Neue Formel-1-Autos: Fahrerkönnen wieder mehr gefordert

Die neue Formel-1-Fahrzeuggeneration ab 2022 stellt den Fahrer wieder mehr in den Mittelpunkt: Autos schwieriger am Limit zu fahren und nicht mehr so stabil

Neue Formel-1-Autos: Fahrerkönnen wieder mehr gefordert

Die Formel 1 startet 2022 in eine neue Ära und hat das Ziel, das Racing durch die neuen Ground-Effect-Autos wieder besser zu machen. Zwar sind die neuen Regeln nicht speziell dafür designt, das Überholen per se zu erleichtern, doch die Hoffnung ist, dass die Fahrer ihrem Vordermann mit dem neuen Konzept wieder einfacher folgen können.

Um das zu erreichen, ist die Formel 1 davon weggegangen, sich auf den Abtrieb zu verlassen, der von Front- und Heckflügel generiert wird. Stattdessen werden die Autos viel mehr von ihrer Performance dadurch generieren, dass Luft durch die Venturi-Tunnel unter dem Auto geleitet wird.

Dadurch sollten nachfolgende Autos nicht mehr so große Probleme mit der verwirbelten Luft ihrer Gegner haben. Das sollte auch dabei helfen, Rutschen und dadurch überhitzte Reifen zu reduzieren.

Als Konsequenz erwartete man drastisch steigende Rundenzeiten. Von bis zu fünf Sekunden war am Anfang sogar die Rede. Mittlerweile deutet einiges darauf hin, dass die Teams die neuen Regeln schon so weit verstanden haben, dass die neuen Autos gerade einmal 0,5 Sekunden pro Runde langsamer sein sollten.

Auto nicht mehr so schön zu fahren

Doch selbst mit ähnlichen Rundenzeiten ploppte zuletzt ein Thema auf: das Gefühl der Fahrer, wie stark anders sich die neuen Autos fahren lassen. Die Piloten, die im Simulator ihre Autos ausprobieren konnten, sprachen davon, dass sich das Auto nicht mehr so stabil anfühlt.

McLarens Lando Norris sagt: "Ich glaube nicht, dass es so schön zu fahren sein wird. Man wird etwas mehr am Limit sein - ein bisschen wie in der Formel 2, wo man etwas mehr mit dem Auto kämpft."

Eigentlich sollten die Autos doch aber stabiler sein, wenn man hinter einem anderen Auto herfährt. Da legen solche Aussagen den Schluss nahe, dass irgendwo etwas schiefgegangen sein muss.

Aerodynamik nicht mehr so perfekt und stabil

Doch FIA-Technikchef Nikolas Tombazis erklärt, dass das Gefühl der Fahrer einfach eine Konsequenz daraus ist, dass man die Aerodynamik der Fahrzeuge vereinfacht hat. Hatten die Teams früher den Luftstrom perfektioniert, um sicherzustellen, dass auch in der Kurve ein konstanter Luftstrom herrscht, ist das jetzt nicht mehr möglich.

"Heutzutage gibt es eine ganze Reihe von Herausforderungen in Bezug auf die Fahrbarkeit", erklärt Tombazis. "Die Teams haben das Kurvenverhalten unter dem Gesichtspunkt der Fahrbarkeit und der Stabilität entwickelt und viel Arbeit im Simulator geleistet."

"Sie haben auch viel an der Aerodynamik gearbeitet, um sicherzustellen, dass das Auto in der Kurve keine schnellen Änderungen der Charakteristik aufweist, die den Fahrer verunsichern könnten", meint er weiter.

"Soweit ich weiß, machen die neuen Regeln das ein bisschen schwieriger. Daher werden die Autos meiner Meinung nach etwas schwieriger zu fahren sein, was ich für eine gute Sache halte."

Fahrer wieder mehr im Mittelpunkt

Die Bereiche, an denen die Teams am meisten gefeilt haben - etwa der Luftstrom vom Frontflügel über die Bargeboards und unter das Auto - sind laut Tombazis durch die neuen Regeleinschränkungen nicht mehr möglich.

"Früher hat man das am Frontflügel und im Bereich des Bargeboards erreicht, indem man sehr sorgfältig mit den verschiedenen Wirbeln und ihrer Bewegung durch die Luft gespielt hat", sagt er. "Dabei sind die Möglichkeiten aber jetzt eingeschränkt."

Die Einschränkungen und die veränderte Fahrzeugcharakteristik sollten dafür sorgen, dass der Fahrer wieder mehr im Mittelpunkt steht - und darüber freut sich Tombazis.

"Ich denke, es ist gut für die Fähigkeiten der Fahrer, dass das Auto nicht so vorhersehbar ist", meint er. "Ich denke, dass es potenziell schwieriger zu fahren sein wird, weil einige der Eigenschaften nicht so ausgefeilt sind."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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