Mercedes nach Wende im Titelkampf selbst überrascht

Mercedes hat den Spieß in der Formel-1-WM umgedreht und das Momentum auf die eigene Seite gezogen - Das Selbstvertrauen bei den Silberpfeilen ist zurück

Mercedes nach Wende im Titelkampf selbst überrascht

Innerhalb weniger Wochen hat sich der Wind im Titelkampf der Formel 1 komplett gedreht. Aus dem souveränen Vorsprung, den sich Red Bull durch vier Siege in Folge und besonders Verstappen durch drei Erfolge nacheinander erarbeitet hatten, ist binnen zwei Rennen in beiden WM-Wertungen ein Rückstand geworden.

Das Momentum ist gekippt, Mercedes hält die Trümpfe nun in der eigenen Hand. Neben einer gehörigen Portion Rennglück hat auch das Update am Silberpfeil, das zum Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone eingeführt wurde, seinen Anteil daran. Denn plötzlich stellte Mercedes den großen Rivalen sogar auf einer Strecke in den Schatten, die - so der Eindruck vorher - eigentlich Red Bull liegen sollte.

Doch in Ungarn eroberte das Weltmeister-Team die komplette erste Startreihe und sendete damit auch ein klares Signal. "Wir hatten natürlich zwei gute Ergebnisse in den vergangenen beiden Rennen. Das Glück war definitiv auch auf unserer Seite, weshalb wir uns jetzt in einer guten Position in der WM befinden. Aber was mir wirklich Mut gemacht hat, war unsere Pace in den zwei Rennen", sagt Technikdirektor Mike Elliott.

Mercedes gibt zu: Sind selbst überrascht

Die silberne Brust ist wieder deutlich breiter geworden, das Selbstvertrauen ist zurück. "Besonders das Qualifying in Budapest, sich dort auf Platz eins und zwei zu qualifizieren und das auch noch mit einem ziemlichen Vorsprung - das ist die stärkste Position, in der wir uns in der gesamten Saison befunden haben", stellt Elliott klar.

Mit dieser Verbesserung hatte Mercedes offenbar selbst nicht gerechnet. "Um ehrlich zu sein sind wir selbst überrascht. Es ist natürlich eine schöne Überraschung, aber wir waren überrascht, diesen Vorsprung auf der Poleposition zu haben", erklärt Andrew Shovlin, Trackside Engineering Director des Teams.

Nach den zwei Rennen in Österreich stand Mercedes mit dem Rücken zur Wand. 32 Punkte lag Verstappen in der WM vor Hamilton, gerade hatte der Niederländer drei Rennen binnen 15 Tagen gewonnen. Für viele Beobachter war klar: Führt das Mercedes-Update in Silverstone nicht zu einer deutlichen Steigerung, ist die WM wohl entschieden. Doch Mercedes meldete sich zurück.

Shovlin rätselt über Red Bulls Heckflügel in Budapest

"Das Update in Silverstone hat uns nützliche Performance verschafft", sagt Shovlin. Vor allem die Reifentemperaturen bewegten sich nun in einem besseren Bereich. "Wir hatten eine gute Balance", so Shovlin. In Budapest sei er zudem von Red Bulls Herangehensweise überrascht gewesen, einen kleineren Heckflügel als erwartet zu fahren.

"Normalerweise sind wir immer besorgt, wenn wir auf solche Strecken mit maximalem Abtrieb kommen. Denn während wir dann unseren Flügel für maximalen Abtrieb fahren, kommen sie mit noch einem, der nur für Monaco und hier gemacht ist", so Shovlin.

Dieses Mal jedoch fuhr Red Bull einen kleineren Flügel. "Sie sind am Samstag davon weggegangen. Für uns kam es nie infrage, hier einen anderen als den größten Flügel zu fahren. Wir wissen nicht, warum sie diese Entscheidung getroffen haben, aber es könnte sein, dass sie mit dem großen Flügel nicht genug Grip auf der Vorderachse generiert haben und deshalb auf den kleineren Flügel gewechselt sind", mutmaßt er.

Mercedes stark, Verstappen im Pech

Während die Pace im Qualifying in Budapest klar für Mercedes sprach, war das Rennen kaum zu interpretieren. Das Chaos in der ersten Kurve ließ Red Bull mit stumpfen Waffen zurück. Sergio Perez musste aufgeben, Verstappen hatte nur noch "ein halbes Auto", wie Teamchef Christian Horner es beschreibt.

Denn neben dem Update, das Mercedes brachte, gehört zur Wahrheit auch, dass Verstappen in Silverstone und Budapest nicht wirklich vom Glück geküsst wurde. "Wenn man auf die Rennen schaut, in denen wir nicht gepunktet haben: Aserbaidschan war nicht Max' Fehler, Silverstone war nicht Max' Fehler und hier war es auch nicht Max' Fehler", sagte Horner nach dem Rennen in Ungarn.

Möglicherweise bis zu 66 Punkte kosteten Verstappen allein diese drei Rennen. In Baku und Silverstone lag er zum Zeitpunkt der Ausfälle jeweils in Führung, in Budapest war er in der ersten Kurve auf dem zweiten Platz positioniert. Stattdessen wurde er am Ende nur Neunter.

Horner glaubt an ausgleichende Gerechtigkeit

Doch Horner glaubt an so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. "Unser Glück wird sich ändern. Über eine Saison hinweg gleicht es sich aus, daher freue ich mich auf die zweite Hälfte der Saison", stellt er klar. Nach der Sommerpause geht es direkt mit zwei Heimspielen für Verstappen weiter: in seinem Geburtsland Belgien und vor seiner 'Orange Army' in Zandvoort.

Der neue WM-Führende Hamilton hofft unterdessen, das Momentum auch nach der Pause halten zu können und lobt sein Team in höchsten Tönen. "Die Jungs mit ihrem Update, es war eine Kombination aus verschiedenen Dingen, aber sie haben einen richtig guten Schritt gemacht", erklärt er.

Und er will eines klarstellen: "Wir werden nie aufgeben. Wir werden weiter pushen und kämpfen und ich fühle mich geehrt, für ein solches Team fahren zu dürfen. Wir werden aus den Fehlern lernen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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