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Mercedes: Warum Lewis Hamilton zweimal an die Box kam

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Mercedes: Warum Lewis Hamilton zweimal an die Box kam
Autor:
Co-Autor: Adam Cooper
13.10.2019, 13:11

Hätte Lewis Hamilton den Grand Prix von Japan gewinnen können, wäre er auf einer Einstoppstrategie gefahren? Der Brite kritisiert seine Strategie im Nachhinein

Lewis Hamilton verlässt Japan enttäuscht. Der Brite schafft auf einer seiner Lieblingsstrecken in Suzuka den dritten Rang. Auf einer Zweistoppstrategie kam er gegen Rennende nicht mehr an Sebastian Vettel vorbei. Gegen Teamkollege Valtteri Bottas hatte er am Sonntag ebenso keine Chance.

"Wenn du vom Start weg nur Dritter oder Vierter bist, dann geht in den Rennen dieser Tage nicht mehr viel", weiß Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Rennen. Hamilton reihte sich von Startplatz vier ebendort in den ersten Kurven ein. Ihm gelang im Gegensatz zu Bottas kein Raketenstart.

Aufgrund des Gerangels zwischen Max Verstappen und Charles Leclerc steckte der Brite zu Beginn des Rennens hinter dem beschädigten Ferrari fest. Als sich an dessen Frontflügel die Endplatte löste, wurde der hinterherfahrende Hamilton am Halo und Seitenkasten von den Teilen getroffen. Die Folge: Sein rechter Rückspiegel wurde abgerissen.

Hamilton: "Warum habe ich so viel Zeit verloren?"

Nach dieser gefährlichen Situation, die nach dem Rennen bestraft wurde, holte Ferrari den Monegassen schließlich doch an die Box, weshalb Hamilton Rang drei hinter Bottas und Sebastian Vettel erbte. Während der Deutsche bereits in Runde 16 und der Finne nur wenig später in Runde 17 ihre Reifen wechselten, wartete Hamilton zu.

Erst in Runde 21 holte Mercedes den Brite an die Box. Vom weichen Reifen steckte er wie auch Bottas im zweiten Stint auf Medium um. Vor dem Rennen prognostizierte Reifenlieferant Pirelli, dass eine Einstoppstrategie allerdings erst ab Runde 24 möglich sei.

Als er schließlich mit über 20 Sekunden zurück auf die Strecke geschickt wurde, konnte Hamilton gar nicht glauben, dass er einen ganzen Boxenstopp Rückstand auf Bottas habe. "Warum habe ich so viel Zeit verloren?", fragte er bei seinem Renningenieur Peter Bonnington nach.

 

Foto: Steven Tee / Motorsport Images

"Der Reifenabbau ist viel höher als erwartet. Wir haben Zeit hinter Vettel verloren", erklärte ihm der Brite daraufhin. "Dann bin ich ja aus dem Rennen [um den Sieg]! Warum habt ihr mir keine harten Reifen gegeben? Könnt ihr mir das bitte erklären?", funkte der Weltmeister fragend zurück.

Der harte Reifen sei eine Unbekannte und würde auf anderen Autos nicht gut performen, erklärte man Hamilton daraufhin. "Ob ich überrascht war? Nein", meinte er nach dem Rennen auf seine Reaktion angesprochen. "Ich war allerdings überrascht, dass ich jedes Mal doppelt so weit zurücklag als davor, das war doppelt frustrierend."

Er habe im Renngeschehen schließlich nicht den vollen Überblick, um genau zu wissen, wo er liegt. Daher sei er sich nicht im Klaren gewesen, dass er weitere zehn Sekunden auf Bottas verloren habe. "Sie meinten, ich würde zehn Sekunden hinter ihm rauskommen, doch es waren dann 20."

