sehen wir das Ergebnis dieser Arbeit", meint Binotto.

Bei Mercedes hingegen sei das anders. "Wenn wir auf Mercedes schauen, hatten sie in den vergangenen Jahren einige interne Veränderungen, in deren Folge Rollen neu vergeben wurden. Und dazu kommt noch die späte Vertragsunterschrift mit ihrem Fahrer, die erst im Februar vollzogen wurde. Das sind Ablenkungen, die zur aktuellen Situation geführt haben", sagt er.

Mercedes: Cowell weg, Allison zieht sich zurück

Mercedes hatte erst wenige Wochen vor Saisonbeginn den Vertrag mit Lewis Hamilton verlängert, jedoch nur um ein Jahr, wodurch das Thema nie wirklich ad acta gelegt wurde.

Zudem musste Mercedes im vergangenen Jahr den Abgang des langjährigen Motorenchefs Andy Cowell verkraften, offiziell ab Juli zieht sich Technikchef James Allison aus dem Tagesgeschäft auf eine übergeordnete Rolle zurück, was aber auch die internen Prozesse der jüngsten Monate bereits beeinflusst hat.

Während Red Bull die jüngsten vier Rennen in Folge gewonnen hat und in beiden WM-Wertungen an der Spitze liegt, werden aus Reihen der Silberpfeile immer wieder kleine Brocken gestreut, die zumindest Zweifel an der Legalität der Red-Bull-Boliden in den Raum stellten.

Binotto: Honda-Motor völlig legal

Jüngst etwa entbrannte eine Diskussion darüber, ob Motorenpartner Honda im Saisonverlauf die Leistung der Power-Units verbessert hat, obwohl das per Reglement nicht gestattet ist. Auf den Geraden war Red Bull zuletzt deutlich überlegen, das Team selbst begründet dies mit kleineren Heckflügeln und damit geringerem Luftwiderstand.

Auch hier schlägt sich Binotto auf die Seite der Bullen. Für den Italiener sei die Stärke beim Topspeed eine Folge verbesserter Zuverlässigkeit bei Honda - und diese darf im Saisonverlauf sehr wohl mit Entwicklungen adressiert werden.

"Ich teile das nicht, was ich so höre und lese, denn wenn wir auf die GPS-Daten schauen, ist die Leistung des Honda-Motors so wie am Anfang der Saison in Bahrain", erklärt er. Doch Red Bull musste die Leistung laut Binotto danach herunterdrehen, weil es Probleme bei der Zuverlässigkeit gegeben habe.

"Ich denke, indem sie das gelöst haben, sind sie wieder zurück auf dem Standard vom Saisonbeginn. Es gab keinen Schritt nach vorne. Wir etwa hatten seit Bahrain denselben Performance-Level, weil der Motor es uns erlaubt hat, ihn so zu nutzen", sagt Binotto mit Blick auf sein Team.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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