Mick Schumacher: Wie ihm ein Gedankenspiel hilft, schneller zu sein

Warum sich Formel-1-Neuling Mick Schumacher im Grand Prix vorstellt, nicht hinten im Feld zu fahren, sondern um eine Spitzenposition zu kämpfen

Mick Schumacher: Wie ihm ein Gedankenspiel hilft, schneller zu sein

Mit dem Haas VF-21 dürften WM-Punkte unter normalen Umständen nicht drin sein. Dessen ist sich Formel-1-Neuling Mick Schumacher bewusst. Doch der junge Deutsche hat seine ganz eigene Methode, wie er sich im Rennen motiviert, auch wenn er keine Aussicht auf einen Top-10-Platz hat: Er stellt sich vor, er fährt nicht im Hinterfeld, sondern an der Spitze.

"Das ist eine mentale Sache für mich", erklärt Schumacher. "Dass ich den Ansporn habe, hundert Prozent zu arbeiten, wirklich alles zu geben, in jeder Situation." Es gehe ihm dabei um den "richtigen Mindset", sagt er weiter.

"Ja, vielleicht fahre ich im hinteren Feld, aber trotzdem ist meine Motivation immer noch die, das Auto und mich und das Team voranzubringen. Das ist eben das, woran wir zusammen so hart arbeiten. Dafür lohnen sich diese harten und langen Tage."

Was Schumacher beim Ferrari-Test ausprobiert hat

Und Schumacher hat seit dem jüngsten Formel-1-Rennen in Imola viel Zeit investiert, um sich auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten: In Fiorano absolvierte er einen weiteren Test im Ferrari SF71H aus der Saison 2018. Aber was genau hat Schumacher dabei eigentlich getestet?

Er selbst meint, im Vordergrund habe gestanden, diverse Abläufe einzuüben und zu verfestigen. Konkret: "Zu versuchen, so schnell wie möglich auf der ultimativen Pace zu sein, möglichst rasch zur schnellsten Rundenzeit zu finden", so Schumacher.

In der Formel 1 könne man davon nur profitieren, schließlich ist die Trainingszeit vor Ort an der Rennstrecke begrenzt. Stimmt die Pace aber gleich von Anfang an, "hat man mehr Zeit, diese ganzen feinen Details auszuwerten", meint Schumacher.

Schumacher sucht und findet das Limit in der Formel 1

"Wenn man, sage ich mal, immer mit 95 Prozent fährt und erst im Qualifying mit hundert Prozent, kann es sein, dass in einer Kurve mal ein [Vorderrad] stehenbleibt oder dass man etwas mehr Übersteuern kriegt. Und dann ist es auch schon zu spät, irgendwelche Veränderungen vorzunehmen."

"Das heißt, wenn man das schon im ersten oder zweiten Training hinkriegt, wirklich hundert Prozent auf der Pace zu sein, dann kann man schon vor dem dritten Training diese ganzen Veränderungen vornehmen, damit man dann hundert Prozent ready ist für das Qualifying."

Genau das habe er mit Ferrari in Fiorano geübt, immer mit der Fragestellung im Hinterkopf: "Wo ist das Limit? Bis wohin kann ich gehen? Wo ist es zum Beispiel über dem Limit?"

Was für einen Formel-1-Rookie die große Hürde ist

"Das hört sich vielleicht einfach an, aber es ist im Endeffekt auch eine Vertrauenssache, wie wohl man sich im Auto fühlt. Und ich fühle mich natürlich sehr wohl. Von daher fühle ich mich auch sehr wohl darin, das Auto auszuprobieren."

Er lerne so immer besser, wie sich ein Formel-1-Auto im Grenzbereich verhalte. "Wenn ich [also] mal ein bisschen über das Limit drübergehe, dann weiß ich, dass ich es abfangen kann, weil ich weiß, was das Auto machen wird", erklärt Schumacher.

"Als Rookie, wenn man das Auto noch nie gefahren ist, braucht es eine Zeit, um zu schauen, was passiert, wenn ich über das Limit gehe. Wie bricht das Auto aus? Was passiert, wenn ich das Auto so stark abfange? Muss ich mehr Lenkradeinschlag geben? Das sind einfach Sachen, die ich jetzt kenne und weiß. Dementsprechend kann ich an das Limit rangehen."

Ferrari-Testfahrten wie solche in Fiorano seien daher "wichtig" und "wertvoll" für seinen weiteren Werdegang, meint Schumacher. "Die Ferrari-Akademie macht da einen sehr guten Job."

Schumachers Ziel: Die "perfekte Runde" im Qualifying

Außerdem profitiere er jedes Mal von der Zusammenarbeit mit den Ferrari-Ingenieuren und von deren Formel-1-Erfahrung. "Das sind Sachen, die ich für mich mit in meine Toolbox nehmen und dann irgendwann aus meinem Werkzeugkasten rausnehmen kann, wenn ich es zum Beispiel in irgendeinem Rennen brauche", sagt Schumacher.

Er fühle sich generell aber schon "sehr wohl" mit den Abläufen bei Haas und in der Formel 1 allgemein. Ferrari habe ihn seit 2019 mit einigen Testfahrten gut an die neue Aufgabe herangeführt. "Natürlich werde ich aber weiter an mir arbeiten und versuchen, mich weiter zu verbessern, wieder einen Schritt vorwärts zu machen." Konkrete Änderungen an seinem Wochenend-Programm wolle er für Portimao aber nicht vornehmen.

Allerdings hätten die beiden ersten Grands Prix gezeigt, dass er sich speziell im Qualifying noch steigern könne, so Schumacher: "In der nächsten Zeit werden wir versuchen, diese Runden zusammenzukriegen, damit wir diese perfekte Runde haben und dann eventuell mal in Q2 sein können."

Wie die Haas-Crew Schumacher weiterhilft

Dabei helfe ihm auch, bereits ein "sehr enges" Verhältnis zu seiner Boxencrew bei Haas aufgebaut zu haben. "Mir macht es extrem viel Spaß, mit allen zusammenzuarbeiten", sagt Schumacher. "Sie bringen mir Sachen bei, wie das Auto funktioniert. Teilweise auch, wie manche Komponenten zusammengebaut sind, was mich natürlich interessiert." Und es bringe ihn zusätzlich voran.

Deshalb freue er sich auf den ersten "Doppelschlag" im Formel-1-Kalender 2021 mit Portimao und Barcelona im Wochenabstand. "Das heißt: mehr Zeit im Auto, aber auch mehr Zeit mit dem Team zusammen", meint Schumacher. Denn er glaubt: Er kann von beidem nur profitieren.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Fahrer Mick Schumacher
Teams Haas
Urheber Stefan Ehlen