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Nachhaltigkeit und 23 F1-Rennen pro Saison: Wie passt das zusammen?

Mehr Rennen denn je, und das rund um den Globus: Das spricht nicht gerade für die Nachhaltigkeitsziele der Formel 1 - Wie sie dennoch genau darauf hinarbeitet

Nachhaltigkeit und 23 F1-Rennen pro Saison: Wie passt das zusammen?

Als die Formel 1 im vergangenen September ihren Plan für einen rekordverdächtigen Kalender mit 24 Rennen bekannt gab, waren die Reaktionen gemischt. Zwar spiegelt sich darin das anhaltende Wachstum und der kommerzielle Aufschwung der Serie wider - eine zweifellos gute Sache für alle Beteiligten.

Doch die Anzahl der Rennen - die nach der Absage Chinas auf 23 sank - nährt auch die Sorge um das Wohlergehen derjenigen, die in der Formel 1 arbeiten, und um die Auswirkungen, die dies auf ihr Leben abseits des Rennsports haben wird.

Die andere große Frage, die sich viele stellten, betraf die Ansetzung bestimmter Rennen zu bestimmten Zeitpunkten. Denn eigentlich wollte Formel 1 die Veranstaltungen logistisch besser nach Regionen gruppieren. Doch Australien als Einzelrennen, Baku und Miami als Back-to-Back-Rennen und der abschließende Doubleheader in Las Vegas und Abu Dhabi schienen dem zu widersprechen.

Natürlich ist es eine große Herausforderung, den Formel-1-Kalender mit den verschiedenen Anforderungen der Veranstalter in Einklang zu bringen, weshalb sich eine signifikante Änderung des Zeitplans immer als schwierig gestaltet.

Es wurden Anstrengungen unternommen, Rennen zu verlegen, die teils bis in die höchsten Regierungsebenen reichten. Doch angesichts bestehender Verträge war nichts zu machen.

Doch wie lassen sich unter diesen Vorzeichen die Anforderungen eines ständig wachsenden Rennkalenders mit den Nachhaltigkeitszielen der Formel 1 vereinbaren? Schließlich will man bis zum Jahr 2030 kohlenstofffrei werden.

Die Formel 1 als perfekte Plattform

Ellen Jones ist seit Anfang 2022 Leiterin der Abteilung Nachhaltigkeit der Formel 1. In einer Rennserie, die für ihre Innovation und Problemlösungsfähigkeit bekannt ist, sah sie die perfekte Plattform, um Nachhaltigkeitspläne voranzutreiben.

Neben dem technischen Knowhow der besten Köpfe der Branche macht ihre Reichweite die Formel 1 zu einer attraktiven Plattform, um die Botschaft zu verbreiten. "Es gibt kein größeres Wirkungspotenzial, sei es durch die Interessen der Menschen, aber auch durch die Erfahrungen der Menschen", weiß Jones.

"Wir reisen um die Welt. Wir haben eine wichtige Stimme, wenn es darum geht, im Rahmen unserer Veranstaltungen zu zeigen, wie Nachhaltigkeit im wirklichen Leben aussehen kann. Das ist eine große Chance, aber auch eine Menge Arbeit."

Die enge Zusammenarbeit mit den Rennveranstaltern ist ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitspläne der Formel 1. Für jedes Rennen werden für bestimmte Bereiche Ziele in Bezug auf deren Umweltauswirkungen festgelegt, die dann verfolgt werden können. Diese betreffen Abfall und Recycling, Energieverbrauch, Fan-Reisen und die Auswirkungen auf die lokale Gemeinschaft.

"Es geht darum, eine Struktur zu schaffen, in der wir die Veranstalter beraten, aber auch verfolgen können, was sie tun, um die Messlatte immer höher zu legen", sagt Jones.

"Als Erstes haben wir Vertragsklauseln aufgestellt, die besagen, dass Nachhaltigkeitspläne vorgelegt und Daten zur CO2-Bilanz veröffentlicht werden müssen. Alles wird dokumentiert. Damit kann man seine Ziele verfolgen und feststellen, wo die Leute stehen."

