Montoya über Norris: "Hat bewiesen, dass er den Job erledigen kann"

Mika Häkkinen und Juan Pablo Montoya nehmen Lando Norris nach dem Sotschi-Drama in Schutz - Beide gehen fest davon aus, dass er bald Rennen gewinnen wird

Montoya über Norris: "Hat bewiesen, dass er den Job erledigen kann"

Nach seinem auf dramatische Art und Weise verpassten ersten Formel-1-Sieg erhielt Lando Norris Aufmunterung und Lob von allen Seiten. Nun haben sich auch zwei ehemalige McLaren-Piloten zur Thematik geäußert und den Briten in Schutz genommen.

Der zweimalige Weltmeister Mika Häkkinen wies Kritik an Norris zurück, der 21-Jährige hätte die Bedingungen in Sotschi besser einschätzen und früher an die Box kommen sollen. "Es ist einfach, zu kritisieren. Aber wenn man versucht, seinen ersten Formel-1-Sieg einzufahren, dann hat man es oft mit schwierigen Umständen zu tun", schreibt Häkkinen in einer Kolumne beim Wettanbieter 'Unibet'.

"In diesem Fall fühlte sich die Entscheidung, an die Box zu kommen, schwieriger an, als draußen zu bleiben und zu versuchen, zu gewinnen. Lando hat eine tolle Fahrzeugbeherrschung, besonders im Nassen, also kam es darauf an, wie viel Selbstvertrauen er hatte und wie viel Risiko er bereit war einzugehen", so der Weltmeister von 1998 und 1999.

Häkkinen: Nur der Fahrer kann entscheiden

Norris war im Regen von Sotschi zu lange auf Slicks unterwegs und verlor durch seinen späten Reifenwechsel den Sieg. Schlussendlich war es eine Teamentscheidung, da Norris selbst zugab, keinerlei Informationen über die weitere Entwicklung des Wetters erhalten zu haben. Laut Häkkinen spiele das Team bei solchen Bedingungen aber eher eine untergeordnete Rolle.

"Egal, was das Team denkt, der Fahrer ist derjenige, der weiß, wie viel Grip er im Auto hat. Man spürt es durch die Hände am Lenkrad, durch die Füße an den Pedalen und durch die Hose auf dem Sitz. Wenn der Grip verschwindet, bist du der Einzige, der weiß, welcher Teil der Strecke noch trocken genug ist. Und Lando dachte offenbar, dass er das Auto ins Ziel bringt", meint Häkkinen.

Als sich diese Annahme schließlich als Trugschluss herausstellte, habe Norris nichts mehr machen können. "Als der Regen stärker wurde, hatte Lando keine Chance. Es ist so, als würde man versuchen, mit normalen Schuhen auf Eis zu laufen", erklärt der 53-Jährige. Dennoch solle Norris "stolz sein auf seine Leistung", stellt Häkkinen klar: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass sein erster Sieg nicht mehr weit entfernt ist."

Montoya: Norris muss das größere Bild sehen

Ähnlich sieht es auch Juan Pablo Montoya. Der Kolumbianer rät Norris dazu, sich auf das Positive nach dem Wochenende zu fokussieren. "Ich weiß, wie enttäuscht er ist. Aber wenn man sich das größere Bild ansieht, dann hat er einen Grand Prix angeführt", sagt der 46-Jährige bei 'Motorsport.tv'.

Das Rennen habe genug Anlass gegeben, damit Norris stolz zurückblicken kann - trotz des Endergebnisses. "Ja, du hast nicht gewonnen. Aber du warst auf dem Podium, du hast den Großteil eines Grand Prix angeführt, du hast keine Fehler gemacht. Im Rückblick wären 90 Prozent des Feldes glücklich damit, was Lando erreicht hat", sagt Montoya auch mit Blick auf Monza, als er Zweiter wurde.

Entsprechend dürfe sich Norris nicht grämen. "Er hat bewiesen, dass der den Job erledigen kann, das ist das Wichtigste", stellt Montoya klar.

Erinnerungen an Begegnung mit Verstappen 2001

Montoya selbst fühlte sich bei der Betrachtung des Rennens in Sotschi an sein Rookiejahr 2001 erinnert, als er im dritten Saisonrennen in Brasilien im Williams Michael Schumacher alt aussehen ließ. Er zog mit einem brillanten Manöver am Ferrari vorbei, nur um später von Jos Verstappen abgeräumt zu werden.

"Jeder dachte, ich wäre angepisst gewesen. Aber tatsächlich war ich ziemlich glücklich, denn ich hatte Michael überholt und führte einen Grand Prix an", erklärt er. "In meinem Kopf dachte ich nur: 'Ich kann es schaffen, ich kann es wirklich schaffen'", blickt er zurück.

Montoya geht zudem davon aus, dass McLaren und Norris solche Fehler wie in Sotschi nicht mehr passieren werden, wenn sie häufiger in solch einer Position sind und der Kampf um Siege zur Routine gehört. "Ja, sie haben das Rennen zuvor gewonnen, aber sie waren nicht oft genug in einer Position, um Rennen zu gewinnen. Und wenn du nicht die ganze Zeit dort bist und du dann unter Druck bist, dann passieren die Fehler", sagt er.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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