Einstoppstrategie "war eine Überlegung wert"

Unklar war, ob Mercedes Hamilton dennoch auf nur einen Stopp schicken und ihm so noch eine Siegchance zukommen lassen würde. "Es war eine Überlegung wert", gibt Wolff nach dem Rennen zu, "aber wir haben ja auch Valtteri mit der Strategie zurückgehalten. Also wäre es nicht ganz fair gewesen."

Erst in Runde 42 dann die Entscheidung: Hamilton kam zum zweiten Stopp an die Box. Er steckte vom Medium auf gebrauchte Softs um für die letzten zehn Rennrunden. "Ich war nicht überrascht, weil ich bereits wusste, dass mich das Team auf zwei Stopps setzen würde", schilderte Hamilton nach dem Rennen.

Hätte er es auf dem Medium-Reifen bis ins Ziel geschafft? "Ich hätte es vielleicht mit besseren Anweisungen geschafft", kritisierte er sein Team indirekt. "Sie meinten, es wäre besser, eine Zweistoppstrategie zu fahren, weil der Reifenabbau so hoch war." Im Zweikampf mit Vettel um Rang zwei habe er seine Reifen stark beansprucht, schilderte er.

 

"So wie ich die Reifen da beansprucht habe, würden die niemals bis zum Ende halten. Hätte man mir aber von Beginn an gesagt, dass wir den Stint strecken würden, dann hätte ich es wohl bis ins Ziel geschafft", glaubte der Brite. Er hätte gegen Rennende allerdings einen Reifennachteil gegenüber Bottas gehabt.

Wäre Hamilton auf den Medium-Reifen durchgefahren, dann wären seine Reifen um 15 Runden älter gewesen als Bottas' gebrauchte Softs. "Ich werde das mit meinen Ingenieuren und Strategen besprechen. Ich werde ihnen auch sagen, dass das heute besser laufen hätte können."

Er ließ nach dem Grand Prix keinen Zweifel daran, dass er mit seinem zweiten Stopp nicht einverstanden war: "Ich wäre im zweiten Stint gern anders gefahren." Nachsatz: "Mit einer optimalen Strategie hätten wir heute einen Doppelsieg feiern können."

Wolff: Teamorder wäre eine Option gewesen

Sein Vorschlag: "Sie hätten mich früher stoppen sollen, um einen Undercut an Seb zu probieren. Aber im Nachhinein ist man immer klüger." Um Hamilton nach dem Rennen am Boxenfunk zu beruhigen, meldete sich der Teamchef höchst persönlich zu Wort.

"Wir mussten im Rennen einige schwierige Entscheidungen treffen", gibt Wolff im Nachhinein zu. "Lewis war auf Rang drei immer einen Ticken zurück." Als die zweiten Boxenstopps von Bottas und Vettel schließlich absolviert waren, nahm der Finne ein wenig Tempo raus.

"Wir wollten die Teamkollegen nicht gegeneinander ausspielen. Man könnte aber sagen, dass wir den zweiten Platz absichern hätten können. Der zweite Stopp von Lewis war also eine 50:50-Entscheidung. Wir hätten ihn auch auf der Strecke lassen können."

Sebastian Vettel, Lewis Hamilton

In den letzten Runden schafft es Hamilton nicht mehr an Vettel vorbei

Foto: LAT

Dann wäre Hamilton wenige Sekunden vor Bottas in Führung gelegen. Da der Finne allerdings im Glauben lag, dass auch der Brite noch einmal stoppen würde, zog er die Pace vorerst nicht mehr an. Er hätte per Teamorder am Briten vorbeigelotst werden müssen.

"Wir hätten Lewis draußen lassen können und die Fahrer um einen Platztausch bitten können, um Valtteri die Position zurückzugeben." Allerdings blieb Vettel die Unbekannte in diesen Überlegungen. Der Deutsche lag im Mercedes-Sandwich auf Rang zwei. "Der zweite Stopp fühlte sich zu jenem Zeitpunkt als richtige Entscheidung an", betont Wolff.

