Max Verstappen erstmals WM-Führender: "Taten sagen mehr als Worte"

Red-Bull-Pilot Max Verstappen gewinnt den Grand Prix von Monaco und sichert sich die WM-Führung: Wo er den Sieg entschieden hat & was das für die WM bedeutet

Max Verstappen erstmals WM-Führender: "Taten sagen mehr als Worte"

Zum ersten Mal in seiner Karriere gewinnt Max Verstappen den prestigeträchtigen Grand Prix von Monaco - und setzt sich dadurch ebenso zum ersten Mal mit vier WM-Punkten Vorsprung an die Spitze der Fahrer-Weltmeisterschaft! "Das war ein großartiger Tag", strahlt der Niederländer nach seinem Triumph.

"Zunächst, Taten sagen immer mehr als Worte", entgegnet er auf die Frage, wie wichtig dieses Wochenende für den WM-Kampf gegen Lewis Hamilton war, der nur Siebter werden konnte. "Ich denke, das ist eine gute Lektion nach diesem Wochenende."

Und: "Wir wissen, wir geben die Antworten auf der Strecke. So gefällt mir das", betont Verstappen außerdem nach seinem zweiten Saisonsieg. Er spielt damit indirekt auf Aussagen seines Mercedes-Kontrahenten an. Hamilton hatte ihm am Medientag unterstellt, mit aggressiven Manövern "etwas beweisen" zu müssen.

Entscheidung über den Sieg fällt schon am Start

Im Fürstentum machte Verstappen keinen Fehler, obwohl er in der Vergangenheit in den engen Häuserschluchten schon so manchen Blechschaden verursacht hatte. Nicht an diesem Wochenende, das für den Red-Bull-Piloten bereits am Sonntagmorgen eine positive Überraschung bereithielt.

Denn: Ferrari-Pilot Charles Leclerc konnte das Rennen von der Poleposition aus aufgrund eines technischen Problems nicht in Angriff nehmen. Red-Bull-Teammanager Jonathan Wheatley erkundigte sich daher vor dem Rennen bei Renndirektor Michael Masi, ob Verstappen auf den ersten Startplatz aufrücken dürfe.

Zwar verwehrte die Rennleitung dem Niederländer diesen Wunsch, dennoch ging Verstappen von der bestmöglichen Position in den Klassiker in Monaco, wo überholen praktisch unmöglich ist. Was ging ihm durch den Kopf, als er vom vorzeitigen Leclerc-Aus erfuhr?

"Das ist natürlich schade für Charles. Das ist nie schön, ein Rennen nicht einmal starten zu können. Aber schnell hat sich mein Fokus auf mein Rennen verschoben. Wir sind vom zweiten Platz aus gestartet, was kein großartiger Startplatz hier ist."

Auf der Außenbahn war Verstappen ein wenig von der Ideallinie entfernt positioniert. Gefahr drohte vor allem von Valtteri Bottas, der auf der Innenbahn angreifen würde. "Ich dachte, es würde schon gutgehen, doch dann hatte ich ein wenig Wheelspin."

Der WM-Führende wusste: "In Monaco ist es schwierig zu überholen, daher muss man auf seiner Position bleiben am Start. Das habe ich versucht." Zwar kam der Finne vom dritten Startplatz besser weg, doch als der Red Bull nach innen auf die Ideallinie zog, war die Entscheidung gefallen.

Carlos Sainz bereitete Verstappen keine Sorgen

"Ich musste rüberfahren, und zum Glück bin ich vorne geblieben, aber ich hatte keinen tollen Grip." Die größte Hürde war genommen, danach konnte Verstappen seine Pace an der Spitze kontrollieren und auf die gebrauchten weichen Reifen achten.

"Auf dieser Strecke geht es vor allem darum, die Reifen am Leben zu halten und so lange wie möglich draußen zu bleiben, um dann eine Boxenstopp-Lücke zu finden." Besagtes Fenster ging in Runde 34 für Verstappen auf, zu jenem Zeitpunkt lag Teamkollege Sergio Perez knapp 20 Sekunden hinter ihm.

