Mika Häkkinen: Deswegen war sein erster Sieg in Jerez 1997 so wichtig

Mika Häkkinen konnte lange kein Formel-1-Rennen gewinnen - Er erklärt, warum der erste Sieg auch für die Vorbereitung auf seine WM-Saison 1998 so wichtig war

Mika Häkkinen: Deswegen war sein erster Sieg in Jerez 1997 so wichtig

Gegen Ende der Saison 1997 hätte wohl nicht mehr jeder Formel-1-Experte darauf gesetzt, dass Mika Häkkinen in seiner Karriere noch zwei WM-Titel gewinnen würde. Zwar fuhr der Finne da bereits seit 1991 in der Königsklasse und hatte bereits einige beachtliche Leistungen gezeigt. Ein Rennen hatte der damals 29-Jährige allerdings noch nie gewonnen.

Erst beim Saisonfinale 1997 in Jerez platzte der Knoten. "Dieses Rennen war mega wichtig", erinnert sich Häkkinen im Podcast von 'Autosport' zurück und erklärt: "Es war mein erster Sieg überhaupt in der Formel 1. Ich habe immer gemischte Gefühle, wenn ich an diesen Sieg denke, denn es dauerte sieben Jahre, bis ich meinen ersten Grand Prix gewann."

"Das ist so eine lange Zeit", weiß der Finne, der 1991 und 1992 bei Lotus erste Erfahrungen in der Formel 1 sammelte, ehe er 1993 - zunächst als Ersatzpilot - zu McLaren wechselte, wo er bis zu seinem Abschied im Jahr 2001 bleiben sollte. Häkkinens Pech: Mitte der 1990er-Jahre war McLaren nicht mehr so dominant wie Ende der 80er und Anfang der 90er.

McLaren langsamer als Williams und Ferrari

Hatte das Team zwischen 1985 und 1991 in sieben Jahren noch sechsmal den Fahrer-Weltmeister gestellt, gewann man zwischen Ende 1993 und Anfang 1997 für mehr als drei Jahre gar kein Rennen mehr. Beim Saisonauftakt 1997 war es dann nicht Häkkinen sondern Teamkollege David Coulthard, der den ersten McLaren-Sieg seit Ayrton Senna 1993 holte.

Michael Schumacher, Jacques Villeneuve

Michael Schumacher und Jacques Villeneuve kämpten in Jerez um die WM

Foto: Williams

Häkkinen musste bis zum Saisonfinale warten. "Unser Auto war defintiv nicht das schnellste auf der Strecke", erinnert er sich an das Rennen in Jerez zurück und erklärt: "Ferrari und Williams waren verdammt stark. Sie waren so schnell! Das hat psychologisch beim Start des Rennens eine Rolle gespielt, wenn man seit sieben Jahren nicht gewonnen hat."

"Manche denken sich dann: 'Hoffentlich kann ich endlich einen Grand Prix gewinnen!' Aber ich dachte kaum darüber nach, weil ich wusste, dass Williams und Ferrari so schnell waren. Außerdem kämpfen Michael [Schumacher] und Villeneuve um die Meisterschaft. Ich wusste daher, dass nur eine sehr kleine Chance besteht, meinen ersten Grand Prix zu gewinnen."

"Das Gefühl, dass ich den Sieg nicht verdient hatte"

Unter normalen Umstände hätte das an jenem Sonntagnachmittag in Spanien wohl auch nicht geklappt. Doch nachdem Schumacher nach der legendären Kollision mit Villeneuve ausgeschieden war, reichte dem Kanadier bereits ein sechster Platz zum Titel. Deswegen ließ sich der Williams-Pilot in der letzte Runde kampflos von beiden McLaren-Fahrern überholen.

Villeneuve wurde Dritter und damit Weltmeister, während Häkkinen seinen ersten Grand Prix gewann. "Ich war glücklich - natürlich! Aber ich gewann das Rennen, obwohl ich nicht das schnellste Auto hatte, und es gab diese Situation mit meinem Teamkollegen David Coulthard", erinnert Häkkinen zudem an eine Stallorder des Teams im Rennen, die ihn bevorteilte.

"Ich will es eigentlich nicht sagen, aber ich sage es trotzdem: Ich hatte das Gefühl, dass ich den Sieg nicht verdient hatte, weil ich nicht das schnellste Auto war", gesteht Häkkinen. "Aber natürlich hatte ich es verdient, nachdem ich sieben Jahre nicht gewonnen hatte! Es war ein tolles Gefühl. Außerdem war es der letzte Grand Prix des Jahres", erinnert er.

Häkkinen "für den ganzen Winter der Sieger"

"Das hat allen bei McLaren einen gewaltigen Motivationsschub gegeben - und auch mir selbst. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, da fuhr ich erst einmal in den Urlaub. Und erst zwei Wochen später wurde mir klar: 'Oh Gott, ich habe einen Grand Prix gewonnen!' Und es war nicht so, dass es zwei oder drei Wochen später wieder ein Rennen gab", so Häkkinen.

"Ich war für den ganzen Winter der Sieger", erklärt er und ergänzt: "In der Winterpause gab es keine Fragen mehr, wann ich endlich meinen ersten Grand Prix gewinnen würde. Das war eine große Motivation. In diesen sieben Jahren wollten wir manchmal aufgeben und ich dachte, dass ich nie einen Grand Prix gewinnen würde. Das lag jetzt hinter mir, ich war ein Sieger."

"Das hat mir so viel Motivation gegeben, weiterzumachen und ein noch besserer Rennfahrer zu werden", so der Finne, der die Motivation mit ins neue Jahr nehmen und 1998 seinen ersten WM-Titel gewinnen konnte. Ob er es ohne diesen Sieg in Jerez beim Saisonfinale 1997 auch geschafft hätte, das lässt sich rückblickend natürlich nicht mehr klären.

Mit Bildmaterial von LAT.

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