Mit gutem Beispiel vorangehen

Je nach Standort und vorhandener Infrastruktur haben die verschiedenen Rennen unterschiedliche Ziele. Dennoch gibt es einen Austausch von "Best Practices" nicht nur mit den Veranstaltern, sondern auch mit den anderen Beteiligten im Fahrerlager.

Ein Beispiel dafür war die Premiere des neuen Motorhomes der Formel 1 beim Grand Prix von Spanien im vergangenen Jahr. Seine Ausmaße sprengten jene der Hospitality-Einheiten der meisten Teams und sorgten deshalb für Aufsehen.

Es stellte sich jedoch heraus, dass das gesamte Wohnmobil unter dem Gesichtspunkt der Effizienz entwickelt worden war, um den Teams zu zeigen, dass es möglich ist, effizienter zu sein, ohne dabei Abstriche bei den Unterbringungsmöglichkeiten zu machen.

"Wenn man Dinge so konstruiert, dass sie sich stapeln lassen, leicht und effizient sind, kann man immer noch eine großartige Show veranstalten, aber man hat weniger Autos und Lastwagen auf der Straße", erklärt Jones. "Hoffentlich haben die Teams ein gewisses Interesse und sagen, ach, das würden wir gerne machen."

"Es gibt Dinge, da können wir sagen, dass dies eine Regel ist, die wir befolgen müssen. Aber es gibt auch Dinge, bei denen man mit gutem Beispiel vorangehen und sagen kann: Das ist ein besserer Weg, die Dinge zu tun, bitte macht euch das zu eigen."

Ein wichtiger Teil des Nachhaltigkeitsplans der Formel 1 sind auch die Botschaften an die Besucher von Veranstaltungen, sei es auf professioneller oder Fan-Ebene. Auf der Rennstrecke gibt es einen klaren Vorstoß zu mehr elektrischer Energie und der Verwendung vollständig nachhaltiger Kraftstoffe, was sowohl Audi als auch Ford für die nächste Regelära ab 2026 auf den Plan gerufen hat.

Die Fans mit ins Boot holen

Abseits der Rennstrecke ist Einwegplastik ein wichtiges Thema, das die Rennserie abschaffen will. Wiederverwendbare Wasserflaschen sind im gesamten Fahrerlager alltäglich geworden. Auch die Fans werden dazu angehalten, mehr auf ihren CO2-Fußabdruck zu achten - etwa durch Recycling oder die Nutzung des ÖPNV.

"Wir brauchen Fans, die sich daran beteiligen und nachhaltigere Entscheidungen treffen", sagt Jones. "Hoffentlich haben sie das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein und zu sagen: Ja, ich kann verstehen, warum ich diese Entscheidung treffe - nicht nur für den Sport, sondern auch für die Nachhaltigkeit.

Das Hauptproblem bei der Förderung der Nachhaltigkeit in der Formel 1 ist jedoch die Tatsache, dass die Formel 1 auf der ganzen Welt unterwegs ist. Logistik und Reisen machen zwei Drittel des CO2-Fußabdrucks der Formel 1 zwischen den Rennen aus.

Ganz gleich, wie effizient die Motoren der Autos sein mögen oder wie viele Änderungen die Veranstalter bei ihren Rennwochenenden vornehmen, um nachhaltiger zu werden: Die Auswirkungen so vieler Flugmeilen werden nur schwer zu bekämpfen sein.

Als die Formel 1 2019 ihren Nachhaltigkeitsplan vorstellte, setzte sie sich das Ziel, ihre Emissionen um mindestens 50 Prozent zu senken. Es gab einige schnelle Erfolge, wie zum Beispiel die Umstellung der Büros auf erneuerbare Energien.

Auch die Pandemie zeigte Alternativen auf, die den CO2-Fußabdruck verringern können, indem weniger Menschen und Ausrüstung vor Ort benötigt werden, etwa zur Übertragung.

Die Flugmeilen als Achillesferse

Es besteht jedoch nach wie vor die Pflicht, klimafreundlichere Reisemethoden zu finden, zum Beispiel auf mehr Seefracht umzustellen oder regionale Drehkreuze zu nutzen, um die zurückgelegten Entfernungen zu verkürzen. Auch was von Event zu Event transportiert werden muss, gilt es zu hinterfragen.

