Reaktion
Formel 1 Sepang
Nach Rückschlag im Sepang-Qualifying: Ist das Mercedes-Update doch ein Flop?
Mercedes hat in Sepang ein großes Updates dabei, doch Kimi Antonelli und George Russell sind im Qualifying völlig chancenlos: Hier verliert der W17 die meiste Zeit
Sönke Brederlow Ronald Vording
Veröffentlicht: 03.10.2026, 11:40
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Das Mercedes-Update hat in Malaysia noch nicht funktioniert
Foto: LAT Images
Mercedes erlebt beim Großen Preis von Bahrain in Malaysia (das Rennen hier im Liveticker) eine herbe Enttäuschung: Obwohl die Silberpfeile mit einem umfangreichen Update-Paket nach Sepang gereist waren, landen WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli und Teamkollege George Russell im Qualifying nur auf den Plätzen vier und acht.
"Wir haben ein Upgrade aufs Auto gegeben, das überhaupt nicht funktioniert", wird Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei Servus TV anschließend deutlich. "Wir verlieren auf allen Geraden. Das heißt, wir haben zu viel Luftwiderstand. Etwas, was so nicht absehbar war. Also da sind einige Hausaufgaben zu machen."
Zwar rutschen beide Mercedes-Piloten wegen der Startplatzstrafe gegen Isack Hadjar im Red Bull noch jeweils einen Platz nach vorne, doch das silberne Debakel ist perfekt: Der schlechteste Startplatz von Russell waren bisher drei sechste Plätze, nun ist der siebte Rang der neue Negativrekord. Antonelli knabbert mit Startplatz drei immerhin am Podium.
Mercedes ist auf den Geraden viel zu langsam
"Es ist sehr schwer zu verstehen", ergänzt Wolff wenig später bei Sky. "Am Freitag wurden wir etwas überrascht von einem Fahrverhalten, das wir das ganze Jahr über so nicht gesehen hatten. Man könnte zwar sagen, es ist sehr heiß und der Asphalt unterscheidet sich stark von dem anderer Strecken."
"Am Morgen sah es aber wirklich gut aus", erinnert der Österreicher an die Bestzeit von Antonelli im dritten Training. "Zumindest bei Kimi schienen wir einen Schritt nach vorne gemacht zu haben, was das Verständnis angeht. Doch im Qualifying fielen wir wieder in das alte Muster zurück. Es fehlte einfach an Performance."
Dafür sei vor allem der hohe Luftwiderstand des W17 verantwortlich. "Wir verlieren zum ersten Mal viel Zeit auf den Geraden, besonders gegenüber Max", ergänzt Wolff. Ein Blick auf die Höchstgeschwindigkeiten zeigt: Während Verstappen mit bis zu 310,7 km/h unterwegs ist, kommt Antonelli nur auf 306,6 km/h.
Nur Fernando Alonso und Lance Stroll sind noch langsamer. "Und in den langsamen Kurven bekommen wir das Auto nicht um die Ecke", nennt der Mercedes-Teamchef eine weitere Schwachstelle. "Es gibt einfach zu viel Untersteuern. Insgesamt sind das Dinge, die wir das ganze Jahr über noch nicht erlebt haben."
Max Verstappen holt seine Pole auf den Geraden
Der Vergleich der beiden schnellsten Qualifying-Runden von Verstappen und Antonello zeigt deutlich, dass der Red-Bull-Pilot seinen Vorteil vor allem auf der Geraden ausspielt. Allein auf dem Weg zur ersten Kurve gewinnt der Niederländer dadurch knapp vier Zehntel.
Antonelli macht bis zum Anbremsen auf Kurve 9 wieder etwas Zeit gut und kämpft sich auf weniger als eine Zehntelsekunde heran. Allerdings reicht das nicht aus, um den Vorteil von Verstappen auszugleichen. Spätestens am Ende der langen Gegengerade vor Start-Ziel rast der Red-Bull-Pilot endgültig davon.
