Nach "Verstappen-Moves": Ricciardo will Grosjean-Thema ansprechen

Für seine Richtungswechsel in der Bremszone wird Romain Grosjean weiter scharf kritisiert - Thema soll bei der nächsten Fahrerbesprechung auf der Agenda stehen

Nach "Verstappen-Moves": Ricciardo will Grosjean-Thema ansprechen

Für seine Verteidigungstaktik beim Grand Prix von Großbritannien hat Haas-Pilot Romain Grosjean am vergangenen Sonntag jede Menge Kritik kassiert - nicht nur von Fahrerkollegen, sondern auch von der Rennleitung, die den Franzosen verwarnte, weil er sich in der Bremsphase mehrfach bewegt hatte.

Auch Formel-1-Experte und Ex-Pilot Mark Webber ging mit Grosjean auf 'Channel 4' hart ins Gericht. "Ich glaube, Grosjean missversteht, worum es im aktuellen Grand-Prix-Sport bei Rad-an-Rad-Duellen geht", wettert der Australier.

"Er hat erwähnt, wie Max Verstappen in der Vergangenheit war, und das ist die Vergangenheit. Wir haben uns weiterentwickelt. Er ist der Vorsitzende der GPDA (Fahrervereinigung; Anm. d. R.). Er sollte die Regeln kennen." Stattdessen habe Grosjean auf ihn fast überfordert gewirkt, kritisiert Webber den erfahrenen Formel-1-Piloten.

Uneinsichtig: Grosjean "bereut nichts"

"Er bewegt sich in der Verteidigung sehr spät. Er sagt, dass er auf der Innenseite eine Wagenbreite Platz lässt, was er technisch gesehen auch tut, aber dieses Hin und Her mitten auf der Strecke bei hoher Geschwindigkeit...", sei nun mal ein No-Go.

Grosjean selbst entschuldigte sich nicht für sein Handeln, gab aber zu, dass er aggressiver als sonst verteidigt habe, um seine Position in den Top 10 zu sichern. "Es kommt nicht jeden Tag vor, dass wir in einem Rennen Sechster oder Siebter sind. Ich musste alles geben, was ich konnte, um diese Position zu verteidigen", sagte er nach dem Rennen.

Da es keine klare Regel gebe, die besagt, dass man sich beim Bremsen nicht bewegen dürfe, sei er "ein bisschen an Limit" gegangen. "Ich habe eine Verwarnung bekommen, aber ich bereue nichts. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben."

Ricciardo: Andere Fahrermeinungen hören

Gleichzeitig regte der Haas-Pilot an, dass "eine kleine Klarstellung dazu nett wäre". Und genau diese könnte es in der nächsten Formel-1-Fahrerbesprechung am Freitag vor dem zweiten Rennen in Silverstone geben. Dort will Daniel Ricciardo, eines von Grosjeans "Opfern", das Thema noch einmal zur Sprache bringen.

"Wir werden den Vorfall wahrscheinlich in der nächsten Fahrerbesprechung ansprechen, nur um die anderen Meinungen einzuholen", kündigt Ricciardo an. "Aber ich bin sicher, dass alle an Bord sind." Schließlich sei die Debatte nicht neu.

So erinnert der Renault-Pilot an das Jahr 2016, als Verstappen in der Kritik stand, sich in der Bremsphase des Öfteren zu bewegen, um einen Angriff des Hinterherfahrenden abzuwehren. Sogar eine "Anti-Verstappen-Regel" gab es kurzzeitig.

"Für uns alle ein unnötiges Risiko"

"Wir sprachen das damals an, und ich hatte das Gefühl, dass wir das hinter uns gelassen hatten", sagt Ricciardo, der sich in der jüngsten Vergangenheit an keine größeren Verstöße gegen dieses ungeschriebene Gesetzt erinnern kann - bis jetzt.

"Ich habe Romain meine Meinung dazu mitgeteilt und versucht, ihm eine ziemlich diplomatische Antwort zu geben", verrät er. Dabei ist ihm besonders wichtig zu betonen, dass solche Manöver "für uns alle ein unnötiges Risiko" darstellen - auch für Grosjean. "Ich breche mit vielleicht den Frontflügel und er bekommt einen Reifenschaden."

Um diese Gefahr zu umgehen, ist die Lösung laut Ricciardo ganz einfach: "Wenn er es zeitlich planet und sich nur ein wenig früher bewegt, dann gehe ich wahrscheinlich nach außen und er hat eine bessere Chance auf Verteidigung. Das weiß er auch."

Rennleiter erklärt Grosjeans Verwarnung

Dass Grosjean von den Kommissaren verwarnt wurde, sei richtig und wichtig, findet Ricciardo. Er hofft, dass der Haas-Pilot durch ein erneutes Gespräch im Fahrermeeting noch einsichtiger und die Sachlage noch einmal klarer werden wird.

FIA-Rennleiter Michael Masi erklärt dazu: "Während des gesamten letzten Jahres haben wir mit den Fahrern ausführlich diskutiert. Die Mehrheit erhoffte sich eine Klarstellung beim Thema Bewegung in der Bremsphase. Ein erstes Ergebnis dessen haben wir nun in der vierten Rennveranstaltung dieses Jahres gesehen."

Beim ersten Vergehen die schwarz-weiße Flagge gezeigt - als Warnung. Der wiederholte Vorfall wurde an die Kommissare weitergeleitet, damit diese eine weitere Untersuchung durchführen. "Die Stewards haben Romain dann die Verwarnung in Übereinstimmung mit dem International Sporting Code erteilt", so Masi weiter.

Und er verrät abschließend: "Tatsächlich ist es so, dass die Fahrer alle ein hartes Durchgreifen in diesem Bereich gefordert haben, weil sie das Gefühl hatten, es sei etwas, das noch ein bisschen mehr unter Kontrolle gebracht werden müsse."

Weitere Co-Autoren: Christian Nimmervoll. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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