Nach Aussprache mit Valtteri Bottas: Toto Wolff bestätigt Vertrag für 2021

Das wird (noch?) nichts mit der Traumpaarung Lewis Hamilton und George Russell bei Mercedes: Valtteri Bottas steht unter Druck, darf aber 2021 definitiv bleiben

Nach Aussprache mit Valtteri Bottas: Toto Wolff bestätigt Vertrag für 2021

Toto Wolff hat immer betont, dass er erstens nie am Kommandostand sitzen und sich zweitens nie während der Sessions im Boxenfunk einmischen wird. Das können die Renningenieure und Chefstrategen besser als er, war sein Credo. Insofern mutete es merkwürdig an, als er sich vor der alles entscheidenden Q3-Runde plötzlich bei Valtteri Bottas meldete: "Alles, was du hast, Valtteri!"

Wenn der Chef persönlich spricht, dann muss das etwas zu bedeuten haben, dachten sich da viele. Und ob der kritischen Töne, die auch Wolff selbst in den vergangenen Tagen gegenüber Bottas geäußert hatte, interpretierte so mancher den Funkspruch als verklausulierte Drohung: Hol besser die Pole, Valtteri, oder du bist raus - und George Russell drin!

Aber das ist Nonsens: "Als ich mit Valtteri darüber gesprochen habe, wie wir unsere Kommunikation verbessern können, sagte er, dass er sich eine offenere Diskussion wünscht, und dass er das selbst wenn er im Auto sitzt begrüßen würde", erklärt Wolff.

"Da habe ich gefragt: 'Bist du dir sicher? Störe ich dich da nicht beim Fahren?' Aber er antwortete: 'Nein, gar nicht, das krieg' ich schon hin.' Und ehrlich gesagt habe ich sowieso schon länger darüber nachgedacht", verrät der Österreicher.

Wolff: Mir ging das immer auf die Nerven ...

"Normalerweise haben wir sehr strenge Intercom-Protokolle. Und ich erinnere mich noch daran, als ich selbst Rennfahrer war, dass mir da die Leute immer auf die Nerven gegangen sind, die sich noch ins Cockpit hereingelehnt haben, um mir die Hand zu schütteln, bevor ich rausfuhr."

Doch nach den beiden Bahrain-Rennen habe man teamintern eine offene Diskussion darüber geführt, wie man die Kommunikation verbessern könnte, und dabei ging es offenbar nicht nur darum, die Intercom-Protokolle anzupassen und etwaige Überlagerungen für die Zukunft auszuschließen.

Sondern es wurde auch darüber gesprochen, zueinander nett zu sein. Modus Operandi werde zwar weiterhin bleiben, dass alles, was für die Session oder das Rennen wichtig ist, Vorrang hat. "Darum habe ich mich bisher auch nie am Boxenfunk gemeldet, wenn es nicht unbedingt notwendig war", erklärt Wolff.

Aber: "Wir haben in den letzten Tagen über verschiedene Dinge geredet", erklärt Bottas. "Wir sind ein Team und wir unterstützen einander. Wenn du jemandem mit aufbauenden Worten helfen kannst, dann tust du es. Würde ich umgekehrt auch. Mehr als das steckt nicht dahinter. Ich denke, das ist etwas Persönliches."

Der Druck auf den Finnen wurde nach Bahrain 2 immer größer. Sogar Wolff goss Öl ins Feuer, als er dessen abfallende Leistungen seit der Titelentscheidung kritisierte und attestierte, Bottas stehe "immens unter Druck". Vor Abu Dhabi analysierte dann auch noch Ralf Schumacher, dass er glaube, Mercedes habe sich in Wahrheit bereits gegen Bottas und für Russell entschieden.

Wolff zeigt Verständnis für Bottas' Unsicherheit

"Letztes Wochenende", sagt Wolff, "drehte sich alles um George. George hatte nichts zu verlieren, Valtteri nichts zu gewinnen. Darüber habe ich mich mit Valtteri dann sehr gut und sehr intelligent unterhalten. Es war kein Heureka-Moment, dass ich jetzt mit ihm am Boxenfunk rede. Aber ich verstehe seine Situation, und da haben wir entschieden, mehr miteinander zu reden."

'motorsport.com' fragt nach: Nach den (nicht nur) von Schumacher befeuerten Medienspekulationen, dass Bottas ausgetauscht werden könnte, wäre da nicht der Zeitpunkt günstig, allen Gerüchten ein Ende zu bereiten und einfach ohne jedes Hintertürchen festzuhalten, dass Bottas auch 2021 im Mercedes sitzen wird?

Wolff lässt sich darauf ein und antwortet: "Er wird in unserem Auto sitzen. Ich bestätige das hiermit. Wir haben einen Vertrag mit Valtteri, und er wird nächstes Jahr Rennen fahren. Man muss mir schon ziemlich hart in eine ziemlich empfindliche Stelle reintreten, damit ich meine Loyalität über Bord werfe. Und ich bin loyal gegenüber meinen beiden Rennfahrern."

Das gelte "auch für unsere Juniorfahrer. George hat einen phänomenalen Job gemacht. Er verdient es, eines Tages in einem großartigen Auto zu sitzen. Er hat mit Williams einen Vertrag für ein weiteres Jahr. Sie waren sehr flexibel, als sie George an Williams verliehen haben. Da geht alles seinen Weg. Aber ganz ruhig und strukturiert."

Dass Bottas verunsichert gewesen sei, kann Wolff jetzt, nach dem klärenden Gespräch, verstehen: "Du hast da diesen unglaublich schnellen Teamkollegen, der schon sieben Weltmeisterschaften gewonnen hat. Und Valtteri hat tolle Leistungen gezeigt: das erste Rennen in Österreich gewonnen, ein paar Mal auf Pole gestanden, und er hätte noch mehr Rennen gewinnen können, ohne rote Flaggen und Reifenschäden."

Imola habe dem Finnen dann den Rest gegeben: "Wenn du dann wieder einen Sieg verlierst, wenn du eh schon in der ganzen WM Pech hattest, dann fühlt sich das ganz mies an. Und dann kann es schon passieren, dass ein Fahrer manchmal in eine Bubble rutscht, in der er das Gefühl hat, dass sich alles gegen ihn verschwört." Was aber natürlich nie der Fall gewesen sei ...

 

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Event Abu Dhabi
Subevent Quali
Fahrer Valtteri Bottas
Teams Mercedes
Tags toto wolff
Urheber Christian Nimmervoll