Die Silberpfeile müssen nun verstehen, wie der Rückstand auf die Konkurrenz zustande kommt. "Wir müssen jetzt die Daten durchgehen und uns beraten, denn wir glauben nach wie vor, dass das Upgrade funktioniert", ist Wolff überzeugt. "Wir müssen nur verstehen, warum es hier nicht klappt."
Antonelli-Vermutung: "Arbeitsfenster des Autos ist anders"
Kimi Antonelli hat zumindest eine Vermutung. "Ich glaube, mit diesem neuen Paket ist das Arbeitsfenster des Autos anders", meint der Italiener. "Wir versuchen also zu verstehen, in welchem Bereich das Auto am besten funktioniert - vermutlich bei den schnellen und langsamen Kurven."
"Unsere Performance in schnellen Kurven war an diesem Wochenende sehr stark; wir waren dort sehr schnell, hatten aber in langsamen Passagen Defizite. Insgesamt müssen wir also verstehen, woran das liegt, und versuchen, uns zu verbessern."

Antonelli hat eine Vermutung, warum das Update nicht funktioniert
Foto: circuitpics.de
Anders als sein Teamchef will der WM-Spitzenreiter noch nicht sagen, dass das Update wirklich funktioniert. "Das ist die Frage, die wir so schnell wie möglich klären wollen", meint er. "Das Team hat beim Entwickeln dieses Upgrades hervorragende Arbeit geleistet, aber wie gesagt: Das Arbeitsfenster des Autos ist wahrscheinlich völlig anders."
Mercedes-Hoffnung: Sepang vielleicht nur ein Sonderfall?
Die Strecke in Sepang könnte allerdings auch einfach ein Sonderfall sein. "Wir hatten das ganze Jahr über Schwierigkeiten, wenn wir auf Strecken mit diesem speziellen Asphalt gefahren sind", erinnert der 20-Jährige. "Liegt es nun am Asphalt und der Hitze, oder übersehen wir vielleicht etwas bei dem neuen Paket?"
"Es ist schwer zu durchschauen, aber wir werden unser Bestes geben; Singapur wird uns wahrscheinlich mehr Aufschluss über das Paket geben." Ähnlich sieht es auch Teamkollege George Russell, der im Qualifying noch weiter hinten gelandet ist.
"Diese Strecke ist natürlich ein Sonderfall, was die Rauheit des Asphalts angeht", meint der Brite. "Die Rundenzeiten waren vor sieben Jahren etwa sechs oder sieben Sekunden schneller, und an bestimmten Stellen der Strecke fühlt es sich an, als würde man auf Schotter fahren - was für alle gleich ist."
Mercedes zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Mercedes sei jedoch stärker betroffen als die anderen Teams, wobei auch Russell keine Antwort auf den Rückstand parat hat. Das Team dürfe deshalb jedoch nicht den Kopf in den Sand stecken. "Alle Daten deuten auf eine Verbesserung hin, aber in diesem Sport zählen letztlich die Rundenzeiten, nicht die theoretischen Werte."
"Die Zahlen sehen also absolut in Ordnung aus und entsprechen den Erwartungen. Das Ergebnis hingegen nicht." Russell ist allerdings überzeugt, dass im Rennen "noch viel passieren" wird. "Der Reifenverschleiß ist enorm; ich glaube, die Rennpace wird entscheidend sein."
Allerdings hatte Red Bull auch bei den Longruns am Freitag die Nase vorne. "Auch wenn der heutige Tag eine echte Enttäuschung war, ist das noch nicht das Ende der Welt", meint der WM-Zweite, während Teamchef Toto Wolff am Samstagabend völlig ratlos ist.
"Ich weiß überhaupt nicht, was uns morgen im Rennen bei dieser Hitze erwartet", meint der Österreicher, der angesichts des überraschenden Rückstands der Silberpfeile keine Prognosen für das Rennen wagt: "Es könnte besser laufen, es könnte schlechter laufen."
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