Neuland Zandvoort: Das erwartet die Fahrer und Teams der Formel 1

Nach 36 Jahren feiert die Formel 1 ihr Comeback in den Niederlanden - Trotz der langen Abwesenheit in Zandvoort kennen viele Fahrer die Strecke bereits

Neuland Zandvoort: Das erwartet die Fahrer und Teams der Formel 1

Die Formel 1 hat seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie so manche Rennstrecke wieder für sich entdeckt. Nach Premieren in Portimao und Mugello hat die Königsklasse aus der Not heraus auch längst vergessene Kurse wieder in ihr Programm aufgenommen, etwa den Nürburgring oder Imola. Die Rückkehr nach Zandvoort war schon länger geplant.

Der Kurs in den niederländischen Dünen gilt als Traditionsrennstrecke, die bereits in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt hat. Denn blickt man auf die Statistik, so ist die Piste die fünftälteste in der Geschichte des Sports. Nur Silverstone, Monaco, Spa-Francorchamps und Monza sind noch älter.

1952 wurde erstmals ein Grand Prix in Zandvoort ausgetragen. Eigentlich begann die Formel-1-Historie in den Niederlanden allerdings schon davor, denn 1948 wurde ein Rennen ohne WM-Status auf jener Strecke ausgetragen.

Warum kennen viele Formel-1-Fahrer Zandvoort bereits?

Nach 36 Jahren Abstinenz kehrt die Formel 1 nun wieder nach Zandvoort zurück - ein Rekord. Nur mehr wenige Personen im aktuellen Fahrerlager waren schon damals mit dabei, als Niki Lauda den bislang letzten Sieg auf jener Strecke 1985 einfahren konnte. Manche haben mit der DTM oder der Formel 3 auf der Piste Halt gemacht, aber nicht viele.

Dennoch sind viele Fahrer überraschenderweise mit der Rennstrecke vertraut. Lokalmatador Max Verstappen ist der einzige Pilot im Feld, der den aktuellen Kurs besonders gut kennt. Er durfte bei einem Showrun mit einem Red-Bull-Boliden die Piste nach den Renovierungsarbeiten eröffnen.

Da die Juniorkategorien, etwa Formel Renault oder Formel 3, regelmäßig in Zandvoort Station gemacht haben, kennen viele Formel-1-Piloten den Kurs noch aus der Vergangenheit. Wobei die Strecke, die sie damals gefahren sind, noch ohne die beiden Steilkurven auskam, die neu gebaut wurden.

Mit dieser neuen Attraktion wollten die Organisatoren Rechteinhaber Liberty Media davon überzeugen, die Formel 1 wieder zurückzubringen. Die anderen Teile der Rennstrecke dürften dem Großteil des Feldes aber noch wohlbekannt sein.

Das bevorstehende Rennwochenende wird vielen Piloten daher wie eine Reise zurück in ihre Vergangenheit vorkommen. Als würden sie wieder in Brands Hatch oder Thruxton antreten - also an einem jener Orte, von dem sie nie dachten, sie würden jemals wieder zurückkehren.

Das Faszinierende ist, dass die meisten ähnlich positive Erinnerungen haben - und sich einig sind, dass trotz der Änderungen an diesem Wochenende nicht viel überholt werden könnte. "Es gibt viele Bodenwellen, sehr knifflig zu fahren. Wie eine Old-School-Strecke", meint etwa Lando Norris.

Darum ist die "Old-School-Strecke" bei Fahrern so beliebt

Der McLaren-Pilot gewann in Zandvoort in der Saison 2017 zwei Rennen in der Formel 3. Er weiß: "Es gibt nicht viele Auslaufzonen in den Kurven. Aber es ist eine sehr coole Strecke, in manchen Bereichen sehr schnell, aber eigentlich unmöglich zum Überholen."

Norris merkt an: "Ich hoffe nur, dass es wenigstens eine Chance gibt." Er geht davon aus, dass zumindest in Kurve 1 Überholmanöver möglich sein könnten. "Aber ich weiß nicht mal, wie einfach das werden wird." Wie seine Kollegen kennt auch Norris die Modifikationen nur aus dem Simulator.

"Es ist anders, aber viele der wichtigen und coolen Teile der Strecke sind sehr ähnlich. Da hat sich nicht viel verändert, was gut ist", begrüßt er die Umbauten. Die Bezeichnung "Old-School-Strecke" wird an diesem Rennwochenende noch oft benutzt werden.

Daniel Ricciardo

Ricciardo und Norris sind bereits in Zandvoort gefahren

Foto: Motorsport Images

Denn trotz der Neuerungen entstammt Zandvoort einer anderen Zeit, und hat sehr wenig mit den Strecken gemein, die in den vergangenen 20 Jahren gebaut wurden. Für die meisten Fahrer und auch Fans erscheint das allerdings nichts Schlechtes zu sein.

Mit der Bekanntgabe des Comebacks nach mehr als 30 Jahren hat die Formel 1 die Vorstellungen von einer modernen Rennstrecke verändert. "Es ist sicherlich [eine Strecke] der alten Schule, manche Kurven sind schnell", stimmt Daniel Ricciardo zu.

Der Australier war zuletzt 2009 beim Formel-3-Masters auf der Strecke unterwegs. "Ich denke, auf einer Runde wird es großartig werden", freut er sich bereits auf das Qualifying am Samstag. Und er fügt hinzu: "Ich möchte nicht zu pressimistisch sein."

