Mick Schumacher zieht Bilanz: Duell gegen Masepin "recht komfortabel"

Mick Schumacher über sein erstes Jahr in der Formel 1: Was er gelernt hat, wie er seine Leistungen selbst einschätzt und was Sebastian Vettel über ihn sagt

Mick Schumacher zieht Bilanz: Duell gegen Masepin "recht komfortabel"

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass Mick Schumacher beim Formel-1-Saisonfinale 2020 in Abu Dhabi erstmals ein Freitagstraining für das Haas-Team bestritten hat. Jetzt steht der 22-Jährige am Ende seiner Rookiesaison - und seine Bilanz fällt positiv aus: "Im Endeffekt bin ich recht zufrieden mit dieser Saison", sagt er.

Mit einem WM-Punkt hat es zwar bisher nicht geklappt, doch das war mit dem Haas, bei dem von Anfang an klar war, dass er nicht weiterentwickelt wird, auch nicht anders zu erwarten. P12 in Ungarn und P13 in Aserbaidschan waren seine besten Ergebnisse. Am wichtigsten aber: Seinen Teamkollegen Nikita Masepin hat er 19:2 nach Qualifyings und 15:5 nach Rennen geschlagen.

Masepin sei "die einzige Referenz" gewesen, die er hatte, sagt Schumacher, "und ich denke, auf der Seite war es recht komfortabel". Das so klar auszusprechen ist ungewöhnlich für den wohlerzogenen Sohn von Michael Schumacher, der sich in seinen Medienterminen 2021 nur selten aus der Reserve locken ließ und in seinen Antworten meistens vage blieb.

Die Frage, wo er sich, unabhängig vom Duell mit Masepin, im fahrerischen Vergleich mit anderen Piloten sieht, fällt ihm aber noch schwer zu beantworten: "Ich glaube, dass es da etwas schwieriger ist, zu sagen, wo wir stehen", weicht Schumacher aus.

Schumacher: Der Blick geht schon auf 2022

"Persönlich fühle ich mich sehr wohl im Auto. Ich glaube, dass sich das im Endeffekt nächstes Jahr auch zeigt, wenn wir dann auch mit anderen Fahrern mehr mitfahren, um dann halt auch zu kämpfen. Aber ich glaube, im Großen und Ganzen, auch wenn man jetzt zu anderen Fahrern vergleicht, wie deren erste Saison lief und wie meine lief, kann man eigentlich recht zufrieden sein."

 

Ob es jetzt besser oder schlechter gelaufen ist als erwartet, das lässt Schumacher offen: "Ich bin jetzt nicht mit großen Erwartungen reingegangen", sagt er. Er könne solche Vergleiche nicht ziehen, weil er sich nichts Konkretes vorgestellt habe. Aber Schumacher betont: "Ich glaube, im Großen und Ganzen lief es gut."

Zwischendurch huscht ihm dann auch mal ein Grinsen übers Gesicht - etwa bei der Frage, was der Mick Schumacher von Dezember 2021 dem Mick Schumacher vom März 2021 raten würde: "Wenn ich zurückreisen würde, würde ich ihm wahrscheinlich gar nichts sagen und selber fahren", lacht er.

"Wir hatten einige gute Momente dabei", zieht Schumacher Bilanz. "Wir konnten in Budapest ein bisschen mit Max kämpfen, wir waren in der Türkei im Q2, was wirklich toll war. Es hat einige Höhen und Tiefen gegeben, aus denen ich viel gelernt habe. Da kann ich einiges mitnehmen. Hoffentlich bin ich dann bereit für die Herausforderung nächstes Jahr."

Im Vordergrund stand für den Haas-Fahrer 2021 das Lernen. Die wichtigste Lektion, die er aus seiner ersten Saison mitnimmt, ist "das Reifenmanagement, würde ich sagen. Den Reifen zu verstehen ist recht anders als in den Juniorkategorien. Es ist sehr speziell. Wenn man aus diesem Fenster rausfällt, geht gar nichts mehr. Oder wenn man drüber hinausschießt, da funktioniert auch nichts mehr."

"In diesem richtigen Fenster zu sein und zu bleiben ist wirklich das A und O. Da gibt's verschiedene Taktiken dafür. Ich finde, dass ich die über das Jahr mehr und mehr kennengelernt habe und mehr und mehr gelernt habe, wie man die anwendet", berichtet er.

Aus den wenigen Fehlern für die Zukunft gelernt

Dass ihm auf dem Weg der eine oder andere Fehler passiert ist, verkraftet Schumacher. Klassische Anfängerfehler sind ihm eher am Saisonbeginn passiert, Stichwort Bahrain und Imola. Zuletzt warf er das Auto beim Grand Prix von Saudi-Arabien in die Streckenbegrenzung. Körperlich sei aber "alles gut", versichert er vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi.

"Ich glaube, dass ich mich eigentlich über keinen Fehler extrem ärgere, weil Fehler da sind, um zu lernen. Das ist alles ein Teil der Entwicklung", sagt er. "Besser es passiert mir jetzt, wo ich vielleicht nicht gerade um Punkte mitfahre, als wenn es nächstes Jahr dann so läuft, wie wir uns das vorstellen, und es passiert blöderweise genau dann."

Lob für die Leistungen im ersten Jahr gibt's übrigens auch von seinem Kumpel Sebastian Vettel, mit dem Schumacher 2021 eng zusammengewachsen ist. Der viermalige Weltmeister steht seinem einzigen deutschen Landsmann im Feld stets mit Rat und Tat zur Seite - und stellt ein positives Zeugnis aus.

"Es ist schwierig zu beurteilen, weil das Auto so weit weg war. Aber für die, die sich das wie ich genau angeschaut haben, hat er einen unglaublichen Job gemacht, das eine oder andere Mal Q2 erreicht, starke Rennen gezeigt und ein paar Mal mit Autos gefightet, die viel schneller waren. Das ist eine tolle Leistung, und ich denke, er hat das Team sehr gut motiviert."

Schumacher habe trotz der Unterlegenheit seines Autos großen Enthusiasmus ausgestrahlt: "Er war jeden Tag bei den Ersten im Paddock, wenn nicht sogar der Erste, und er war immer bei den Letzten, die gegangen sind. Er hat großes Interesse daran gezeigt, das Team nach vorn zu bringen. Das kommt zur Arbeit auf der Strecke ja noch dazu", sagt Vettel.

Sein Fazit: "Abgesehen von ein paar kleinen Fehlern, die im ersten Jahr passieren dürfen, hat er in meinen Augen einen großartigen Job gemacht", lobt Vettel. "Ich wünsche mir daher wirklich, dass er nächstes Jahr ein deutlich besseres Auto bekommt, mit dem er zeigen kann, was er wirklich drauf hat."

Aber erstmal freut sich Schumacher jetzt auf die Winterpause: "Es ist auch mal schön, ohne Pläne zu sein." Einfach mal das zu tun, "worauf man Lust hat, das ist auch mal gut". Auf die konkrete Nachfrage, worauf er denn nach seiner ersten Formel-1-Saison Lust habe, grinst der 22-Jährige: "Ich glaube, mal nichts machen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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