Wie die Formel-1-Fahrer das Tracklimits-Problem lösen würden!

Wie die Formel 1 sich der Tracklimits-Diskussion entledigen könnte: Max Verstappen und seine Fahrerkollegen machen Verbesserungsvorschläge

Wie die Formel-1-Fahrer das Tracklimits-Problem lösen würden!

Was ist eigentlich erlaubt und was nicht? Diese Frage stellten sich beim Formel-1-Auftakt 2021 in Bahrain nicht nur Fahrer und Teams, sondern wohl auch die Fans der Rennserie. Denn die Tracklimits wurden beim ersten Rennwochenende des Jahres unterschiedlich ausgelegt und schließlich sogar im Grand Prix angepasst. Das sorgte für reichlich Kritik.

Dabei läge die Lösung des Problems doch so nahe, wie Max Verstappen betont: "Wenn da entweder eine Mauer steht oder da ein Kiesbett kommt, dann würde das viel helfen." Für eine ähnlich "natürliche Abschreckung" hatte sich zuvor schon Red-Bull-Sportchef Helmut Marko ausgesprochen, im exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Für Sebastian Vettel wäre etwas dergleichen "ziemlich eindeutig". Er erklärt: "Wenn wir mehr Kies oder etwas hätten, was dich bestraft oder die Kontrolle verlieren lässt, wenn du von der Strecke fährst, dann wäre das eine natürliche Strafe, ein natürliches Limit. Und dann hätte man auch weniger von diesen Diskussionen."

Kimi Räikkönen denkt in die gleiche Richtung: "Wenn du überall Gras oder Sand neben die Strecke kippst, dann sind die Tracklimits einfacher zu überwachen. Dann verlierst du auch mehr Zeit, wenn du von der Strecke fährst."

Klingt alles prima, aber ...

Doch so einfach ist es nicht, erklärt der Ex-Champion weiter: "Motorräder zum Beispiel brauchen andere Auslaufzonen als wir. Es muss für alle [Rennserien] passen, sonst ist es nicht sinnvoll für die Strecken." (ANZEIGE: Hol dir die komplette Formel 1 und den besten Live-Sport mit Sky Q oder streame flexibel mit Sky Ticket. Ganz ohne Receiver.)

Deshalb bringt Williams-Fahrer George Russell einen ganz anderen Vorschlag ein: Nicht am Auslauf herumtüfteln, sondern an den vorgegebenen Limits. Er selbst formuliert es so: "In Zukunft müssen wir uns Gedanken darüber machen, wo wir die weiße Linie hinmalen. Und dann sollte sie dorthin kommen, wo wir normalerweise auch fahren."

Dann schlägt Russell die Brücke zur strittigen Kurve 4 in Bahrain, also zu jener Stelle, an der Verstappen im Rennen außenrum an Lewis Hamilton vorbeigegangen war - unter Verletzung der Tracklimits, weshalb der Überholvorgang nicht zählte. Hamilton wiederum war einer der Fahrer, die ihre Linie dort zuvor betont großzügig ausgelegt hatten.

Wie Russell Kurve 4 in Bahrain verbessern würde

Mit einer kleinen Änderung am Streckenverlauf, sagt Russell, ließe sich die Diskussion um Tracklimits an dieser Stelle umgehen. Er meint: "Kurve 4 ist klasse. Da hast du außenrum eine Überholmöglichkeit. Und wenn man sieht, wo alle langfahren, dann müssen wir das Limit neu justieren."

Es gäbe "nicht unbedingt" einen Grund, weshalb sich die weiße Linie ausgangs Kurve 4 gerade an der Stelle befinde, wo sie ist. "Dabei kannst du als Fahrer gerade in dieser Passage eine andere Linie fahren. Daher ist es schade, dass die weiße Linie so war, wie sie war", sagt Russell. "Ein bisschen mehr Asphalt und wir hätten viele Möglichkeiten."

Räikkönen aber winkt ab: Die Erfahrung aus vielen Saisons Formel 1 habe ihn gelehrt, dass dem Thema nicht beizukommen sei. "So ist es doch schon seit Jahren und man weiß, da ändert sich nichts. Auf manchen Strecken ist es eben schwieriger als auf anderen. Ich sehe da kein Ende [der Debatte]."

Er wisse nur: Eigentlich hätte es in Bahrain keine zwei Meinungen darüber geben können, was erlaubt war und was nicht. Die Regeln seien "sehr klar" gewesen, betont Räikkönen. "Das war hinterher ein großes Thema, aber wir alle hatten gewusst, was man durfte und was nicht."

Pressekonferenz zeigt: Klar ist, dass es nicht klar war

Aber war es wirklich allen Beteiligten so klar, wie Räikkönen behauptet? Ein Dialog zwischen Vettel und Hamilton aus der Pressekonferenz in Imola zeigt, wie undurchsichtig die Tracklimits-Regelungen in der Formel 1 gehandhabt werden.

