McLaren-Renndirektor erklärt: Das sind die Probleme bei Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo sucht in der laufenden Formel-1-Saison bei McLaren weiter seine Form - Renndirektor Andrea Stella erklärt, womit der Australier zu kämpfen hat

McLaren-Renndirektor erklärt: Das sind die Probleme bei Daniel Ricciardo

McLaren-Renndirektor Andrea Stella hat erklärt, warum sich Daniel Ricciardo nach seinem Wechsel zum britischen Team in der ersten Saisonhälfte so schwergetan hat. Für Stella liegen die Gründe hauptsächlich in den Charakteristiken des Autos und in der geringen Fahrzeit, um sich an diese anzupassen.

"Er kam vom anderen Ende, wenn es darum geht, wie man ein Formel-1-Auto fährt", sagt Stella. So verlange der MCL35M "bestimmte Anpassungen", sagt er und führt aus: "Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass unser Auto in schnellen Kurven gut funktioniert. Aber es ist nicht das beste Auto, wenn man zum Beispiel in der Kurve Geschwindigkeit abbauen muss", so Stella.

Genau darin würden aber Ricciardos Stärken liegen. "Er ist ein Fahrer, der gerne in der Kurve die Geschwindigkeit herausnimmt, anstatt die Bremse zu attackieren, wie es unser Auto verlangt", sagt er.

Stella: Haben Problem verstanden

Das Team habe inzwischen verstanden, wo das Problem bei Ricciardo liege. Damit sei ein wichtiger Schritt bereits gemacht. "So können wir diesen Aspekt nachbilden, was bedeutet, dass man weiß, was man im Hinblick auf die Arbeit am Simulator und das Coaching des Fahrers zu bestimmten Aspekten tun muss", erklärt Stella.

Dabei sei es nicht einfach möglich, das Auto an Ricciardos Stil anzupassen. Schließlich bestehe das Auto aus einer Vielzahl aufeinander abgestimmten Komponenten. "Formel-1-Autos sind in gewisser Weise Objekte, die relativ weit von normalen Autos entfernt sind", sagt Stella: "Denn ihre Leistung wird vollständig von der aerodynamischen Leistung dominiert."

Es sei jedoch schwierig, bei der Aerodynamik Feintuning vorzunehmen, "denn um die aerodynamischen Kräfte zu erzeugen, braucht man eine sehr feste Strömungsstruktur. Und es dauert Monate und Monate oder Jahre und Jahre der Entwicklung, um diese Strukturen so zu konsolidieren, dass man die aerodynamische Effizienz des aktuellen F1-Autos erreichen kann", erklärt Stella.

Ricciardo wie ein Musiker

Ricciardo liegt nach den bislang absolvierten elf Saisonrennen mit 50 Punkten auf Rang neun in der WM-Wertung. Damit steht er deutlich im Schatten seines Teamkollegen Lando Norris, der mit 113 Punkten derzeit WM-Dritter ist.

In der Formel 1 seien Verbesserungen auch nicht von einem Rennen zum anderen zu sehen, stellt Stella klar. Der Umstand, dass die Wintertests auf eineinhalb Tage pro Fahrer reduziert und auch die Freien Trainings am Freitag auf eine Stünde gekürzt worden sind, erschwere den Anpassungsprozess bei Ricciardo. Übung mache schließlich den Meister.

"Ich vergleiche das gerne mit einem Musiker", sagt Stella: "Man kann ihm sagen, wir er eine Gitarre spielen soll, man kann viel Theorie benutzen, aber an einem bestimmten Punkt muss man einfach Zeit mit der Gitarre verbringen und viel üben."

Trainings helfen nicht bei der Anpassung

Die größten Fortschritte erziele ein Musiker auch nicht bei einem Konzert, sondern man mache sie, "wenn man zu Hause im Hintergrund daran arbeitet und Stunden um Stunden übt", meint Stella.

Die reduzierten Trainings am Freitag böten dabei keine ausreichende Zeit, um sich mit dem Instrument vertraut zu machen. "Es sind Trainings, in denen es darum geht, sich auf das Renne vorzubereiten. Das sind keine Trainings, in denen man systematische Arbeiten machen kann, um sich auf das Auto einzustellen oder um die Feinheiten zu verstehen, die notwendig sind, damit die Formel-1-Fahrer auf dem hohen Level agieren können", erklärt er.

"Schritt für Schritt" seien jedoch Fortschritte bei Ricciardo erkennbar, stellt Stella klar. "Und wir sehen auch Daniels Fertigkeiten im Rennen, die sehr komplett sind. Was wir jetzt noch hinzufügen müssen, ist dieses letzte Bisschen an Speed", meint Stella.

An Ricciardos Einstellung werde es nicht scheitern, ist er überzeugt. "Die Einstellung ist sehr positiv, genau das, was man bei Daniel sieht und was wir von ihm kennen. Das bedeutet, selbst wenn wir nicht den Speed erreichen, den wir gerne hätten, ist der Geist trotzdem stark und die Motivation ist hoch", berichtet Stella: "Daher genießen wir die Reise weiterhin."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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