McLaren rätselt über Motor-Potenzial: "Erschreckender Rückstand"
McLaren startet mit großem Rückstand in die neue Saison - Weltmeister Lando Norris spricht von einem "sehr, sehr großen Abstand" zur Spitze
Lando Norris blieb beim Großen Preis von Australien ohne Chance
Foto: LAT Images
Der Saisonauftakt der Formel 1 in Australien hat für McLaren eine ernüchternde Realität offengelegt. Weltmeister Lando Norris wurde in Melbourne nur Fünfter - mit über 50 Sekunden Rückstand auf Rennsieger George Russell im Mercedes. Im McLaren-Lager ist deshalb schnell klar: Der Abstand zur Spitze ist deutlich größer als erhofft.
Sky-Experte Timo Glock sieht die Situation für McLaren kritisch. Schon über das gesamte Wochenende hinweg habe sich angedeutet, dass das Team nicht auf Augenhöhe mit Mercedes ist.
"Das hat man über das Wochenende schon rausgehört", sagt Glock. Vor allem die sonst sehr optimistische Art von CEO Zak Brown sei auffällig zurückhaltend gewesen. "Seine Stimme war schon sehr gedämpft", meint Glock. Offenbar habe McLaren früh gemerkt, dass der Abstand größer ist als erwartet.
Das Rennen bestätigte diese Einschätzung deutlich. "Der Abstand ist schon erschreckend groß, wenn man überlegt, dass es die gleiche Powerunit ist", sagt Glock. Mercedes und McLaren nutzen beide den Motor aus Brixworth - trotzdem lag Norris im Ziel 51,7 Sekunden zurück.
Batterie-Management als Schlüssel
Für Glock liegt der Hauptunterschied nicht allein im Motor selbst, sondern darin, wie das Gesamtsystem genutzt wird. "Es ist die Frage, wie man das bessere Laden der Batterie versteht und das Einsetzen so strukturiert, dass man über die Runde mehr Performance hat", erklärt er.
Gerade unter den neuen technischen Regeln ist das Energiemanagement extrem komplex geworden. Wer Batterieenergie besser zurückgewinnt und effizienter einsetzt, kann deutlich mehr Leistung abrufen.
Deutlich wird daher auch der Blick in die Rennpacedaten. Zwar lag Norris im Ziel "nur" 51,7 Sekunden hinter Sieger George Russell, doch dieser Abstand ist durch Strategie, Rennverlauf und viele Runden unter dem virtuellen Safety-Car etwas verzerrt.
Mercedes fuhr eine sehr lange Einstoppstrategie und war am Ende auf deutlich älteren Reifen unterwegs, während Norris zweimal stoppte. Rechnet man diese Faktoren heraus, fehlte McLaren im Schnitt 1,34 Sekunden pro Runde auf Mercedes, ein ähnlicher Wert wie schon am Freitag in den Longruns.
Brown: "Wir haben Arbeit vor uns"
McLaren-CEO Zak Brown bestätigt, dass sein Team aktuell hinter Mercedes zurückliegt. "Wir haben Arbeit vor uns", sagt er offen. Die Powerunits seien extrem komplex, erklärt Brown. Deshalb müsse McLaren erst verstehen, warum Mercedes deutlich mehr Leistung aus dem gleichen Antriebssystem herausholen kann.
"Im Moment können wir nicht replizieren, was sie machen - besonders beim Deployment und bei der Energierückgewinnung", sagt Brown. Das Team müsse nun die Daten genau analysieren, um herauszufinden, wo der Unterschied entsteht.
Norris: "Wir sind sehr weit weg"
Auch Lando Norris selbst macht keinen Hehl aus der aktuellen Situation. Trotz Platz fünf sei schnell klar gewesen, dass McLaren nicht mit der Spitze mithalten konnte. "Wir sind sehr weit weg - wirklich sehr, sehr weit weg", sagt der Weltmeister.
Im Rennen lieferte er sich vor allem ein Duell mit Max Verstappen. Dass er den Red-Bull-Piloten am Ende hinter sich halten konnte, wertet Norris bereits als kleinen Erfolg. "Max war das einzige Auto, gegen das ich wirklich gekämpft habe", sagt er. "Ich dachte zwischendurch sogar, ich müsste ihn einfach vorbeilassen."
Durch Anpassungen am Frontflügel während des Rennens wurde der McLaren im letzten Stint etwas stärker. "Wir haben alles maximiert, was heute möglich war", sagt Norris. Trotzdem sei klar, dass das Team noch viel Arbeit vor sich habe.
Probleme mit Reifen und Auto
Neben dem Energiemanagement sieht Norris auch das Auto selbst als Schwachpunkt. "Der Unterschied liegt mehr im Auto", erklärt er. Besonders mit den Reifen hatte McLaren Schwierigkeiten. "Wir haben die Vorderreifen nach drei Runden zerstört", sagt Norris. Das bekannte Problem mit Graining sei weiterhin vorhanden.
Das Fazit des Weltmeisters fällt deshalb deutlich aus: "Heute haben wir verstanden, dass wir mit dem Auto im Moment nicht da sind, wo wir sein müssen."
Aufholjagd wird Zeit brauchen
McLaren-Teamchef Andrea Stella glaubt ebenfalls, dass zwei zentrale Bereiche verbessert werden müssen: die Nutzung der Powerunit und die mechanische Performance des Autos.
In den Daten sehe man deutlich, dass Mercedes auch in einigen Kurven schneller ist. Gleichzeitig müsse McLaren lernen, das volle Potenzial des Motors auszuschöpfen. "Wir haben klare Prioritäten", sagt Stella.
Schnelle Lösungen erwartet er allerdings nicht. Größere Updates am Auto könnten erst in einigen Rennen kommen. "In den ersten Rennen müssen wir sicherstellen, dass wir das Maximum aus dem aktuellen Paket herausholen", erklärt Stella.
Für McLaren bedeutet der Saisonauftakt deshalb vor allem eines: viel Analysearbeit - und eine schwierige Aufholjagd gegen einen derzeit überlegenen Mercedes.
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