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Newey: Systeme bei Aston Martin waren "nicht mehr zeitgemäß"

Adrian Newey spricht über die Probleme, die er bei Aston Martin vorgefunden hat und die zu der aktuellen Situation des Teams geführt haben

Newey schockiert: Manches bei Aston Martin ist noch aus Jordan-Tagen!

Adrian Newey hätte bei Aston Martin wohl nicht so große Schwierigkeiten erwartet

Foto: LAT Images

Aston Martins Technikchef Adrian Newey gibt einen Einblick in die Herausforderungen und Probleme, die der Rennstall in den vergangenen Monaten durchmachen musste. Das Team von Fernando Alonso und Lance Stroll erlebte bislang eine wahre Horrorsaison, die von mangelnder Konkurrenzfähigkeit und fehlender Zuverlässigkeit geprägt ist.

Laut Newey seien einige Tools und Abläufe bei Aston Martin nicht auf dem für die Formel 1 nötigen Standard, zudem sei das Auto übergewichtig und mit mangelndem Abtrieb ausgestattet. Auch ein großes Problem: die Zeit. Aston Martin konnte erst mit deutlicher Verspätung in den Windkanal gehen und hatte so ein großes Defizit zur Konkurrenz.

"Das Timing spielte eine riesige Rolle, war aber nicht der einzige Faktor", sagt Newey gegenüber AstonMartinF1.com. "Wir haben eine sehr talentierte Truppe, aber als Organisation haben wir noch nicht so gut zusammengearbeitet, wie man sich das wünschen würde, und funktionierten noch nicht als eine geschlossene Einheit."

"Auf der Chassis-Seite haben wir ziemlich viel Übergewicht. Einiges davon resultiert aus der Integration der Power-Unit und dem Umgang mit Vibrationsproblemen, die wir gemeinsam mit Honda lösen mussten. Aber wir haben auf unserer Seite beim Gewichtsparen auch keinen so guten Job gemacht, wie wir eigentlich hätten tun sollen", betont Newey weiter.

"Wenn man unter Zeitdruck konstruiert, leidet das Gewicht als Erstes, weil schlichtweg die Zeit fehlt, um alles gründlich zu optimieren."

Aerodynamisch sei man angetrieben von Newey mit dem AMR26 in eine gewagte Richtung gegangen, obwohl man nicht die Zeit hatte, mehrere Konzepte in der Tiefe zu untersuchen. "Ich würde nicht sagen, dass die gewählte Richtung grundlegend falsch ist, aber sie hat Herausforderungen mit sich gebracht, die wir so nicht vorhergesehen haben", sagt er.

Prozesse aus Jordan-Tagen

Ein großes Problem: Aston Martin verließ sich laut Newey dabei auf Werkzeuge und Prozesse, "die jahrelang nur geflickt und zusammengeschustert worden waren". Einige davon ließen sich laut ihm bis in die frühen Tage des Jordan-Teams zurückverfolgen, das einst seinen Sitz in Silverstone hatte und aus dem über die Umwege Midland, Spyker, Force India und Racing Point dann Aston Martin wurde.

"Irgendwann ist ein System, das nur noch aus Flicken auf Flicken besteht, einfach nicht mehr zeitgemäß. An diesem Punkt waren wir angelangt", klagt Newey.

"Das Ergebnis war ein sehr frustrierender Zusammenbau des Autos. Teile wurden nicht zum richtigen Zeitpunkt bestellt - nicht weil die Leute ihren Job nicht gemacht hätten, sondern weil das zugrunde liegende System sie im Stich gelassen hat."

In der Konsequenz habe das Team die schwierige Phase genutzt, um die gesamte Arbeitsweise zu überarbeiten. "Wir machen große Fortschritte bei unseren hauseigenen Anlagen und Produktionskapazitäten", betont der Designer.

"Man wird die Vorteile nicht alle sofort sehen, aber sie werden am modifizierten Auto sichtbar sein: Viel mehr Komponenten werden jetzt im eigenen Haus hergestellt. Das Getriebegehäuse wird hier gefertigt, die Formen für den Unterboden und die Unterböden selbst werden hier produziert, und viele Teile, die zuvor ausgelagert waren, haben wir wieder zu uns geholt."

"Das gibt uns eine bessere Kostenkontrolle, aber was noch wichtiger ist: weitaus größere Flexibilität und die Kontrolle über unser eigenes Schicksal", sagt er. "Mehr Arbeit ins Haus zu holen, sorgt für eine bessere Qualitätskontrolle, eine schnellere Reaktionsfähigkeit und einen kürzeren Kreislauf von der Forschung über das Design bis hin zur Fertigung."

Positive Reaktion: Überall in der Fabrik brennt Licht

Was Newey dabei aber positiv aufgefallen sei, war die Reaktion der Mitarbeiter: "Das ist auch, was mir wirklich im Gedächtnis bleibt", lobt er. "Die gesamte Mannschaft hat sich um zwei klare Prioritäten geschart: Erstens, uns mit einem großen Update vor der Sommerpause im August aus dem Loch herauszuholen; zweitens, das Fundament für die Zukunft solide aufzubauen."

"Es ist etwas, worauf jeder Einzelne von uns im Team stolz sein sollte: die Art und Weise, wie wir alle zusammengehalten und an einem Strang gezogen haben."

Laut Newey brenne überall noch Licht, wenn man abends auf dem neuen AMR Technology Campus herumläuft. "Es gibt viele späte Abende, eine Menge Motivation und die feste Entschlossenheit zu beweisen, dass wir das schaffen können", sagt er.

"Wir haben die Fabrik, wir haben die Leute, wir haben unheimlich viel Talent. Die Aufgabe besteht darin, das alles zusammenzufügen - und uns bis zu einem gewissen Grad selbst den Druck zu nehmen, damit wir durchatmen und uns auf mittel- und langfristige Projekte konzentrieren können und nicht nur auf das nächste Rennen."

"Das bedeutet nicht nur, unsere akuten aerodynamischen und mechanischen Probleme zu lösen, sondern auch bessere Systeme und Prozesse einzuführen, die die Basis dafür bilden, wie wir das Auto entwerfen und bauen."

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