Warum freuen sich die Fahrer aufs Qualifying?

Allerdings weiß auch der McLaren-Pilot aus Erfahrung, dass Überholmöglichkeiten rar sind. "Das ist ein realistischer Gedanke." Und: In der Formel 1 sei es aktuell schon sehr schwierig, dem Vordermann zu folgen, vor allem bei hohem Tempo, daher werde es schwierig, an jemandem vorbeizukommen, glaubt Ricciardo.

"Mal sehen, ich meine, hoffentlich sind wir positiv überrascht, aber sagen wir mal, das könnte der Nachteil sein." Zumindest das Zeittraining werde ein "Kracher", glaubt Ricciardo. Vor der Herausforderung, eine schnelle Runde im Zeittraining zu setzen, hat auch Carlos Sainz Respekt.

Der Spanier konnte in Zandvoort 2012 in der Formel 3 antreten. Er hat die neue Version der Strecke im Simulator in Maranello ausprobiert. "Das Banking hat alles verändert", glaubt er. "Es wird dadurch wohl noch schneller werden."

Bereits in der Formel 3 sei die Strecke so schnell gewesen, das sei "verrückt", erinnert er sich. "Es hat sehr viel Spaß gemacht, dort zu fahren. Es ist sehr eng. Aber ich sehe nicht, wie die Formel 1 dort irgendwelche Überholmanöver sehen will. Es wird aber eine ordentliche Herausforderung im Qualifying über eine Runde."

20 Runden sei er im Simulator gefahren, um sich vorzubereiten, verrät er. "Ich werde keine Rundenzeiten verraten", merkt er an. Aber es sei definitiv eine der kürzesten Runden im Kalender - "zwischen Kanada und Österreich".

Sainz' Teamkollege Charles Leclerc, der zuletzt 2015 für das niederländische Van-Amersfoort-Team in Zandvoort unterwegs war, ist ebenso ein Fan der Strecke. "Ich liebe diesen Kurs", verrät der Monegasse. "Es macht sehr viel Spaß, speziell im Qualifying wird es toll werden."

Prozession am Sonntag? Das sagen die Teamchefs

Auch er teilt die Sorge, dass am Sonntag eine Prozession folgen könnte. "Ich denke, es geht in die richtige Richtung, um Überholen zu erleichtern. Ob das genügt, werden wir sehen. Es wird aber auf jeden Fall aufregend. Das ist es immer, wenn man eine neue Strecke besucht."

Pierre Gasly ist zuletzt in der Formel Renault in Zandvoort gefahren, vor fast zehn Jahren. Er vergleicht die Rennstrecke mit dem Klassiker in Monaco - "nur ohne Mauern". Aufgrund des Gefälles in den Steilkurven fühle er sich fast wie ein IndyCar-Pilot, schmunzelt er.

Als einer der mittlerweile erfahrensten Piloten im Feld kennt auch Sebastian Vettel die Strecke in Zandvoort. Er war zuletzt 2006 in der Formel 3 auf der Strecke am Start. "Es sieht aufregend aus. Im Simulator sah die Strecke wirklich attraktiv aus. Ich freue mich darauf, es sollte ziemlich cool werden."

Mick Schumacher

Mick Schumacher am Donnerstag bei der Streckenbesichtigung

Foto: Motorsport Images

Für manche Kollegen im Fahrerfeld wird Zandvoort eine gänzlich neue Erfahrung, darunter auch die zwei Veteranen im Feld: Fernando Alonso und Kimi Räikkönen. Aber etwa auch für Rookie Yuki Tsunoda.

Manche Teamchefs, wie etwa Toto Wolff oder auch Andreas Seidl, konnten ihre ersten Erfahrungen in Zandvoort dank der DTM machen. Der McLaren-Boss stimmt seinen Piloten zu, Überholen könnte ein großes Gesprächsthema am Rennwochenende werden.

"Wir sollten offen an dieses Wochenende herangehen", betont Seidl. "Ich freue mich darauf, an eine neue Strecke zu kommen. Ich mag diese Herausforderung sehr. Das Team liebt diese Challenges, auch viele der Fahrer."

Nach Belgien-Farce: Formel 1 hofft auf "gutes Rennen"

Der Deutsche geht ebenso davon aus, dass das Qualifying "sehr aufregend" werden könnte. "Wenn man auf andere neue Strecken in der Vergangenheit zurückblickt, waren wir vor dem Rennwochenende manchmal ziemlich pessimistisch, und dann haben wir plötzlich ein gutes Rennen gesehen", gibt er zu bedenken.

Tatsache ist, dass die Veranstaltung für alle ein Schritt ins Ungewisse ist, sowohl was die Action auf der Strecke als auch was die Organisation betrifft. Nach dem turbulenten Grand Prix von Belgien könnten die Formel 1 ein ruhiges Wochenende gebrauchen.

"Die Erwartungen sind hoch, denn wir fahren an einen Ort, an dem es sicher viele orangefarbene Shirts geben wird", weiß Formel-1-Boss Stefano Domenicali nach dem Rennen in Spa.

"Und es wird eine neue Veranstaltung sein, ein neuer Ort, an dem es eine Menge Aufregung geben wird. Und wir hoffen wirklich, dass wir ein gutes Rennen für alle Fans haben, nachdem dieser Sonntag [in Belgien] sicherlich schwierig war."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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