Hamilton sagte zunächst, er habe seit dem Bahrain-Rennen "nicht viel" über Tracklimits nachgedacht. Dann: "Ich denke, für mich war klar, als wir ... Ich weiß eigentlich nicht genau, warum ... Ich verstehe eigentlich nicht. Diese Kurve, Kurve 4, die ist schon seltsam."

Vettel: "Es war in der Fahrerbesprechung vor dem Rennen ziemlich klargemacht worden. Sie hatten gesagt, man könne im Qualifying mit dem Randstein und den Tracklimits spielen. Und: Wenn jemand einen klaren Vorteil daraus ziehen würde, dann müssten sie sich das anschauen."

Hamilton: "Aber dann im Rennen, da hieß es, sie würden es nicht überwachen. In den Notizen [des Rennleiters] steht, man würde es nicht überwachen."

Vettel: "Sofern man keinen nachhaltigen Vorteil gewinnt. Der Kampf um die Führung ist aber wohl so viel Vorteil, wie man nur kriegen kann!"

Hamilton: "Dann bekam ich plötzlich während des Rennens die Nachricht [, dass Tracklimits gelten in Kurve 4]. Anfangs war es unklar. Dann kamen die Änderungen. Ich habe [durch das weite Rausfahren in Kurve 4] weder Zeit verloren noch gewonnen. Wenn, dann hat es geholfen, die Reifen am Leben zu halten. Die Daten zeigen: Es war genau gleich schnell. Ich sehe da kein echtes Problem."

Verstappen versteht das Hin und Her nicht

Verstappen sieht aber sehr wohl ein Problem, nämlich in der Auslegung der Regeln. O-Ton: "Ich denke nicht, dass man die Regeln während des Rennens ändern sollte. Entweder es ist erlaubt oder eben nicht."

Lewis Hamilton, Max Verstappen

Lewis Hamilton vor Max Verstappen: So ging der Bahrain-Grand-Prix letztlich aus

Foto: Motorsport Images

"Denn: Im Qualifying mussten wir auf dem Randstein bleiben. Genau das habe ich auch im Rennen gemacht, um mir nichts zuschulden kommen zu lassen. Dann hörte ich, dass Lewis weiter rausfährt. Das habe ich ebenfalls für zwei Runden gemacht, aber danach durfte man es nicht mehr."

Das beanstandete Überholmanöver gegen Hamilton spiele bei seiner Einschätzung übrigens keine Rolle, betont Verstappen. "Das war außerhalb der Tracklimits und das ist nicht erlaubt. Das finde ich in Ordnung", sagt Verstappen. "Aber wenn man sich beim Überholen keinen Vorteil verschaffen darf, warum dann in der Alleinfahrt? Das ist meiner Meinung nach nicht stimmig."

Hamilton ohne Vorteil? Verstappen widerspricht!

Außerdem sei es im Rennen eben "ein bisschen durcheinander" gegangen, weil die Regeln auf einmal verändert worden seien. "Davor war es sehr streng und, wie ich finde, gut gehandhabt worden", meint Verstappen.

Er widerspricht dann auch Hamilton, der für sich beansprucht, keinen Vorteil aus seiner weiten Linie gezogen zu haben. Verstappen aber attestiert Hamilton, dieser sei "30 Mal oder so" weiter rausgefahren, "und da gewinnst du Zeit", so Verstappen. "Bei mir hieß es nach zwei Runden, man darf es nicht mehr. Das ist etwas seltsam."

Aus diesem Grund plädieren die Fahrer vor dem zweiten Rennen in Imola um eine Klarstellung seitens Formel-1-Rennleiter Michael Masi. "In der Fahrerbesprechung", sagt Verstappen, "werden wir darüber reden. Und dann schauen wir, was dabei herauskommt."

Tracklimits in Imola? Achtung bei der Schikane ...

Aber wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass Tracklimits auch in Imola eine Rolle spielen? Laut Russell dürfte es dieses Mal "etwas einfacher" sein als in Bahrain, aber Lance Stroll wittert vor allem "ausgangs der Schikane" das Potenzial für neuen Ärger zwischen Fahrern und Sportkommissaren.

Stroll erklärt: "An dieser Stelle nimmst du die Randsteine ziemlich mit. Es ist nicht so einfach, da innerhalb der Tracklimits zu bleiben."

Allerdings gäbe es für solche Stellen eine einfache Faustregel: "Die Innenräder müssen auf dem Randstein sein. Fährst du darüber hinaus, ist das nicht mehr okay. Diese Regel gilt immer, egal wo wir sind." Es sei denn, Rennleiter Masi gibt mit seinen "Event-Notes" andere Anweisungen an die Formel-1-Fahrer heraus.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Event Imola
Fahrer Max Verstappen
Urheber Stefan Ehlen