Formel-1-Fracht im Paddock

Woche um Woche werden zig Tonnen werden von Rennen zu Rennen transportiert

Foto: Motorsport Images

"Wir müssen jeden einzelnen Ausrüstungsgegenstand prüfen und uns fragen, ob er erforderlich ist, ob er so konzipiert werden kann, dass er leicht ist, ob er repliziert werden kann und wie oft er aktualisiert werden muss", sagt Jones. "Dabei geht es nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch den zukünftigen Betrieb der Formel 1."

"Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen und wird weiter ausgebaut, denn wir müssen unsere Arbeitsweise in großem Umfang strategisch ändern, damit die Menschen weiterhin ein großartiges Event und tolle Aktivitäten erleben können."

"Die meisten Leute wissen wahrscheinlich nicht, dass wir remote, also aus der Ferne übertragen. Das ist ein echtes Zeichen für den Erfolg, denn im Hintergrund sind Dinge geschehen, die unseren CO2-Fußabdruck verringert haben, aber es ist und bleibt immer noch eine fantastische Veranstaltung", betont Jones.

Der Kalender wird in nächster Zeit das größte Kopfzerbrechen bereiten. Da die Verträge auslaufen und die Nachfrage nach neuen Veranstaltungen steigt, wird die Formel 1 in der Lage sein, die Rennen stärker nach Regionen zu gruppieren. Das wirkt sich positiv auf die Reisetätigkeit und den COS-Fußabdruck aus - ein Ziel, das von allen geteilt wird, bis hin zum CEO Stefano Domenicali.

Jones räumt jedoch ein, dass das "schwer zu bewältigen" sein wird. Denn jede Veranstaltung unterliegt verschiedenen Anforderungen und auch Faktoren, die sich nicht ändern lassen, wie zum Beispiel das Wetter. Trotzdem beteiligt sich Jones an den Diskussionen, um die Bedeutung des Wandels zu unterstreichen.

Der Kalender als wichtiger Baustein

"Es ist eine logistische Herausforderung für die Städte, sich auf ein solches Event vorzubereiten", sagt sie. "Es geht um die wirtschaftlichen Aspekte des Termins. Und es geht auch um die Emotionen: 'Das war schon immer unser Feiertag! Es ist unser Tag!' Man muss also diese Überlegungen abwägen."

"Wenn ich es aus der Perspektive der Nachhaltigkeit betrachte, gibt es drei Dinge: Wie können wir mit unserem Veranstalter sprechen, damit er versteht, welche Auswirkungen es hat, wenn er uns erlaubt, das Datum zu verschieben", erklärt Jones.

"Zweitens, wie können wir unsere Verträge für die Zukunft so gestalten, dass wir diese Flexibilität haben, anstatt ein festes Datum zu vereinbaren? Und drittens, wie betrachten wir das Datum selbst, um zu sagen, was die wirkungsvollste Veränderung ist?"

"Wir müssen mehr dieser Änderungen vornehmen, und das ist absolut bekannt. Daran arbeiten wir mit unseren Promotern und mit Stefano und in all diesen Beziehungen."

Die anstehende Formel-1-Saison mit ihren 23 Rennen wird das Fahrerlager an seine Grenzen bringen. Und die Frage der Nachhaltigkeit ist eine, die in den kommenden Jahren bis 2030 eine große Herausforderung darstellen wird. Jones vertraut jedoch auf die natürliche Fähigkeit der Formel 1 zur Schwarmintelligenz, wenn es um Innovation und technischen Fortschritt geht.

"Sie befasst sich mit den Technologien der Zukunft", sagt die Expertin für Nachhaltigkeit. "Das kann die Sicherheit von Autos sein, wie sie es in der Vergangenheit war und auch in Zukunft sein wird. Aber es kann auch nachhaltige Mobilität betreffen. Hier geht es um Hybridmotoren und nachhaltige Kraftstoffe."

"Aus technischer Sicht ist das bereits ein Kernstück der Formel 1. Es geht nur darum, diese Technik auf die Probleme unserer Zeit anzuwenden."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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