Max Verstappen: Hätte man vor fünf Jahren auf die Fahrer gehört ...
Max Verstappen freut sich, dass es einen Dialog der Fahrer mit der FIA und der Formel 1 gibt, findet aber, dass dieser für die Regeln viel zu spät kommt
Max Verstappen war schon früh klar, in welche Richtung es gehen würde
Foto: Getty Getty
Die Formel 1 hat für das Rennwochenende in Miami erste Anpassungen am umstrittenen 2026er-Reglement vorgenommen. Doch für Ex-Weltmeister Max Verstappen greifen diese Korrekturen viel zu kurz. In einer schonungslosen Analyse macht er deutlich, dass der Sport heute ein besseres Produkt wäre, wenn man die Expertise aus dem Cockpit nicht jahrelang ignoriert hätte.
"Ich denke, wenn wir diesen [Input] vor fünf Jahren - oder vielleicht noch etwas früher, so vor fünf, sechs Jahren - gehabt hätten, dann wären wir wahrscheinlich nicht in dem Zustand, in dem wir jetzt sind", betont der Niederländer am Donnerstag vor Miami.
Für ihn ist die aktuelle Situation eine direkte Folge davon, dass man den Instinkt der Piloten zugunsten politischer und technischer Kompromisse geopfert hat. Dass es nun immerhin einen Dialog mit der FIA und der Formel 1 gibt, verbucht er lediglich als Schadensbegrenzung: "Ich hoffe einfach, dass es eine Lehre für die Zukunft ist."
Das Argument, die Formel 1 sei technisch zu komplex für die reine Sicht der Fahrer, lässt Verstappen nicht gelten. Im Gegenteil: Er sieht die Piloten als die wahren Hüter dessen, was die Fans sehen wollen.
"Ich glaube schon, dass die meisten Fahrer hier ein gutes Verständnis und ein gutes Gefühl dafür haben, was nötig ist, um die Formel 1 zu einem guten, einem spaßigen Produkt zu machen", so der Red-Bull-Pilot.
Dieses Gespür für das "Produkt" sei in den letzten Jahren in den Hintergrund gerückt, während Ingenieure und Strategen das Zepter übernahmen. Zwar bewertet er die jüngsten Gespräche mit den Verantwortlichen positiv, doch der Weg zu einem wirklich fahrerorientierten Sport sei noch weit: "Ich denke, das ist in Sachen Kommunikation bereits ein riesiger Schritt nach vorn."
"Nur ein sanftes Kitzeln" statt echter Veränderung
Auf die konkreten Änderungen in Miami angesprochen, die das Qualifying wieder zurück an das Limit führen sollen, reagierte der Champion fast schon spöttisch. Im Simulator hat er die neuen Parameter bereits getestet, doch ein Wow-Effekt blieb aus.
"Wie ich schon sagte, es ist ein Kitzeln", beschreibt er die Nuancen der Regeländerung. "Es ist noch nicht das, was wir brauchen, um wirklich wieder komplett am Limit zu fahren."
Verstappen weiß um die Mühlen der Formel-1-Bürokratie, die radikale Sprünge fast unmöglich machen: "Am Ende des Tages ist die Formel 1 ein sehr komplexer und politischer Sport. Aber ich denke, jeder hat sein Bestes gegeben, um zumindest irgendetwas zu tun - aber die Welt wird es natürlich nicht verändern."
Vermächtnis für die Zukunft
Was man dabei festhalten kann: Verstappens Forderung nach mehr Mitspracherecht ist kein reiner Eigennutz. Er blickt bereits auf die Zeit nach seiner aktiven Karriere und möchte sicherstellen, dass seine Nachfolger in ein besseres Umfeld starten.
"Selbst wenn ich in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr hier bin, hoffe ich wirklich, auch für die zukünftigen Fahrer, dass es generell mehr Input vonseiten der Fahrer an die Organisatoren geben wird."
Für ihn ist Miami nur ein erster, vorsichtiger Testballon. Der wahre Prüfstein wird das kommende Jahr sein, wenn das Reglement für 2027 finalisiert wird. Verstappens Erwartungshaltung ist dabei klar definiert: "Ich hoffe einfach, dass für nächstes Jahr wirklich große, einschneidende Änderungen vorgenommen werden können."
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