Mattia Binotto über Audi-Start: "Habe mir sogar mehr erhofft"
Audi-Teamchef Mattia Binotto hat nach dem Saisonstart 2026 gemischte Gefühle - Einerseits freut er sich über Punkte, andererseits hatte er auf noch mehr gehofft
Audi hat sich zu Beginn der Saison 2026 im Mittelfeld etabliert
Foto: Getty Getty
Audi liegt nach den ersten drei Rennen der Formel-1-Saison 2026 auf dem achten WM-Rang. Zwar holte Gabriel Bortoleto lediglich beim Saisonauftakt in Melbourne zwei Zähler, doch das reicht aktuell, um neben Neuling Cadillac auch Williams und Aston Martin hinter sich zu lassen.
"Ich bin glücklich, aber noch nicht zufrieden", verrät Mattia Binotto gegenüber Sport Bild und erklärt: "Ich habe mir sogar mehr erhofft - aber es geht nicht darum, was ich mir erhoffe, sondern was realistisch ist. Wir sind ein neuer Hersteller, der unter einem neuen Reglement mit einem eigens entwickelten Motor an den Start geht."
"Viel herausfordernder wird es nicht", betont er und stellt klar: "Hätte mir jemand vor der Saison gesagt, dass wir im ersten Rennen direkt Punkte einfahren und zum Mittelfeld der Formel 1 gehören, hätte ich das blind unterschrieben. Denn es ist sehr leicht, in dieser Rennserie Fehler zu machen. Das haben wir aber offensichtlich nicht."
Trotzdem war es für Audi ein Saisonstart mit gemischten Gefühlen. Vor allem Nico Hülkenberg hatte eine Menge Pech, weil er beim Auftakt in Melbourne mit einem Defekt gar nicht erst starten konnte und anschließend in China und Japan zweimal den undankbaren elften Platz belegte.
Binotto ist trotzdem bemüht, das Positive hervorzuheben, und betont: "Dass wir auf Anhieb um Punkte fahren können, war nicht zu erwarten. Aber es zeigt, dass wir ein gutes Fundament geschaffen haben. Das Auto funktioniert in seinen Grundzügen und hat keine gravierenden Probleme. Das ist das Wichtigste."
Binotto: Vergleichen uns nicht mit anderen
Kritiker sagen auf der anderen Seite, dass Audi in der Weltmeisterschaft nur deshalb auf Rang acht liege, weil Williams und Aston Martin aktuell unter ihren Möglichkeiten bleiben. "Diese Logik teile ich nicht. Es ist ein Wettbewerb, der immer im Verhältnis zu anderen steht", stellt Binotto klar.
"Wenn wir aktuell schneller sind, dann ist das ein Fakt. Die anderen können gerne nach links und rechts schauen, aber wir sind nur auf uns fokussiert", so der Italiener, der nach dem Abgang von Jonathan Wheatley im März auch die Aufgaben des Teamchefs bei Audi übernommen hat.
Zwar gebe es aktuell noch "viel Verbesserungspotenzial, vor allem beim Motor", gesteht Binotto. "Aber das ist kein Grund für Unruhe. Es ist Teil unserer Reise, alles läuft nach Plan", sagt er und erklärt, dass Audi lediglich ein Aspekt noch fehle, um ganz vorne in der Formel 1 mitzukämpfen: Zeit.
"Wir sind ein neues Team, das in allen Bereichen Nachholbedarf hat. Wir haben weniger Erfahrung beim Bau eines Formel-1-Motors, wir haben eine in die Jahre gekommene Fabrik und noch immer rund 150 Mitarbeiter weniger als die Top-Teams", erklärt Binotto.
"Aber wir arbeiten daran. Wir stellen Leute ein, wir sanieren unsere Fabrik und wir lernen jeden Tag. Aber all das braucht Zeit", betont er. Er sieht er Audi jedoch auf dem richtigen Weg, nachdem Vorgängerteam Sauber in den vergangenen drei Jahren nie über den vorletzten WM-Platz hinausgekommen war.
Zumindest nach den ersten Saisonrennen 2026 steht Audi in der Weltmeisterschaft etwas besser da.
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