Ferrari gewinnt erste Erkenntnisse nach Frankreich-Desaster

Ferrari hat den Nackenschlag von Frankreich verdaut, intensive Analysen haben stattgefunden - Spielberg-Doppel soll weitere Erkenntnisse liefern

Ferrari gewinnt erste Erkenntnisse nach Frankreich-Desaster

Nach dem Desaster von Frankreich blieb Ferrari nicht viel Zeit, um Lösungen für jene Probleme zu finden, die Carlos Sainz und Charles Leclerc im Rennen in Le Castellet weit nach hinten spülten. Dennoch rauchten die Köpfe bei der Analyse im Werk in Maranello.

Eine wichtige Rolle kam dabei den Fahrern zu. "Es war interessant für uns", sagt Leclerc: "Aber es war natürlich auch sehr interessant für die Ingenieure, die nicht auf dieses Gefühl im Auto zurückgreifen können, denn manchmal beginnen Probleme mit einem Gefühl, das der Fahrer hat."

An Leclerc und Sainz lag es nun, die Probleme genau zu beschreiben, um der Ursache auf den Grund zu kommen. "Es waren sehr interessante Tage", sagt Sainz mit Blick auf die Analyse. "Es war toll zu sehen, dass alle Abteilungen der Fabrik zusammenkommen, um ihre Überlegungen zu präsentieren", schildert der Spanier.

Drei-Stufen-Plan bei Ferrari

In Frankreich landeten beide Ferraris außerhalb der Punkte, nachdem die Scuderia im Qualifying noch die dritte Kraft war. Doch der Reifenverschleiß war viel zu hoch, die Rennpace war viel zu langsam. Der Effekt war noch einmal deutlich größer als zwei Wochen zuvor in Baku.

Sainz berichtet, dass das Team kurz-, mittel- und langfristige Pläne entwickelt habe. "Kurzfristig geht es darum, das Problem zu mildern. Mittel- und langfristig wollen wir es komplett beheben. Es wird ein interessanter Prozess und ich hoffe, dass wir Schritt für Schritt die Probleme in den Griff bekommen", sagt Sainz.

Neu sind die Schwierigkeiten, die Reifen über eine Renndistanz am Leben zu erhalten, bei Ferrari offenbar nicht. Sainz erklärt, das Team habe ihn bereits bei seiner Ankunft im Dezember darüber in Kenntnis gesetzt. "Ich dachte nicht, dass es so schlimm ist. Ich dachte, mit neuen Reifen ändert sich alles", sagt der 26-Jährige.

Sainz: Ernüchterung direkt in Bahrain

Doch die Ernüchterung stellte sich direkt zu Saisonbeginn ein. "Seit Bahrain war uns klar, dass mit den Reifen und dem Auto etwas nicht stimmt, was wir nicht verstehen. Ich habe das sofort gespürt. Und seither haben wir das immer im Hinterkopf, dass wir diese Probleme an der Vorderachse haben", so Sainz.

Besonders der Verschleiß an den Vorderreifen macht Ferrari zu schaffen. Ein Grund, der gemutmaßt wird, liegt in den Felgen, die in der Formel 1 sowohl aerodynamische Aufgaben übernehmen als auch für die Hitzeregulierung in den Reifen verantwortlich sind. Doch da die Felgen homologiert sind, ist eine Neuentwicklung für diese Saison nur durch den Einsatz von Token möglich.

Da auch bei Ferrari der Fokus allerdings schon in hohem Maße auf der Saison 2022 liegt, will Ferrari die Erkenntnisse dieser Saison lieber in die Entwicklung des Autos für die kommende Saison stecken.

Leclerc: "Sehen es als Chance"

Auch Leclerc, der schon einige Jahre länger bei Ferrari ist als Sainz, bestätigt, dass die Probleme nicht neu seien. Allerdings sei es nie so extrem gewesen. "Wir hatten es schon in der Vergangenheit, aber nicht in dem Ausmaß. Wir konnten es sehen, aber manchmal hatte es einfach keinen Einfluss auf unsere Pace oder Konsequenzen im Rennen. Manchmal war es ein Schwachpunkt, manchmal nicht", sagt der Monegasse.

Doch bei Ferrari geht man nicht mit Panik an die Sache heran. "Wir sehen es als Chance. Ich bin mir sehr sicher, dass wir bald verstehen werden, was in Frankreich schlimmer war als auf anderen Strecken. Das wird uns dabei helfen, eine Lösung zu finden. Es war ein hartes Rennen für das gesamte Team, aber es gibt das eindeutige Verlangen, so hart wie möglich zu arbeiten, um eine Lösung zu finden", stellt Leclerc klar.

Dass nun zwei Rennwochenenden auf derselben Strecke ausgetragen werden, komme Ferrari dabei sehr entgegen. Die insgesamt sechs Tage in Spielberg sollen dabei helfen, Fortschritte zu erzielen. "Es werden nicht dieselben Mischungen [wie in Frankreich] sein, aber ich denke, an diesen zwei Wochenenden können wir viel lernen", ist Leclerc überzeugt.

Ferrari: Hinterachse gut, Vorderachse schlecht

Um wirklich weiterzukommen, hofft Ferrari, dass es so wenig Regen wie möglich in der Steiermark geben wird - am besten gar keinen. Sainz erwartet bei trockenen Bedingungen in Österreich vor allem eine Belastung für die Hinterreifen, was Ferrari entgegenkommen würde.

"Wenn eher die Hinterachse betroffen ist, sind wir näher dran am Feld. Wenn aber die Wolken kommen, es zu regnen beginnt und dann abtrocknet, dann beginnt das Graining an der Vorderachse", erklärt Sainz.

So ähnlich war es in Frankreich, als es am Vormittag des Rennens geregnet hatte und sämtliches Gummi von der Strecke gespült oder durch die Formel-3-Fahrer entfernt worden war.

"Diese Bedingungen sind immer schwieriger für die Vorderachse. Und das ist unsere Schwäche", weiß Sainz: "Aber selbst wenn es kommt, hätte ich nichts dagegen, denn wir probieren an diesem Wochenende schon ein paar Dinge als Team aus, um zu sehen, ob zumindest diese Art von Dingen hilft."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
F1-Training Steiermark: Verstappen fährt Bestzeit vor Gasly

Vorheriger Artikel

F1-Training Steiermark: Verstappen fährt Bestzeit vor Gasly

Nächster Artikel

Von Red Bull abgeworben: Aston Martin bekommt neuen Technischen Direktor

Von Red Bull abgeworben: Aston Martin bekommt neuen Technischen Direktor
Kommentare laden