Neuzugänge kommen an ihre Grenzen: Darum war Imola so hart

Das Formel-1-Rennen in Imola stellte vor allem die Neuzugänge vor große Herausforderungen - Das sagen Fernando Alonso, Sergio Perez und Co.

Neuzugänge kommen an ihre Grenzen: Darum war Imola so hart

Erfahrung ist in der Formel 1 ein hohes Gut und bringt im Zweifel deutliche Vorteile in der Ergebnisliste. Beim Großen Preis der Emilia-Romagna in Imola hingegen wurde deutlich, dass die reine Zahl an gefahrenen Rennen im Laufe kein Maßstab sein muss. Das Autodromo Internazionale Enzo e Dino Ferrari wurde am vergangenen Wochenende auch für die ganz großen Namen zur Herausforderung - vor allem für jene, die neu in ihrem Team sind.

Es war frappierend, wie sehr Sebastian Vettel, Fernando Alonso, Sergio Perez und auch Daniel Ricciardo zu kämpfen hatten und vor allem im Vergleich mit ihren Teamkollegen teilweise nicht nur wegen ihres Geburtstages ganz alt aussahen. Die Strecke in Italien hatte dabei ihren ganz eigenen Anteil daran.

Denn im Gegensatz zum hochmodernen Kurs in Bahrain, auf dem der Saisonauftakt stattfand und auf dem sich die Fahrer bei den Testfahrten zumindest etwas einschießen konnten, gehört Imola zu den Old-School-Strecken: wenig Auslaufzonen, enge Fahrbahn und kaum Raum für Fehler. Besonders in diesem Jahr zu einem solch frühen Zeitpunkt der Saison sind die Unterschiede auf diesen Strecken enorm.

Neues Team, neues Auto, aber kaum Testzeit

Denn im Gegensatz zu den Vorjahren waren die Testmöglichkeiten vor der Saison noch einmal mehr eingeschränkt. Nur drei Testtage blieben den Teams, pro Fahrer also gerade einmal anderthalb Tage oder zwölf Stunden. Kamen dann noch technische Probleme hinzu, wie vor allem bei Sebastian Vettel, dann waren die Voraussetzungen besonders schlecht.

Nun blieb das Reglement der Formel 1 im Vergleich zum Vorjahr zwar weitgehend stabil, doch die viel diskutierte Änderung im Bereich des Unterbodens stellte die Teams vor große Herausforderungen. Wer bereits im Vorjahr Teil des Teams war, hatte also einen großen Vorteil gegenüber den Neulingen.

Am Rennsonntag in Imola musste vor allem Sergio Perez Lehrgeld zahlen - obwohl er bereits fast 200 Rennen absolviert hat. Aber halt nicht für Red Bull, für den österreichischen Rennstall war es erst das zweite Wochenende für den Mexikaner.

Perez: "Es war brutal"

Schlechter Start, Ausritte und ein weiterer Dreher - Perez fiel deutlich ab im Vergleich zu Max Verstappen, der das Rennen souverän gewann. Dabei fuhr er im Qualifying noch auf einen starken zweiten Platz und schlug damit seinen niederländischen Teamkollegen. Doch im Rennen bei schwierigen Bedingungen und Regen ging nicht mehr viel.

"Ich schaue nicht so sehr darauf, was andere Fahrer machen, um ehrlich zu sein. Aber es ist sicher eine schwierige Aufgabe, das Team zu wechseln und dann am zweiten Wochenende unter diesen Bedingungen zu fahren", sagt Perez.

Für Perez war es sogar "ziemlich brutal. Ich denke, ich bin noch nicht da, wo ich sein will, trotz einer guten Runde [im Qualifying]. Man hat [im Rennen] gesehen, wie weit ich noch weg bin und wie schwierig die Dinge sind", erklärt er.

Dass diese Kombination aus frühem Zeitpunkt der Saison und den schwierigen Bedingungen auch noch in Imola zusammenkam, habe die ganze Sache noch verschlimmert. "Um ehrlich zu sein, ist es einer der schlimmsten Kurse, den du mit einem neuen Auto fahren kannst. Denn ein kleiner Fehler im Qualifying oder Rennen kann sehr kostspielig sein", erklärt Perez.