Der Wiener bestätigt auch die Aussage von Hamiltons Renningenieur, dass der Reifenabbau schneller vonstatten ging, als ursprünglich prognostiziert. Daher glaubt er nicht, dass es Hamilton auf den alten Mediums bis Runde 52 in Führung liegend über die Ziellinie geschafft hätte.

Bottas hatte Zweifel: Würde Hamilton noch einmal stoppen?

"Nein, man konnte sehen, dass die Reifen abrupt abfielen und von einer auf die andere Runde kein Grip mehr vorhanden war." Als Hamilton schließlich auf den gebrauchten Soft wechselte, habe er außerdem auch gemeldet, dass sein Medium-Reifen am Ende war. "Das wäre also schwierig geworden, sich gegen Sebastian zu verteidigen."

Der rennentscheidenden Moment war sowieso ein ganz anderer, wirft Wolff ein: der Rennstart. Bottas flog an beiden Ferraris vorbei. "Ein super Start", ist der Mercedes-Teamchef begeistert. Obwohl Vettel im Ferrari vor ihm fast einen Fehlstart hinlegte, ließ sich der Finne davon nicht irritieren.

"Er ist trotzdem super vorbeigekommen, in Führung gegangen, und hat sie nicht mehr abgegeben." Der Suzuka-Sieger musste in der Pressekonferenz nach dem Rennen schmunzeln, als Vergleiche mit Österreich 2017 gemacht wurden. Bereits in Spielberg war Bottas erstaunlich gut gestartet, sodass der Verdacht eines Frühstarts aufkam - sich aber nicht bestätigte.

 

"Der Start damals war einmalig", weiß Bottas. "Seb ist heute ein fast so guter wie mir damals gelungen. Aber ich hatte einen wirklich sehr guten Start. Es sieht aber auch noch einmal besser aus, wenn die Autos um einen herum nicht so gut wegkommen."

In Führung liegend kontrollierte er das Rennen. "Das ist ein ganz anderes Gefühl, als wenn man mitten im Feld hinter anderen Autos fährt." Er konnte die Pace kontrollieren und führte souverän. "Mit den Upgrades hat sich das Auto wirklich toll angefühlt. Ich bin auch mit einem anderen Chassis gefahren als in der restlichen Saison", verrät der Finne.

"Alles lief sehr reibungslos ab. Nur im zweiten Stint hatte ich viel Verkehr und musste viele Hinterbänkler überrunden, da kam ich in keinen guten Rhythmus." Als er dann auch noch unsicher war, ob Hamilton tatsächlich noch einmal stoppen würde, kamen Zweifel im Mercedes-Cockpit auf.

Bottas wollte seinen Motor schonen

"Ich war ein wenig besorgt, da Lewis noch nicht für seinen zweiten Stopp in der Box war. Ich dachte, seine Reifen könnten womöglich bis zum Ende halten und er könnte es schaffen, da er einen ordentlichen Vorsprung mir gegenüber hatte", gibt Bottas zu.

Er versuchte sich bis Runde 42 aber zu beruhigen: "Er hätte es wohl mit dem Medium ohnehin nicht bis ganz ans Ende geschafft." Obwohl ihm sein Renningenieur bestätigt hatte, dass Hamilton noch einmal stoppen würde, war sich Bottas nicht sicher und fuhr deshalb eine schnellere Pace.

 

"Ich wollte sichergehen, dass ich die Rennsituation im Blick habe und weiß, was passiert. Ich habe deshalb gefragt, ob ich Vollgas fahren soll oder nicht, da ich zu diesem Zeitpunkt ein wenig Spielraum hatte, um den Motor für die weiteren Rennen zu schonen", erklärt der Suzuka-Sieger.

Während Hamilton schließlich doch noch einmal stoppte und am Ende das Duell gegen Vettel verlor, fuhr Bottas mit einem komfortablen Vorsprung von über elf Sekunden zu seinem dritten Saisonsieg über die Ziellinie.

 

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Weitere Co-Autoren: Ben Anderson. Mit Bildmaterial von LAT.

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