Nach Russell-Polerunde: Peter Bayer sieht Handlungsbedarf für die FIA
Peter Bayer kritisiert nach George Russells Poleposition das Gelbflaggen-Reglement der Formel 1 und fordert klarere Vorgaben für mehr Sicherheit
Peter Bayer sieht beim Reglement zu den gelben Flaggen Handlungsbedarf
Foto: circuitpics.de circuitpics.de
Die Poleposition von George Russell beim Grand Prix von Österreich hat eine alte Diskussion in der Formel 1 neu entfacht. Obwohl im entscheidenden letzten Sektor wegen des Unfalls von Max Verstappen eine gelbe Flagge geschwenkt wurde, durfte der Mercedes-Pilot seine Runde behalten.
Möglich machte das das aktuelle Reglement, das lediglich eine Geschwindigkeitsreduzierung verlangt, ohne genau festzulegen, wie stark diese ausfallen muss. Racing-Bulls-CEO Peter Bayer hält genau das für problematisch und spricht sich für eine Regeländerung aus.
Grundlage dafür ist Artikel B1.9.4 des Sportlichen Reglements. Dort ist festgelegt, dass Fahrer bei einer einfach geschwenkten gelben Flagge ihre Geschwindigkeit reduzieren und auf eine mögliche Richtungsänderung vorbereitet sein müssen. Wie stark sie dafür tatsächlich verlangsamen müssen, ist allerdings nicht definiert.
Bayer erinnert sich an seine Zeit bei der FIA
Für Peter Bayer kommt diese Regellücke nicht überraschend. Der heutige CEO von Racing Bulls war viele Jahre bei der FIA tätig und erinnert sich noch gut daran, wie die aktuelle Formulierung entstanden ist. "Das weckt Erinnerungen in mir an die Diskussionen, als ich noch bei der FIA war", erklärt Bayer bei Sky.
Aus seiner Sicht habe sich die Formel 1 mit ihrem Wunsch nach maximal präzisen Regeln letztlich selbst ein Problem geschaffen. "Ein Phänomen der Formel 1 ist, dass Teams und Fahrer immer alles ganz genau definiert haben wollen."
Früher sei die Bedeutung einer gelben Flagge dagegen eindeutig gewesen. "Eine gelbe Flagge bedeutete ganz klar: Gefahr auf der Strecke. Bei Doppelgelb musste man praktisch jederzeit innerhalb der einsehbaren Strecke anhalten können."
Das Problem liegt im Detail
Nach Ansicht Bayers entstand die heutige Problematik erst, als versucht wurde, die Anforderungen genauer zu definieren. "Genau darüber haben wir damals mit den Sportdirektoren diskutiert."
Die Teams hätten wissen wollen, was eine Geschwindigkeitsreduzierung konkret bedeutet. "'Das muss man definieren', hieß es damals." Schließlich sei festgelegt worden, dass Fahrer bei einer einfach geschwenkten gelben Flagge zumindest kurz vom Gas gehen müssen.
"Man hat sich dann wohl dazu verleiten lassen zu sagen: Bei Single Yellow muss man vom Gas gehen. Nur hat niemand gesagt, wie lange man das machen muss." Dadurch seien Situationen entstanden, die zwar regelkonform, aus seiner Sicht aber kaum im Sinne der Sicherheit seien.
Verstappen lieferte bereits ein historisches Beispiel
Bayer erinnert in diesem Zusammenhang an einen Vorfall mit Max Verstappen, der bereits vor einigen Jahren für Diskussionen sorgte. "Es gibt ein historisches Beispiel von Max Verstappen. Ich glaube, es war in Dschidda. Er hat tatsächlich zwölf Tausendstelsekunden gelupft und danach sofort wieder Gas gegeben."
Genau darin sieht Bayer das Grundproblem. "Nach dem aktuellen Reglement gilt das." Deshalb könne man den Rennkommissaren im aktuellen Fall auch keinen Vorwurf machen. "Die Rennkommissare haben das richtig abgewickelt." Denn sie hätten lediglich die bestehenden Regeln angewendet.
"Ein falsches Signal an junge Fahrer"
Trotzdem hält Bayer die derzeitige Auslegung für problematisch. "Persönlich glaube ich, dass das auch ein falsches Signal an die jungen Fahrer ist." Seiner Meinung nach werde die Bedeutung gelber Flaggen inzwischen auch in den Nachwuchsserien zu häufig unterschätzt.
"Gelb wird auch in den Junior-Kategorien ganz oft ignoriert." Gerade weil die Formel 1 eine Vorbildfunktion einnehme, müsse das Thema aus seiner Sicht neu bewertet werden. "Ich finde eigentlich, dass man sich da etwas überlegen sollte."
Damit spricht sich Bayer indirekt für eine klarere Definition aus, wie stark Fahrer bei einer gelben Flagge tatsächlich abbremsen müssen.
Ralf Schumacher: "Es geht um die Gesundheit der Menschen"
Auch Sky-Experte Ralf Schumacher sieht dringenden Handlungsbedarf. Für den ehemaligen Formel-1-Piloten steht die Sicherheit über allen sportlichen Überlegungen. "Aus meiner Sicht muss das so sein." Und der Grund sei offensichtlich. "Es geht um die Gesundheit der Menschen."
Schumacher verweist darauf, dass selbst ein geringer Geschwindigkeitsverlust keine Garantie für Sicherheit sei. "Zwei Zehntel sind nichts. Und der wichtigste Punkt ist die Vorbildfunktion der Formel 1 für die jungen Fahrer."
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