Alonso: 300 Prozent besser gefühlt

Zwar ohne groben Fehler, aber schlicht zu langsam unterwegs war unterdessen Fernando Alonso. Noch in Bahrain kam der Spanier nach zwei Jahren Pause zurück und hatte seinen Alpine-Teamkollegen Esteban Ocon im Griff. In Imola hingegen wendete sich das Blatt und der Franzose deklassierte den zweimaligen Weltmeister beinahe.

Für den 39-Jährigen ist die Situation nach seiner zweijährigen Auszeit noch einmal drastischer, entsprechend klingen seine Aussagen beinahe wie jene eines Rookies. "Vom Gefühl her, zwischen Runde eins und 63, habe ich mich zu 300 Prozent wohler gefühlt, was mein Selbstvertrauen im Auto angeht", sagt der Champion von 2005 und 2006.

Die besonderen Bedingungen seien dabei auch ein Segen für die Lernkurve gewesen. "Heute war so ein Tag, an dem man dreifache Erfahrung sammelt. Von der ersten Runde bis zum Ende hatten wir wechselnde Bedingungen, wechselnde Gripverhältnisse während des gesamten Rennens, wir hatten Rote Flaggen, stehende Starts und rollende Starts", erklärt er.

Vettel: Fahrer in neuen Teams haben mehr zu kämpfen

Jede einzelne Runde, so Alonso, trage dazu bei, dass sich die Neulinge in ihren Teams wohlerfühlten. "Wir hatten anderthalb Testtage in Bahrain, aber es war das erste Mal in nassen Bedingungen, in feuchten Bedingungen, das erste Mal mit nur einer schmalen Trockenlinie. Es gab viel zu lernen", sagt er.

Ähnlich lief es auch für den gebeutelten viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel, bei dem seit seinem Wechsel zu Aston Martin auch noch reichlich Pech hinzukommt. Die wenigsten Kilometer bei den Testfahrten, dazu weiterhin kein richtiges Gefühl in einem Auto, das von den neuen Regeln besonders hart getroffen wurde.

"Es ist eine tolle Strecke, denn sie beißt zu, wenn man Fehler macht", sagt Vettel über Imola. Auch er vermisst bei sich selbst noch das letzte Vertrauen in das Auto. "Vielleicht haben die Fahrer, die neu in ihren Teams sind, noch mehr zu kämpfen", sagt er.

Seidl: Probleme sind keine Überraschung

Dass es dauert, ehe man sich an ein neues Auto gewöhnt, bestätigen auch die Teamchefs. Vettels Boss Otmar Szafnauer sagt: "Wenn die Fahrzeugphilosophie anders ist, braucht es einfach Zeit. Ich habe mit Checo [Sergio Perez] gesprochen, der von uns zu Red Bull gegangen ist. Er sagt genau dasselbe, dass es Fahrzeit benötigt, um die Feinheiten zu erkennen."

Auch bei McLaren gibt es eine derartige Konstellation im Team. Youngster Lando Norris sorgt für Furore, sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo kämpft hingegen noch um den Anschluss. "Ich würde nicht sagen, dass es eine Überraschung ist", sagt Teamchef Andreas Seidl.

Er erklärt: "Wir wissen, dass man nicht einfach von einem Auto ins andere hüpft, wenn man nur anderthalb Tage Testfahrten hat. Es wird aber keine Beschwerden geben, denn das war eine Übereinkunft aller Teams, um Kosten zu sparen."

Ricciardo: Jetzt zählt jede Zehntel noch mehr

Für Ricciardo kommt die aktuelle Thematik noch einmal verstärkt zum Tragen, da die Teams in diesem Jahr besonders eng beisammen liegen. "Jede Zehntel zählt, aber jetzt umso mehr", sagt der Australier. Man könne es sich nicht leisten, ein paar Zehntel langsamer zu sein, "denn dann scheidest du vielleicht in Q2 aus oder es kann ein Unterschied von Platz drei zu Platz acht sein", sagt der 31-Jährige.

Auch für ihn ist die Strecke in Imola ein verstärkender Faktor. "Es gibt mehr Risiken. Man muss sich mit dem Auto am Limit wohlfühlen und dieses Vertrauen haben. An diesem Wochenende hat es mehr Zeit dafür benötigt als noch in Bahrain", sagt er.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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