Neuer Monza-Pokal 2026: Warum es eine "zerbrechliche" Trophäe gibt
Tassen, Schalen und eine scheinbar wackelige Konstruktion: Die Formel-1-Pokale für Monza 2026 brechen bewusst mit Motorsport-Traditionen
Die Pokale für das Formel-1-Rennen in Monza 2026
Foto: Pirelli
Wer am Sonntag nach dem Grand Prix von Italien 2026 in Monza (das Rennen hier im Formel-1-Liveticker verfolgen!) auf dem Podium steht, bekommt keinen klassischen Pokal überreicht. Stattdessen wartet auf die drei Bestplatzierten sowie einen Vertreter des siegreichen Konstrukteurs eine Trophäe, die bewusst ungewöhnlich und sogar ein wenig instabil wirkt. Der Name ist Programm: "Fragile" - zu Deutsch: zerbrechlich.
Entworfen wurde die Trophäe vom italienischen Künstlerduo "vedovamazzei", bestehend aus Stella Scala und Simeone Crispino. Ihr Entwurf setzt sich optisch aus mehreren übereinandergestapelten Tassen und Schalen zusammen. Die einzelnen Elemente scheinen nur lose aufeinander zu balancieren und ergeben gemeinsam eine hohe, silbern glänzende Skulptur.
Damit unterscheidet sich "Fragile" deutlich von traditionellen Motorsport-Pokalen. Und genau das ist beabsichtigt.
Ein Formel-1-Sieg ist nicht für die Ewigkeit
Ausgangspunkt für den Entwurf war laut vedovamazzei die alte Tradition, bei Feierlichkeiten einen gemeinsamen Kelch von Hand zu Hand weiterzureichen. Aus diesem Gedanken entstand die Idee, den scheinbar individuellen Erfolg eines Rennsiegers als Leistung einer größeren Gemeinschaft darzustellen - Fahrer, Team und Fans sowie das gesamte Umfeld, das einen Grand-Prix-Erfolg überhaupt erst möglich macht.
Gleichzeitig steckt in der ungewöhnlichen Konstruktion eine zweite Botschaft: Ein Formel-1-Sieg ist immer nur eine Momentaufnahme. Die gestapelten Gefäße vermitteln bewusst den Eindruck, als könnte die gesamte Konstruktion jederzeit aus dem Gleichgewicht geraten. Damit soll die Trophäe verdeutlichen, dass sportlicher Erfolg kein dauerhafter Zustand ist.

Die Künstler Simeone Crispino und Stella Scala mit ihren Formel-1-Pokalen für Monza 2026
Foto: Pirelli
Oder wie vedovamazzei es formulieren: Ein Erfolg sei "instabil, kurzlebig und muss zurückerobert werden". Deshalb sei er letztlich "fragile" - zerbrechlich.
Wie die Monza-Trophäen hergestellt wurden
Die spiegelnde Oberfläche lässt die Pokale auf den ersten Blick wie klassische Metalltrophäen erscheinen. Tatsächlich steckt ein deutlich moderneres Herstellungsverfahren dahinter.
So gingen vedovamazzei vor: Die Künstler entwickelten ihre Vorstellungen zunächst klassisch mit Zeichnungen und Skizzen auf Papier. Anschließend wurden die Objekte per 3D-Druck aus Nylonpulver hergestellt. Danach erfolgten Lackierung, Galvanisierung und Politur, wodurch die charakteristische metallisch reflektierende Oberfläche entstand.
Künstler-Tradition beim Grand Prix von Italien
Die ungewöhnlichen Pokale sind inzwischen eine Tradition beim Italien-Grand-Prix. Titelsponsor Pirelli lässt die Monza-Trophäen seit 2021 von italienischen Künstlern gestalten. Das mehrjährige Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museum für zeitgenössische Kunst "HangarBicocca", das von Pirelli unterstützt wird. (Fotostrecke: Die schrägsten Formel-1-Pokale)
Den Anfang machte 2021 Alice Ronchi. Es folgten Patrick Tuttofuoco 2022, Ruth Beraha 2023, Andrea Sala 2024 und Nico Vascellari 2025. Für die sechste Ausgabe fiel die Wahl nun auf vedovamazzei.
Das Künstlerduo ist dafür bekannt, Alltagsgegenstände in neue Zusammenhänge zu setzen und dabei mit Ironie auf Widersprüche des täglichen Lebens hinzuweisen. Genau dieses Prinzip findet sich auch in den Formel-1-Pokalen wieder: Aus gewöhnlichen Tassen und Schalen entsteht ein Objekt, das am Sonntag in Monza (das Rennen hier im Formel-1-Liveticker verfolgen!) für einen der größten Erfolge im internationalen Motorsport stehen wird.
Und trotz seines Namens dürfte "Fragile" die traditionelle Champagnerdusche auf dem Monza-Podium problemlos überstehen: Die vermeintliche Zerbrechlichkeit ist dabei vor allem Teil der künstlerischen Aussage.
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