Mercedes "vermutlich" mit Stallregie im Sprintqualifying

Warum Mercedes im Sprintqualifying der Formel 1 in Monza mit einer Stallregie einen Positionstausch zwischen Valtteri Bottas und Lewis Hamilton anordnen könnte

Mercedes "vermutlich" mit Stallregie im Sprintqualifying

Immer, wenn der Teamkollege vor dem in der WM besser platzierten Fahrer steht, lautet die große Frage: Wird es eine Stallregie geben? Mercedes-Teamchef Toto Wolff muss sich beim Italien-Grand-Prix in Monza (hier alle Einheiten im kostenlosen Formel-1-Liveticker verfolgen!) mit genau dieser Frage beschäftigen. Denn Valtteri Bottas startet vor Lewis Hamilton. Wolffs Antwort: Es werde "vermutlich" auf eine Teamorder hinauslaufen.

Das sei aber eine Entscheidung, die er dann nicht leichtfertig treffe, meint Wolff: "Es ist generell schwierig, wenn du Stallregie einsetzen musst, denn als Racer willst du das nicht sehen."

Ein definitives "Ja" auf die Eingangsfrage ist Wolffs Antwort nicht. Er sagt weiter: "Man muss einfach vorsichtig sein in der ersten Kurve. Es kann viel schiefgehen in der ersten Ecke. Du willst natürlich keinesfalls ausscheiden. Aber: Es wird hoffentlich niemand was Dummes versuchen. Dann sehen wir, wo wir stehen." Und dann werde Mercedes entscheiden.

Mercedes will keine Punkte verschenken

Denn klar ist: Auch im Sprintqualifying gibt es WM-Punkte, wenige zwar, aber in einem so engen Titelkampf vielleicht genau so viele, dass diese Zähler am Ende den Unterschied machen.

Hamilton kennt das aus eigener Erfahrung: "Wir haben schon mal einen Titel um einen Punkt verloren", sagt der siebenmalige Weltmeister. 2007, in seinem ersten Formel-1-Jahr, fehlte am Ende genau ein Punkt zum Titel. Das soll ihm nicht erneut passieren.

"Dieses Jahr", sagt Hamilton, "haben beide Seiten schon Punkte verloren. Also ja, jeder Punkt zählt. Die Sprintrennen können definitiv helfen. Wir müssen also versuchen, das zu nutzen."

Lob für Bottas, Selbstkritik von Hamilton

Er selbst hat es im Qualifying aber verpasst, die Bestzeit zu setzen. "Valtteri war einfach schneller", meint Hamilton. "Ich konnte da nicht mitgehen, also hat er sich das verdient. Besonders nach den Neuigkeiten der letzten Tage" - Bottas' abgekündigtem Mercedes-Abschied zum Saisonende - "ist es toll, dass Valtteri so gut unterwegs ist."

Hamilton habe "aus irgendwelchen Gründen nach dem guten ersten Freien Training ein paar Probleme im Qualifying" bekommen. Es war "nicht gerade meine beste Qualifikation", sagt er, nachdem ihn Bottas um 0,096 Sekunden geschlagen hat.

Diese Niederlage trägt Hamilton mit Fassung: "Es ging insgesamt eng zu. Und egal, erste Reihe. Das ist großartig für das Team."

Bottas wirkt "befreit" nach Fahrt zu Platz eins im Qualifying

Am meisten aber strahlt bei Mercedes natürlich Bottas, nach seinem zweiten Qualifying-Erfolg in diesem Jahr und dem vierten Sieg über Hamilton im Direktvergleich. "Endlich!", sagt Bottas. "Es fühlt sich so gut an, wenn du eine gute Runde hinkriegst und es dir bis zum Ende aufsparst, noch dazu mit Windschatten." Es habe ihm "viel Spaß" gemacht.

Valtteri Bottas im Mercedes W12 im Training zum Grand Prix von Italien der Formel 1 2021 in Monza

Valtteri Bottas im Mercedes W12 im Training zum Grand Prix von Italien

Foto: Motorsport Images

Er fühle sich in der Tat auch erleichtert, jetzt, wo endlich klar sei, wie seine sportliche Zukunft aussehe. Und die liegt nicht bei Mercedes, sondern ab 2022 bei Alfa Romeo. Dazu sagt Bottas: "Nächstes Jahr kommen spannende neue Sachen auf mich zu und ich freue mich darauf, aber jetzt liegt der Fokus erst einmal auf dem Sprintrennen am Samstag."

"Wir wollen die maximalen Punkte holen und dann am Sonntag wieder unser Bestes geben. Das Wochenende hat aber schon mal schön begonnen. Ich bin zufrieden."

Auch Teamchef Wolff wirkt zufrieden. Er habe den Eindruck, Bottas trete in Monza nach der Bekanntgabe der Zukunftspläne "befreit" auf. "Vor allem hat er die Runde auch gnadenlos hingelegt", meint Wolff im 'ORF'. "Starke Leistung!"

Schlechte Karten für den Grand Prix am Sonntag

Doch Bottas' Wochenende in Monza steht unter keinem guten Stern: Aufgrund eines Motorwechsels muss er im Grand Prix am Sonntag von ganz hinten losfahren, was aber keine Auswirkungen auf das Sprintqualifying am Samstag hat.

Deshalb gibt sich Bottas gelassen: "Im Sprint kann ich ein paar Punkte holen. Wir versuchen also am Samstag, dass wir das Maximum rausholen. Der Sonntag ist dann ein anderes Thema. Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf das Sprintqualifying, und erst anschließend auf den Sonntag." Dann peile er "noch gute Punkte" an.

Mercedes erstaunt über Red-Bull-Aufschwung in Q3

Warum Bottas so zuversichtlich ist? Er macht seine Hoffnungen an der Mercedes-Form in Monza fest. Die WM-Titelverteidiger hatten schon das Freie Training bestimmt und auch im Qualifying das Tempo vorgegeben. Allerdings sei man dann überrascht gewesen, wie nahe Red Bull schließlich rangekommen sei.

Hamilton etwa meint: "Keine Ahnung, wo [Red Bull] nochmal Pace gefunden hat, aber es dürfte [weiter] eng werden. Sie hatten meilenweit zurückgelegen, waren aber auf einmal da."

Tatsächlich hatte Max Verstappen im ersten Freien Training 0,452 Sekunden auf Hamilton verloren. Auch in Q1 und Q2 war Red Bull nicht auf das Niveau von Mercedes gekommen. Einzig in Q3, als Verstappen Windschatten von Red-Bull-Teamkollege Sergio Perez bekam, ging es richtig voran für die WM-Herausforderer.

Bottas wähnt Mercedes aber "vielleicht stärker als erwartet an diesem Wochenende" und hofft, dieser Trend setze sich auch im Renntrimm so fort.

Laut Wolff sieht es für Mercedes zumindest "okay" aus. "In Zandvoort waren wir nicht ganz dabei. Da spielte aber auch der Max-Faktor eine Rolle. Es war sein Heimrennen, seine Fans. Er war auch insgesamt echt gut unterwegs."

"Schauen wir mal, wie die Nummer hier [in Monza] ausgeht, und dann in Russland. Aber ein Rennen nach dem anderen. Ich will nicht vorab urteilen, wie gut wir aufgestellt sein werden, weil es einfach zu eng zugeht zwischen den beiden Teams."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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