Mattia Binotto über Audi-Schwäche: Wir haben einen Plan, aber es kann dauern
Audi fährt beim Formel-1-Debüt im soliden Mittelfeld, aber noch längst nicht an der Spitze: Projektleiter Mattia Binotto verrät, was derzeit die größte Schwachstelle ist
Audi-Pilot Nico Hülkenberg beim Großen Preis von Japan 2026 in Suzuka
Foto: Sutton Images
Audi ist ein solider Start in die Formel 1 gelungen: Das bisherige Sauber-Team sammelte bereits beim Auftakt in Australien die ersten WM-Punkte und bewegte sich auch in China und Japan im stabilen Mittelfeld. Für den Sprung an die Spitze fehlt den Ingolstädtern jedoch vor allem eines, nämlich ein besserer Motor.
"Wir haben festgestellt, dass der größte Abstand zu den Top-Teams auf die Antriebseinheit zurückzuführen ist, was nicht unerwartet war", gibt Audi-Projektleiter Mattias Binotto zu und ergänzt: "Wir wussten, dass das die größte Herausforderung sein würde."
Während das Team in den vergangenen Jahren bereits ein eigenes Chassis entwickelt hat, fehlte diese Erfahrung bei der Antriebseinheit. Die Motorenentwicklung stellte deshalb eine der größten Hürden dar und erklärt zugleich, warum Audi aktuell noch nicht um Platzierungen an der Spitze kämpfen kann.
Geschwindigkeit auf den Geraden als Audi-Schwäche
Auch in Japan zeigte sich dieses Defizit deutlich. "Wenn man die Geschwindigkeit auf der Geraden nicht hat, setzt man vielleicht die Energie ein, um sich zu verteidigen", erklärt Binotto. "Aber wenn die Batterien leer sind, bleibt nicht mehr viel übrig. Ich denke, wir müssen uns die Daten ganz genau ansehen."
"Wir können jetzt keine voreiligen Schlüsse ziehen", mahnt der Italiener, macht jedoch gleichzeitig deutlich, dass es "ein Thema mit der Energie" gibt und "auch mit der Art und Weise, wie wir sie einsetzen". Damit ist die größte Audi-Schwäche klar benannt: "Die Geschwindigkeit auf der Geraden ist im Moment nicht unsere Stärke", betont Binotto.
"Wenn man seine Energie verbraucht und dadurch die Batterien leert, ist man extrem anfällig dafür, überholt zu werden", ergänzt der frühere Ferrari-Teamchef die bisherigen Erkenntnisse. "Das ist Teil unseres Lernprozesses in diesem ersten Rennen."
Binotto dämpft Erwartungen: "Wissen, dass es lange dauert"
Nun gelte es, die Daten gemeinsam mit den Fahrern auszuwerten und zu verstehen, wie sich "solche Situationen am besten entschärfen" lassen, sagt Binotto. Dabei gehe es aktuell weniger um eine sofortige Lösung als vielmehr um eine Abmilderung der Probleme. "Und dann schauen wir mal, was in naher Zukunft möglich ist."

Mattia Binotto hat die Teamchef-Rolle von Jonathan Wheatley übernommen
Foto: LAT Images
Dennoch gibt es erste vorsichtige Zuversicht. "Wir haben einen Plan, um den Rückstand aufzuholen", deutet der 56-Jährige an. "Aber die Motorenentwicklung, insbesondere bei manchen Konzepten, kann länger dauern. Es ist kein Zufall, dass wir uns 2030 als Ziel gesetzt haben."
Bereits vor dem ersten Rennen hatte Audi erklärt, ab 2030 um den Weltmeistertitel kämpfen zu wollen. "Wir wissen, dass es lange dauern wird", ergänzt der Projektleiter, der nach dem Aus von Teamchef Jonathan Wheatley derzeit in Doppelfunktion agiert.
Binotto betont: "Audi kann keine Wunder vollbringen"
"Und ich denke, was wir jetzt brauchen, ist Geduld", warnt Binotto vor überzogenen Erwartungen, auch wenn der Saisonstart aus Audi-Sicht durchaus positiv verlaufen ist. "Wir sind zwar sehr ehrgeizig und würden die Probleme am liebsten in ein paar Rennen lösen."
"Aber manchmal ist das eben nicht möglich", ergänzt der Italiener. "Deshalb müssen wir genau verstehen, wo wir als Team stehen, was die Pläne sind. Und wir müssen uns auch an die Pläne halten. Denn Wunder sind nicht möglich. Wir sind nicht hier, um Wunder zu vollbringen."
"Das liegt nicht in unserer Natur. Wir können das nicht", betont Binotto, der dennoch zuversichtlich bleibt. "Wir sind hier, um konkrete Pläne zu haben, um Probleme anzugehen und uns in Zukunft zu verbessern. Und ich denke, auch das ist möglich."
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