McLaren: Weitere Motorwechsel im Moment noch "offen"

McLaren hat derzeit keine Pläne, die Powerunit bei Lando Norris zu wechseln - Teamchef Andreas Seidl spricht zudem über den Zweikampf mit Ferrari

McLaren: Weitere Motorwechsel im Moment noch "offen"

Trotz der zahlreichen Motorenwechsel an Mercedes-betriebenen Fahrzeugen vor dem ersten Freien Training der Formel 1 in Austin gibt es bei McLaren noch keinerlei Pläne, ob und wann Lando Norris an der Reihe ist.

Der Brite ist gemeinsam mit Aston-Martin-Pilot Lance Stroll der einzige Fahrer mit Mercedes-Antrieb im Heck, der noch keine Strafe bekommen hat. Alle anderen mussten bereits über das erlaubte Limit an Powerunits hinausgehen, um sicherzustellen, dass die Aggregate bis Saisonende halten.

In Austin erhielten Williams-Pilot George Russell, Strolls Teamkollege Sebastian Vettel und auch Werkspilot Valtteri Bottas zumindest vereinzelte neue Komponenten. Russell und Vettel werden bis ans Ende des Feldes versetzt, Bottas kassiert nach seinem dritten Wechsel des Verbrennungsmotors binnen vier Rennen eine Strafversetzung von fünf Plätzen.

Seidl: Keine Angaben zu Mercedes-Problemen

Laut McLaren-Teamchef Andreas Seidl ist es aber noch gar nicht in Stein gemeißelt, dass Norris wechseln muss. "Momentan ist alles offen", sagt Seidl. "Im Moment", so erklärt er, gebe es "keine Pläne für einen Wechsel". Allerdings werde die Situation mit Mercedes kontinuierlich bewertet.

Dass Mercedes mit Zuverlässigkeitsproblemen bei seinen Verbrennungsmotoren kämpft, ist Seidl natürlich nicht verborgen geblieben. Allerdings zieht er es vor, sich nicht zu Themen, die den Motorpartner betreffen, zu äußern.

"Wir haben eine sehr offene und transparente Beziehung zu Mercedes, also halten sie uns über alles auf dem Laufenden, was dort vor sich geht. Aber ich denke, es macht auch Sinn, dass sich Mercedes selbst zu den Herausforderungen äußert, die sie im Detail haben", sagt Seidl.

Ferrari mit deutlichem Sprung

Was sich McLaren derzeit auf keinen Fall leisten kann, sind Ausfälle der eigenen Fahrer aufgrund technischer Probleme. Zu stark ist Ferrari inzwischen geworden, die Scuderia hat nach den Fortschritten am Motor zuletzt die Zielsetzung korrigiert und Platz drei in der Konstrukteurs-WM als Ziel ausgegeben.

Seidl ist sich der Bedrohung durch die Roten bewusst, der aktuelle Vorsprung von 7,5 Punkten ist alles andere als ein Ruhekissen. "Wir wachen morgens auf, weil wir unsere Konkurrenten herausfordern und sie schlagen wollen, und das ist es, was wir bei jedem Rennen im Kopf haben. Das ist das Wichtigste", sagt Seidl.

Dass diese Aufgabe inzwischen deutlich schwieriger geworden ist als noch in einer früheren Phase der Saison, ist dem 45-Jährigen bewusst. "Die Realität ist, wie wir zum Beispiel in der Türkei gesehen haben, dass Teams wie Ferrari mit ihrem Paket einen guten Schritt nach vorne gemacht haben. Und wir wissen um die Stärken und Schwächen unseres Pakets", sagt er.

Seidl: Türkei-Probleme waren keine Überraschung

Wichtig sei es für McLaren nun, "dass wir das Maximum aus dem Paket herausholen, das wir haben, das Wochenende operativ robust überstehen und hoffentlich in der Lage sind, am Samstag wieder beide Autos in Q3 zu haben, um dann am Sonntag um gute Punkte zu kämpfen", gibt er den Plan vor.

In der Türkei war das McLaren nicht gelungen, Daniel Ricciardo schied bereits in Q1 aus. Ferrari hingegen präsentierte sich bärenstark. Ganz aus dem Nichts kam diese Entwicklung für das britische Team aber nicht.

"Wir wussten schon vorher, dass dies eine Strecke ist, die definitiv nicht zu unserem Auto passt, mit den Charakteristiken, mit den langen, langsamen bis mittelschnellen Kurven. Also das war keine Überraschung", stellt Seidl klar. Dieses eine Wochenende soll auch nicht den Gesamteindruck schmälern.

Kampf gegen Ferrari "treibt uns aus dem Bett"

"Wie wir gesehen haben, sind wir gelegentlich in der Lage, weiter vorne zu kämpfen und sogar die Autos von Mercedes und Red Bull herauszufordern", blickt er auf die Wochenenden in Monza und Sotschi. Jedoch: "Auf anderen Strecken, mit anderen Charakteristiken, haben wir definitiv zu kämpfen."

Mit Blick auf die verbleibenden Rennen in diesem Jahr erwartet Seidl ein Auf uns Ab im Kampf gegen Ferrari. "Es wird definitiv Strecken geben, die uns mehr liegen und Strecken, die Ferrari mehr liegen, basierend auf dem, was wir bisher in dieser Saison sehen konnten. Aber auch hier denke ich, dass es ein offener Kampf ist", blickt er voraus.

Entschieden werde dieses Duell durch die Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt das Maximum herauszuholen. "Wir haben es mit einem sehr starken Konkurrenten mit zwei ebenfalls sehr starken Fahrern zu tun, also müssen wir einfach alles geben, unser Bestes geben und hoffentlich sind wir in der Lage, bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi zu kämpfen", so Seidl.

Der finanzielle Aspekt mit dem höheren Preisgeld für Rang drei spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Auf den Geschäftsplan habe es keinen Einfluss, ob am Ende ein dritter oder vierter Platz steht. "Für mich der sportliche Aspekt dieses Kampfes im Team am wichtigsten. Wir sind hier, weil wir uns messen wollen und weil wir unsere Konkurrenten schlagen wollen. Das treibt uns morgens aus dem Bett, das treibt uns als Team an", sagt er.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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