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Neue Formel-1-Regeln: Zwangspause für Motorenhersteller

Der Automobil-Weltverband FIA reagiert mit neuen Formel-1-Regeln auf die Coronavirus-Situation und verordnet den Herstellern eine Zwangspause

Neue Formel-1-Regeln: Zwangspause für Motorenhersteller

"Um der FIA und der Formel 1 die Flexibilität zu geben, auf die Krise zu reagieren, einen Rennkalender zu organisieren und den kommerziellen Wert der Meisterschaft zu wahren sowie die Kosten möglichst gering zu halten." So begründet der Automobil-Weltverband FIA die Regeländerungen, die heute kurzfristig erlassen wurden.

Zu den Kernpunkten der Neuerungen zählt, dass FIA-Präsident Jean Todt eine umfassende persönliche Befugnis erhalten hat, um bei der "Organisation von internationalen Wettbewerben in der Saison 2020" rasche Entscheidungen treffen zu können.

Todt "regiert" damit aber nicht als "Alleinherrscher", sondern muss sich jeweils mit seinem Vizepräsidenten für Sport, dem Generalsekretär für Sport und dem Präsidenten der jeweiligen Sportkommission absprechen, sofern das Thema in die entsprechende Zuständigkeit fällt.

Verbindliche Betriebsschließung für drei Wochen

Konkret für die Formel 1 ändert sich einiges, allen voran der Ablauf beim Verabschieden von Regeländerungen. Bisher galt hierfür: Bei Änderungen nach dem 30. April des Vorjahres ist Einstimmigkeit unter den Teams erforderlich. Künftig reicht (für einige, aber nicht für alle Artikel) eine 60-Prozent-Mehrheit, wie im neuen Artikel 1.3 des Sportlichen Reglements festgelegt ist.

Der Weltverband hat außerdem Artikel 5.5 gestrichen. Darin hieß es: "Der finale Rennkalender wird vor dem 1. Januar von der FIA veröffentlicht." Nun lautet die Losung: "FIA und Formel 1 haben die Erlaubnis, den Kalender ohne eine Abstimmung zu ändern." Bedeutet: Die Verantwortlichen können kurzfristig handeln.

Tatsächlich kurzfristig kommt diese Regelneuerung: Für alle Antriebsstranghersteller ist eine Betriebsschließung für 21 Tage in Folge verabschiedet worden. Diese Schließung hat zwischen März und April zu erfolgen. Das geht aus Artikel 21.10 und 21.11 hervor und knüpft an die vorgezogene, verbindliche Sommerpause für alle Teams an.

Neue Komponentenlimits für 2020

In der Zeit der Betriebsschließung dürfen die Antriebshersteller weder direkt in Alleinregie noch indirekt über Zulieferer Test absolvieren und auch die Produktion und Entwicklung von Teilen muss ruhen. Kurz: eine komplette Zwangspause für das gesamte Werk und dessen Angestellte.

Apropos Antriebe: Sollte die Rennanzahl in der Saison 2020 unter 14 Grands Prix fallen, dann darf ein Fahrer laut Artikel 23.3 dafür nicht mehr als zwei Verbrennungsmotoren, zwei MGU-H, zwei Turbolader, zwei Energiespeicher, zwei Einheitselektronikpakete und zwei MGU-K verwenden.

Für den Fall, dass weniger als elf Rennen gefahren werden, reduziert sich die Anzahl von Energiespeichern und Einheitselektronik von zwei auf je eine Einheit. (Hier unseren Coronavirus-Ticker mit aktuellen Motorsport-Absagen und -Verlegungen abrufen!)

Keine 18-Zoll-Testfahrten im Jahr 2020

Verschwunden sind darüber hinaus die geplanten Testfahrten mit den neuen 18-Zoll-Rädern von Pirelli, die 2020 hätten erfolgen sollen.

Ein eintägiger Young-Driver-Test für Fahrer mit zwei Formel-1-Rennteilnahmen oder weniger Erfahrung kann zwei Tage nach dem Saisonfinale an gleicher Stelle stattfinden. Neu ist, dass die Teams hierbei zwei aktuelle Autos parallel einsetzen können.

Außerdem hat die FIA für die Saison 2020 jegliche aerodynamische Entwicklung für die auf 2022 verschobenen neuen Formel-1-Regeln verboten. Dies gilt rückwirkend ab dem 28. März 2020.

Die Mercedes-Idee ist nächstes Jahr tabu

Die Verschiebung des neuen Formel-1-Reglements von 2021 auf 2022 wurde nun auch formal durch den Motorsport-Weltrat bestätigt, "aus Kostengründen", wie es in der Begründung heißt.

"Weitere Maßnahmen werden 2021 nach Gesprächen mit den Teams folgen, unter anderem die Homologierung der Überlebenszelle (ab 2020) und weiterer Komponenten."

Rein technisch sprach der Weltverband zudem ein Verbot der zweiaxialen Lenkung (DAS) aus, die Mercedes erstmals bei den Formel-1-Wintertests 2020 ausprobiert hatte.

"Diese technischen Änderungen haben bereits die notwendige Einstimmigkeit der teilnehmenden Teams erhalten", so die FIA. Diese Einstimmigkeit ist zwingend erforderlich, weil die Regeln in einem Zeitraum ab 18 Monaten vor Saisonbeginn nur auf diese Weise noch zu ändern sind.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Urheber Stefan Ehlen