Sein Hauptkonkurrent auf den Sieg, Bottas im Mercedes, war zu jenem Zeitpunkt aufgrund einer Boxenstopp-Panne bereits aus dem Rennen. Dahinter reihten sich Ferrari-Fahrer Carlos Sainz und McLaren-Pilot Lando Norris ein.

 

Der Spanier konnte seinen Rückstand auf den Führenden in den Runden nach dem Boxenstopp sukzessive verringern: von knapp zehn Sekunden in Runde 35 auf rund drei Sekunden in Runde 40. "Der Abstand wurde geringer, aber das war nichts, worüber ich mir Sorgen machte", entgegnet Verstappen.

Er habe sich nur langsam an die harten Reifen gewöhnen müssen. "Ich habe das langsam aufgebaut, weil die harten Reifen hier nicht wirklich gut zu fahren sind. Zunächst rutscht man viel drauf rum, besonders wenn man aus der Box kommt."

In den letzten 20 Rennrunden ließ er dem Ferrari keine Chance mehr und steigerte seine Pace allmählich wieder. Im Ziel fehlten Sainz fast neun Sekunden auf den Sieg.

Historische WM-Führung für Verstappen

"Der Reifenverschleiß war sehr gut. Als Valtteri oder auch Carlos näher rangekommen sind, haben sie Probleme mit den Reifen bekommen", erklärt der 23-Jährige am 'Sky'-Mikrofon. "Ich am Ende nicht. Es hat super funktioniert. Wir haben das ganz gut gemacht, auch von der Strategie her."

Nach insgesamt 78 Runden war er dann aber auch froh, die Zielflagge - geschwenkt von Tennisstar Serena Williams - zu sehen. Denn: "So viele Runden hier in Monaco zu fahren, das ist natürlich nicht einfach. Es sieht immer so reibungslos aus, aber man muss sich wirklich lange Zeit konzentrieren."

"Es war nicht schwierig zu kontrollieren, aber man muss jede Runde fokussiert bleiben. Am Ende hat es geklappt. Es ist super, hier den Sieg einzufahren und die Führung in der Meisterschaft."

Sein erstes Mal in der Ehrenloge des Fürsten habe er genossen, grinst Verstappen. "Das war super. Ein super Wochenende", fasst er zusammen.

Für Red Bull war dieses Rennwochenende nicht nur sportlich und mental wichtig, um sich nach zwei Rennsiegen von Hamilton im Titelduell wieder zurückzumelden. Der Monaco-Grand-Prix war auch historisch bedeutsam: Zum erstem Mal in der Hybridära übernahm ein Red-Bull-Pilot die Führung in der Fahrer-WM.

Und: Zum ersten Mal seit Silverstone 2018 führt Mercedes nicht in der Konstrukteurs-WM. "Als Team haben wir bislang die wenigsten Fehler gemacht, deshalb liegen wir jetzt vorne."

"Wäre großartig, wenn das auch am Ende der Saison so ist"

2:3 steht es nun in Siegen zwischen Verstappen und Hamilton, 105:101 Punkte in der WM-Tabelle der Fahrer und 149:148 für Red Bull in der Konstrukteurs-Wertung. "Wenn das am Ende der Saison auch noch so ist, dann wäre das großartig. Aber bis dahin ist noch ein langer weg", bremst Verstappen die Euphorie.

"Natürlich ist es großartig, nach den vergangenen zwei Rennen, wo der Abstand immer größer wurde, nun zurückzuschlagen. Wir müssen aber immer noch hart arbeiten, weil wir wissen, dass Mercedes auf normalen Strecken diejenigen sein werden, die es zu schlagen gilt."

Dennoch: Das Monaco-Wochenende könnte im Rückblick einen Wendepunkt in der Weltmeisterschaft markieren. Den Siegeszug von Hamilton und Mercedes hat Red Bull nun jedenfalls gestoppt. "Das war ein tolles Wochenende und ein großartiger Schub für das gesamte Team."

Nachsatz: "Hoffentlich können wir das aufrechterhalten für die restliche Saison."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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