Analyse: Die Scheidung von McLaren und Honda rückt näher

McLaren steht kurz davor, sich von seinem Motorenpartner Honda zu trennen. In den kommenden Tagen entscheidet sich, ob Honda noch eine neue Chance bekommt oder nicht.

Das bedeutet auch: In Folge dessen wird klar, wie sich die Motorensituation in der Formel-1-Saison 2018 darstellt – und wie die Zukunft von Formel-1-Superstar Fernando Alonso aussieht.

Denn nach Monaten der Ungewissheit, welchen Weg McLaren für 2018 einschlagen wird, scheinen die Würfel nun zu fallen. Das britische Traditionsteam hat offenbar die Geduld verloren und glaubt nicht mehr daran, dass Honda kurzfristig deutliche Verbesserungen umsetzen kann.

Honda war allerdings nicht untätig und hat sich sogar Hilfe von außen geholt. Doch selbst mit der Unterstützung der Motorenspezialisten von Ilmor sind die Fortschritte des japanischen Herstellers hinter den Erwartungen von McLaren zurückgeblieben. Die Bedenken, Honda könnte auch in Zukunft nur hinterherfahren, sind bei McLaren geblieben.

Und jetzt wird die Zeit knapp: Die Entscheidung, welcher Antrieb im Auto für die F1-Saison 2018 verbaut werden soll, muss in Kürze fallen. Und dann wäre da auch noch die Frage zu klären, ob Alonso einen neuen McLaren-Vertrag unterschreibt oder nicht. Um den zweimaligen Weltmeister im Team zu halten, muss sich McLaren wahrscheinlich von Honda trennen – und mit Renault-Motoren einen Neuanfang wagen.

Die Sache hat mehrere Haken

Doch so einfach ist das nicht. Um einen solchen Wechsel des Motorenpartners hinzukriegen, gilt es für McLaren einige Hürden zu nehmen. Das bedeutet: Es gibt keine Garantie, dass der McLaren-Plan auch tatsächlich aufgeht.

Laut einer Quelle geht es inzwischen nicht mehr darum, ob sich McLaren von Honda trennt, sondern darum, wie kompliziert oder gar schmutzig eine solche Scheidung ablaufen würde.

Die einfachste Lösung wäre: McLaren überzeugt Honda, in der Formel-1-Saison 2018 und darüber hinaus auf Toro Rosso zu setzen. Damit wäre der Motorenvertrag von Toro Rosso mit Renault wieder verfügbar und könnte im Gegenzug zu McLaren transferiert werden.

Ein solches Szenario wäre in vielerlei Hinsicht interessant: Toro Rosso würde finanziell davon profitieren, Honda bliebe der Formel 1 erhalten und McLaren könnte endlich an Leistung zulegen.

Entsprechende Gespräche befinden sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und laufen weiter, obwohl es im Sommer so schien, als seien die Verhandlungen wieder eingestellt worden. Sowohl Toro Rosso als auch Honda hatten zuletzt abgestritten, offizielle Gespräche miteinander zu führen. McLaren wiederum verriet: Um einen möglichen Deal Realität werden zu lassen, wurde McLaren bereits für ein Getriebe angefragt.

Quellen zufolge ist Honda allerdings nicht gerade angetan von einem möglichen Wechsel von McLaren zu Toro Rosso. Der japanische Hersteller will McLaren nicht einfach aufgeben.

Das Ergebnis ist eine Pattsituation zwischen McLaren und Honda. Keine beteiligte Partei kann einen Schritt tun, um eine Entscheidung herbeizuführen. Doch die Zeit drängt: Offenbar hat Toro Rosso nun eine Deadline für 2018 ins Spiel gebracht. Demnach muss am Rennwochenende in Monza alles geklärt werden.

Das wiederum hat zur Folge, dass sich McLaren und Honda rasch über die Zukunft einig werden müssen. Denn sonst verstreicht die Frist und Toro Rosso ist nicht mehr dazu in der Lage, einem Wechsel des Motorenpartners zuzustimmen.

Vertragsbruch ja oder nein?

McLaren scheint sich bereits darauf versteift zu haben, 2018 nicht mehr auf Honda-Motoren zurückzugreifen. Sollte aber Honda nicht zu Toro Rosso wechseln können, dann müsste McLaren gegebenenfalls seinen aktuellen Motorenvertrag mit Honda aufkündigen. Eine rechtliche Schlammschlacht könnte folgen.

Honda würde damit wahrscheinlich aus der Formel 1 gedrängt werden. Das wiederum ist ein Szenario, das die neuen Formel-1-Eigentümer von Liberty Media gern vermeiden würden. Andererseits entstünde so eine Situation, in der die Regeln des Automobil-Weltverbands (FIA) vorgeben, dass einer der anderen Motorenhersteller McLaren für die Formel-1-Saison 2018 mit Antrieben versorgen müsste.

Renault gilt als bevorzugte Option für McLaren, wenngleich sich die französische Marke von der Aussicht, vier statt drei Teams ausrüsten zu müssen, weiterhin nicht begeistert zeigt. Die Regeln aber schreiben vor, dass jeder Rennstall Motoren bekommen muss. Am Ende hätte Renault wahrscheinlich keine Wahl.

Die Zukunft von Fernando Alonso

Will McLaren auch weiterhin mit Alonso zusammenarbeiten, muss ein anderer Motorenlieferant her. Das scheint die Zwickmühle zu sein, in der sich McLaren vor der Formel-1-Saison 2018 befindet.

Der spanische Rennfahrer soll hinter verschlossenen Türen bereits signalisiert haben, er verbleibe im Team, sofern es McLaren gelinge, im kommenden Jahr mit Renault-Motoren an den Start zu gehen.

Denn auf Seiten des Chassis hat McLaren gute Fortschritte gemacht. Beim Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps war Alonso zum Beispiel dazu in der Lage, mit Vollgas durch die schnelle Linkskurve Pouhon zu fahren. Außerdem ist die Ära Ron Dennis bei McLaren vorbei. All dies dürfte bei Alonso für neue Motivation gesorgt haben.

Das einzige Problem ist und bleibt: der Honda-Antriebsstrang. Alonso scheint seine Hoffnungen, Honda könnte sich entscheidend steigern, inzwischen begraben zu haben. Sein Wunsch nach Renault-Motoren hat bei McLaren im Gegenzug dafür gesorgt, dass das britische Traditionsteam die Trennung von Honda nun forciert.

Denn Alonso hat sich nach dem Rennen in Spa sehr deutlich zu seinen Vorstellungen für die Formel-1-Saison 2018 geäußert: "Es muss nur eine einzige Veränderung vorgenommen werden."

Und daran arbeitet McLaren jetzt mit Nachdruck.

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Rennserien Formel 1
Teams McLaren , Toro Rosso
Artikelsorte Analyse
Tags antrieb, antriebsstrang, f1, formel 1, formel 1 2018, honda, mclaren, motor, politik, renault, verhandlung