McLaren warnt vor Regen in Kanada: Vorteil für Ferrari und Red Bull
Ferrari und Red Bull könnten beim verregneten Kanada-Grand-Prix dank Pirelli-Tests im Vorteil sein, warnt McLaren-Teamchef Andrea Stella
Andrea Stella glaubt, dass sein McLaren-Team im Regen benachteiligt sein könnte
Foto: LAT Images
Vor dem möglicherweise verregneten Grand Prix von Kanada zeichnet sich ein unerwarteter Vorteil für Ferrari und Red Bull ab. McLaren-Teamchef Andrea Stella glaubt, dass die beiden Rivalen dank früherer Pirelli-Regenreifentests besser auf schwierige Bedingungen in Montreal vorbereitet sein könnten.
Der Hintergrund: Pirelli absolviert während der laufenden Formel-1-Saison regelmäßig Entwicklungsfahrten mit einzelnen Teams, um neue Reifenmischungen und Konstruktionen zu evaluieren. Zwar dürfen dabei keine neuen Fahrzeug-Upgrades getestet werden, dennoch liefern solche Einsätze wertvolle Erkenntnisse - insbesondere bei nassen Bedingungen, die im regulären Rennbetrieb bislang kaum vorkamen.
Genau das könnte am Wochenende auf dem Circuit Gilles Villeneuve entscheidend werden. Die Wetterprognosen sagen für Sonntag niedrige Temperaturen um lediglich zwölf Grad Celsius sowie Regen voraus. Auf dem ohnehin extrem glatten Asphalt der Ile Notre-Dame könnte das zu einem massiven Gripproblem werden.
Pirelli-Tests könnten zum Schlüsselfaktor werden
Mehrere Teams sammelten in den vergangenen Monaten bereits Erfahrungen mit den aktuellen Autos auf nasser Strecke. Für Red Bull testete Isack Hadjar gemeinsam mit den Racing-Bulls-Piloten Arvid Lindblad und Liam Lawson nach dem Japan-GP in Suzuka.
Ferrari setzte Lewis Hamilton im April in Fiorano ein, während Alpine mit Pierre Gasly zuletzt in Magny-Cours unterwegs war. McLaren und Mercedes hingegen konnten bislang keine vergleichbaren Erfahrungen sammeln - und genau darin sieht Stella einen möglichen Nachteil.
"Ich denke schon, dass das ein Vorteil ist", erklärt der Italiener. "Es gibt weiterhin Unsicherheiten bezüglich des Verhaltens der Power-Unit. Selbst nach mehreren Rennen sprechen wir noch immer über die optimale Nutzung des Antriebs."
Gerade im Regen würden sich viele Parameter deutlich stärker verändern als in Simulationen vorhersehbar sei. "Unter nassen Bedingungen weichen die Dinge noch stärker von dem ab, was man erwartet oder simulieren kann", so Stella weiter. "Die Power-Unit bleibt deshalb ein Faktor mit hoher Variabilität. Wenn man bereits damit getestet hat, weiß man möglicherweise einfach ein bisschen mehr."
Neben dem Motorenthema sieht Stella vor allem die Reifen als große Unbekannte. "Aus Reifensicht ist völlig unklar, ob die Pneus in ihrem optimalen Arbeitsfenster funktionieren oder leicht außerhalb davon liegen werden", erklärt er. "Ich spreche dabei speziell vom Temperaturfenster."
Montreal stellt Teams vor besondere Probleme
Der Circuit Gilles Villeneuve gilt seit Jahren als eine der schwierigsten Strecken, um Reifen auf Temperatur zu bringen. Der Asphalt gehört zu den glattesten der gesamten Saison, dazu fehlen lange Highspeed-Passagen, die normalerweise helfen würden, Energie in die Reifen zu bringen.
"Diese Strecke hat praktisch keine schnellen Kurven", erklärt Stella. "Dadurch ist es extrem schwierig, Temperatur aufzubauen. Der Belag ist unglaublich glatt - einer der glattesten überhaupt im Kalender."
Hinzu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Die aktuellen Regenreifen konnten 2026 bislang kaum unter realen Rennbedingungen getestet werden. "Wir hatten bisher praktisch keine nassen Sessions an Rennwochenenden", sagt Stella. "Selbst Pirelli konnte deshalb noch nicht wirklich kalibrieren, wo die Reifenmischungen aktuell genau stehen."
Für die Ingenieure bedeute das eine enorme Zahl unbekannter Variablen. "Es gibt so viele Dinge, die wir erst entdecken müssen", meint der McLaren-Teamchef. "Und genau deshalb haben diejenigen einen kleinen Vorteil, die bereits getestet haben."
Gasly erwartet chaotisches Rennen
Auch Alpine-Pilot Pierre Gasly glaubt, dass die Bedingungen in Montreal extrem schwierig werden könnten. Der Franzose konnte bei den jüngsten Pirelli-Tests in Magny-Cours selbst Erfahrungen auf nasser Strecke sammeln. "Schon im Trockenen ist es auf dieser Strecke schwer, die Reifen aufzuwärmen", erklärt Gasly. "Im Regen wird das extrem schwierig."
Vor allem die Kombination aus niedrigen Temperaturen, wenig Grip und glattem Asphalt könnte laut dem Franzosen für ein unberechenbares Rennen sorgen. "Nach meinen Erfahrungen wird das ein ziemlich ereignisreiches Rennen", prognostiziert Gasly.
Damit könnte der Kanada-GP nicht nur strategisch, sondern auch fahrerisch zu einer der größten Herausforderungen der bisherigen Saison werden. Besonders in den ersten Rennrunden dürfte es entscheidend sein, wer seine Reifen am schnellsten ins Arbeitsfenster bekommt - und genau dort könnten die bisherigen Pirelli-Testfahrten letztlich den Unterschied machen.
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