Neue Boxenstopp-Regel bremst Mercedes und Red Bull aus

Seit dem Formel-1-Rennen in Belgien gilt eine neue Boxenstopp-Regelung - Diese bereitet vor allem Red Bull und Mercedes noch Probleme

Neue Boxenstopp-Regel bremst Mercedes und Red Bull aus

Die neue Boxenstopp-Direktive des Automobil-Weltverbandes FIA hat die Reihenfolge der Formel 1 in Sachen Reifenwechsel ziemlich auf den Kopf gestellt. Red Bull und auch Mercedes, die zuvor die schnellsten Boxenstopps hinlegten, kämpfen noch mit leichten Anpassungsproblemen.

Vor allem in Monza wurde dies deutlich. Sowohl bei Max Verstappen als auch bei Lewis Hamilton gingen die Boxenstopps schief, was schlussendlich mit dazu führte, dass beide kollidierten. "Es ist immer nervig, wenn man während der Saison Veränderungen hat, vor allem, wenn es um Prozedere wie hier geht", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Sein Team stellte reihenweise Boxenstopp-Rekorde auf, Abfertigungszeiten von unter zwei Sekunden schaffte die Red-Bull-Crew in den ersten elf Saisonrennen bereits fünfmal. Das Geheimnis? Drei Arbeitsschritte wurden in einen zusammengefasst: Das Abziehen der Schlagschrauber, das Ablassen des Autos und die Freigabe wurden simultan vollzogen.

McLaren, Alpine und Aston Martin die Vorreiter

Das war jenen Teams, die die Schritte getrennt voneinander ausführen, ein Dorn im Auge. Namentlich gehören dazu McLaren, Alpine und Aston Martin. Sie argumentierten mit Sicherheitsbedenken und riefen damit die FIA auf den Plan. Und diese veränderte das Boxenstopp-Prozedere durch eine Direktive massiv.

Seither müssen die vier Mechaniker am Schlagschrauber extra einen Bestätigungsknopf drücken, wenn sie den Reifen montiert haben. Ist das geschehen und wird der Wagenheber dann heruntergelassen, springt die Ampel danach auf Grün. Dieses neue Prozedere sollte ursprünglich bereits in Ungarn gelten, wurde dann aber auf den Belgien-Grand-Prix nach der Sommerpause verschoben. Dort kam es aufgrund des abgebrochenen Rennens aber nicht zur Anwendung.

In Monza ereilte Red Bull und Mercedes ein ähnliches Dilemma. Bei beiden Teams drückte einer der Mechaniker den Freigabeknopf zu früh - denn das System ist so eingestellt, dass es die menschliche Reaktionszeit berücksichtigen muss. Dadurch erhielten Verstappen und Hamilton keine Freigabe. Bei Verstappen klemmte es rechts vorne, bei Hamilton war das linke Hinterrad das Problem.

Horner über Direktive: "Nervig, aber für alle gleich"

"Der Mechaniker hat den Knopf sechs Zehntelsekunden zu früh aktiviert", erklärt Horner zu 'auto motor und sport'. "Bei uns waren es Millisekunden", verrät ein Mercedes-Ingenieur. Der Fehler wurde jeweils nicht sofort bemerkt, erst beim Blick auf den Schlagschrauber fiel den jeweiligen Mechanikern auf, dass die Anzeige noch auf "nicht gedrückt" stand.

Während Hamilton "nur" 4,2 Sekunden verlor, dauerte es bei Verstappen über elf Sekunden, da der Mechaniker vorsichtshalber das Rad noch einmal löste und neu festzog. Schnellstes Team beim Boxenstopp in Monza war McLaren, das beim Stopp von Daniel Ricciardo 2,4 Sekunden benötigte. Die Zeiten, in denen die Reifenwechsel in unter zwei Sekunden vonstattengingen, sind wohl vorbei.

"Die Direktive hatte einen direkten Einfluss auf den menschlichen Fehler, den wir in Monza hatten. Das ist nervig, aber für alle gleich. Wir müssen daraus lernen und verstehen, was falsch gelaufen ist", sagt Horner.

Regelung verlangt Änderungen bei Mercedes und Red Bull

Auch bei Mercedes musste sich das Team umstellen, nimmt es jedoch hin. "Es ist eine verfahrenstechnische Situation oder ein Prozess, der, wenn man etwas all die Jahre auf die gleiche Art und Weise gemacht hat und dann etwas ändern muss, immer etwas schwierig sein kann. Aber es war nicht katastrophal, wir haben Abhilfemaßnahmen getroffen", erklärt Teamchef Toto Wolff.

Dabei gehe es laut Wolff nicht um "menschliche Fehler", sondern wirklich um einen ganzen Prozess. "Es kommt darauf an, wie der Prozess gestaltet ist, wie die Ausrüstung kalibriert ist", sagt er: "Wir müssen den Mechanikern den bestmöglichen Schlagschrauber und den bestmöglichen Prozess an die Hand geben, damit sie auf sichere Weise arbeiten können, um längere Boxenstopps zu vermeiden und gleichzeitig schnell genug zu sein."

Horner ergänzt: "Natürlich wird ein Fehler beim Boxenstopp genau wie bei jedem anderen Bauteil am Auto genau analysiert. Man versucht, daraus zu lernen und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um mit der Situation umzugehen, sollte sie sich wiederholen."

Auch Haas plötzlich unter den Top-10

Deutlich entspannter betrachtet naturgemäß McLaren die Situation. Denn für das Team änderte sich durch die Direktive der FIA so gut wie nichts. Teamchef Andreas Seidl erklärt, das Team habe die "Klarstellung der FIA vor der Sommerpause begrüßt". Er stellt klar: "Letztendlich mussten wir nichts ändern, denn aus unserer Sicht war es vorher klar, wie der Ablauf sein muss."

Nach der Einführung der Direktive tauchten bei den Bestwerten der Boxenstopps gleich mehrere Teams in Regionen auf, die sie vorher nicht erreicht hatten. In Zandvoort rangierten Alpine und Aston Martin in den Top-10, in Monza gelang dies auch dem Haas-Team.

Aston-Martin-Einsatzleiter Tom McCollough vermisst Stopps unter zwei Sekunden nicht und bringt das Thema wie folgt auf den Punkt: "Du gewinnst nicht mit einem Stopp von 1,8 Sekunden. Aber du verlierst mit einem, der 3,8 Sekunden dauert."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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