Analyse
Formel 1 Monza
Mercedes vs. Ferrari in Monza: Longruns sorgen für großes Fragezeichen
Mercedes und Ferrari liegen in Monza praktisch gleichauf: Die Longruns liefern keinen klaren Favoriten, während McLaren und Red Bull deutlich an Boden verlieren
Kevin Hermann
Veröffentlicht: 04.09.2026, 17:25
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Charles Leclerc fuhr hauchzart die schnellsten Longruns im zweiten Monza-Training
Foto: Sutton Images
Beim Großen Preis von Italien scheint alles auf ein Duell zwischen Mercedes und Ferrari hinauszulaufen. Nachdem Charles Leclerc für die Scuderia das erste Freie Training an der Spitze des Klassements beendet hatte, fuhr im repräsentativeren zweiten Freien Training hingegen Mercedes mit George Russell die Bestzeit.
Mit großer Spannung wurden daher die Longruns am Ende der zweiten Session erwartet. Sie gelten als wichtiger Indikator für die mögliche Rennpace am Sonntag. Doch das Bild ist unklarer als je zuvor.
Bereinigt man die Longruns um unterschiedliche Stintlängen und Reifenmischungen, liegen Ferrari und Mercedes praktisch gleichauf. Charles Leclerc und Lewis Hamilton waren exakt gleich schnell unterwegs (+0,00). George Russell fehlten im ersten Mercedes lediglich zwei Hundertstelsekunden pro Runde, WM-Leader Kimi Antonelli ebenfalls nur 0,04 Sekunden pro Umlauf.
Mercedes vs. Ferrari: Energiemanagement der Schlüssel?
Durch die langen Geraden und die wenigen Kurven spielt das Energiemanagement in Monza eine besonders wichtige Rolle. Und hier scheinen die beiden Topteams tatsächlich unterschiedliche Ansätze gewählt zu haben: Während Mercedes eher am Anfang der Runde Boden gutmacht, scheint Ferrari vor allem im letzten Sektor aufzuholen.
George Russell setzte im zweiten Training mit einer Zeit von 27,044 Sekunden die zweitbeste Zeit im ersten Sektor hinter Pierre Gasly (27,039). Ferrari verlor dort hingegen mit Lewis Hamilton (27,174) und Charles Leclerc (27,259) rund eineinhalb bis zwei Zehntel.
Im zweiten Sektor war kein Team schneller als die Silberpfeile (27,784). Ferrari büßte im kurvenreichsten Abschnitt der Strecke etwa eine Zehntel ein (27,874). Im finalen Sektor wendete sich das Blatt jedoch: Mit einer Zeit von 27,546 nahm Leclerc dem FT2-Sieger Russell (27,721) in Sektor drei rund zwei Zehntel ab.
Vermutlich nutzt Mercedes also etwas mehr Leistung zu Beginn der Runde, während Ferrari diese offenbar am Ende einsetzt. Wer damit nun als Favorit für das Qualifying und das Rennen gilt, bleibt allerdings völlig unklar. Die Abstände sind extrem eng, und kleinste Fehler könnten an der Spitze gleich mehrere Positionen kosten.
McLaren müht sich, Red Bull chancenlos
Fest steht zumindest, dass Mercedes und Ferrari die Spitzenplätze wohl unter sich ausmachen werden. McLaren fehlten im zweiten Training auf eine schnelle Runde rund vier Zehntel. In den Longruns waren es beim Auto von Lando Norris dagegen lediglich 0,19 Sekunden pro Runde.
Das Autodromo Nazionale scheint dem MCL40 damit nicht so gut zu liegen wie zuletzt die engeren und kurvenreicheren Strecken in Budapest und Zandvoort. Am besten schlägt sich das Papaya-Team wenig überraschend im kurvenreichen zweiten Sektor von Monza. Dafür geht insbesondere im letzten Sektor zu viel Zeit verloren.
Während McLaren bereits über die gesamte Saison mit Topspeed und Effizienz des Autos zu kämpfen hatte, lässt sich das über Red Bull nicht behaupten. Der Verbrennungsmotor gilt in der Formel 1 als Klassenprimus, und auch beim Thema Effizienz schienen die Bullen bislang eher am anderen Ende des Spektrums zu liegen.
Trotzdem scheint Red Bull auf der Topspeed-Strecke in Monza bestenfalls die vierte Kraft zu sein. Darauf deuten sowohl die Qualifying-Runs (+0,818) als auch die Longruns (+0,22) hin. In Sachen Rennpace scheint man den Rückstand zwar etwas verkürzen zu können, doch das Grundproblem bleibt bestehen: Vor allem in den Kurven der ersten beiden Sektoren verliert der RB22 zu viel Zeit, die man auf den Geraden nicht mehr aufholen kann.
Mittelfeld: Audi schwächelt, Alpine meldet sich zurück
Auch im Mittelfeld scheint sich das Kräfteverhältnis aufgrund der besonderen Streckencharakteristik von Monza etwas verschoben zu haben. Während Racing Bulls weiterhin an der Spitze des Mittelfeldes zu stehen scheint, könnte das zuletzt starke Audi-Team zurückgefallen sein.
Insbesondere beim Motor hat das Werksteam noch Defizite, was sich speziell in Monza negativ auswirkt. Neben durchschnittlichen Qualifying-Simulationen (+1,173) waren auch die Longruns von Audi nur Mittelmaß.
Gabriel Bortoleto konnte lediglich drei Runden absolvieren, bevor die Technik an seinem Auto streikte. Teamkollege Nico Hülkenberg fehlten in seinem repräsentativeren Longrun 1,42 Sekunden pro Runde auf die Spitze. Damit lag Audi nicht nur hinter Racing Bulls (+0,72), sondern fiel auch hinter Alpine (+0,88), Williams (+1,24) und Haas (+1,28) zurück.
Besonders schwer scheint sich auch Aston Martin nach zuletzt aufsteigender Form zu tun. Während Fernando Alonso keine wirklichen Longruns fahren konnte, waren die von Lance Stroll um 3,94 Sekunden pro Runde langsamer als die Spitze. Damit war Aston Martin auch wieder deutlich langsamer als Cadillac (+2,20).
Die strategische Situation dürfte nach dem Trainingsfreitag deutlich leichter zu beurteilen sein als das Kräfteverhältnis der Teams. Die Longruns zeigten auf allen drei Reifenmischungen keinen wirklichen Reifenverschleiß. Damit ist die Einstoppstrategie in allen möglichen Reifenvarianten für Sonntag gegenüber der Zweistoppstrategie zu bevorzugen.
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