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Nico Hülkenberg: Beinahe wäre er sogar Red Bull gefahren!

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Nico Hülkenberg: Beinahe wäre er sogar Red Bull gefahren!
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Helmut Marko packt aus: Wie Nico Hülkenberg am Ring beinahe statt Alexander Albon gefahren wäre und worüber Red Bull mit dem Deutschen für 2021 verhandelt

Beinahe hätte Nico Hülkenberg den Grand Prix der Eifel auf dem Nürburgring nicht für Racing Point, sondern für Red Bull bestritten. Das hat Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko am Sonntagabend im 'AvD Motorsport Magazin' auf dem Spartensender 'SPORT1' verraten: "Wir waren bereits am Freitag mit Hülkenberg im Gespräch."

Marko erklärt: "Albon hatte, wie viele andere, ein unschlüssiges Testergebnis. Das hätte auch so ausgehen können, dass er positiv ist. Gleich nach der Landung habe ich Hülkenberg angerufen. Weil bei uns der Verdachtsfall Albon war. Gott sei Dank hat sich aber herausgestellt, dass Albon doch negativ war."

Stattdessen ergab sich für Hülkenberg kurzfristig bei Racing Point die Chance, für Lance Stroll einzuspringen, und das erledigte er mit Bravour. Der 33-Jährige hat für 2021 nach wie vor kein Formel-1-Cockpit, und gleichzeitig schwächelt Alexander Albon bei Red Bull. Das Rennen am Nürburgring war so gesehen eine Bewerbungsfahrt.

Marko ist von Hülkenbergs Leistung jedenfalls beeindruckt: "Das war glaube ich das Ärgste, was einem Fahrer passieren kann, erst zum Qualifying in ein Auto zu steigen. Zugutehalten muss man, dass er den Racing Point kennt, von seinen vorherigen Einsätzen. Aber es war sicher eine ganz schwierige Situation."

Marko: Hülkenbergs Rennen genau beobachtet

"Er hat sich im Rennen sukzessive gesteigert, hat nichts Dummes gemacht und hat das Auto auf einen souveränen achten Platz gefahren. Wir haben die Zeiten verfolgt. Zeitweise waren ja auch Gasly und Kwjat in seiner Nähe. Da habe ich gesehen, dass er sukzessive näher an Perez' Zeiten herangekommen ist. Hut ab. Eine tolle Leistung."

Marko räumt inzwischen auch offiziell ein, dass die Möglichkeit zumindest in Betracht gezogen wird, 2021 nicht nur mit Red-Bull-Kaderfahrern in der Formel 1 an den Start zu gehen. Wer nächstes Jahr Teamkollege von Max Verstappen sein wird, ist in der "Silly Season" derzeit wohl das spannendste Thema.

"Wir können ruhig die Namen nennen, die am Markt vorhanden sind. Das ist Hülkenberg und das ist Perez", spricht der 77-jährige Österreicher erstmals offen aus, worüber in den Medien seit Wochen spekuliert wird. Gleichzeitig stellt er nach dem Eifel-Grand-Prix aber klar: "Wenn Albon weiterhin solche Rennen liefert, dann hat er sein Cockpit für das nächste Jahr."

Das verwundert insofern, als Albons Leistung am vergangenen Sonntag von vielen Beobachtern scharf kritisiert wurde. Formel-1-Experte Marc Surer zum Beispiel fragt sich: "Was macht der eigentlich in einem Topteam?" Doch bei Red Bull scheint man die Vorstellung des 24-jährigen Thailänders positiv zu bewerten.

Albon habe insofern "Pech" gehabt, analysiert Marko, "als er sich in der ersten Runde einen Bremsplatten eingehandelt hat. Er musste relativ früh an die Box und ist dann sehr gut durch das Feld gepflügt. Die Leistung war durchaus ansprechend dieses Wochenende. Leider ohne Punkte-Ergebnis."

Marko stellt klar: Akut kein Handlungsbedarf

Immerhin räumt Marko ein, dass Sotschi aus Albon-Sicht "kein sehr gutes Ergebnis" gewesen sei. Aber: "Das Wochenende am Nürburgring war durchaus im Rahmen des Möglichen, und auch die Distanz zu Max war vertretbar." Und er unterstreicht: Solange Albons Leistung "im grünen Bereich" sei, "ist bei uns einfach kein Cockpit frei".

Doch was, wenn Albon in den verbleibenden sechs Saisonrennen keine ansprechenden Leistungen zeigt? Im Red-Bull-Kader gibt's aktuell keine Alternativen. Pierre Gasly soll, das wurde bereits klar kommuniziert, bei AlphaTauri bleiben - wahrscheinlich mit Yuki Tsunoda als Teamkollege. Red Bull Racing käme für den jungen Japaner aber noch zu früh.

Marko bestätigt das: "Wir haben zwar einen Japaner, der sehr schnell ist, aber das wäre sein erstes Jahr. Und ihn das erste Jahr in ein Topteam wie Red Bull Racing zu stecken, würde einer Verheizung gleichkommen. Das planen wir nicht. Also müssten wir den Weg gehen, wie es die meisten anderen Teams machen, auf bewährte Kräfte zu setzen."

Also Hülkenberg oder Perez. "Die Frage ist, wie weit die von Max entfernt sein würden", sagt Marko. "Wir haben Vergleiche mit Ricciardo und können daraus ungefähr rückschließen, wo die Fahrer stehen. Ich glaube, dass kaum jemand mehr als drei Zehntel an ihn herankommen würde. Und an guten Tagen ist Albon auch in der Lage, diese Nähe zu Max zu schaffen."

"Albon ist jung. Aber wir sind uns bewusst: Wenn Albon dem Druck nicht standhält, können wir uns nicht leisten, wenn es um die WM geht, dass wir praktisch nur mit einem Bein unterwegs sind. So ist die Situation. Es ist für eine WM eigentlich unmöglich, wenn man nur ein Auto im Geschehen hat."

"Aber wir sind nicht so weit. Die Leistung am Nürburgring war zufriedenstellend. Das ist halt die Situation. Bis dato haben wir unsere Fahrer immer aus dem eigenen Juniorkader rekrutiert. Aber derzeit ist da niemand. In erster Linie zählt die Wettbewerbsfähigkeit. Aber wie gesagt: Das ist eine Theorie. Derzeit ist mit Albon noch alles auf Kurs."

Für 2021: Red Bull und Hülkenberg sprechen bereits

Immerhin räumt der Red-Bull-Motorsportkonsulent ein, schon konkrete Gespräche mit Hülkenberg im Hinblick auf 2021 geführt zu haben. Dabei ging's allerdings nicht um ein Formel-1-Cockpit, sondern um die Rolle "als Fernsehkommentator und Experte für ServusTV. Wir haben ja im nächsten Jahr die Rechte für Österreich, alternierend mit dem ORF."

Denkbar ist, dass es zwischen Red Bull und Hülkenberg noch 2020 zu einer losen Vereinbarung als Ersatzfahrer kommt, sollte einer der Stammfahrer ausfallen. Man habe da zwar Sebastien Buemi, stellt Marko klar, aber der stehe nicht bei allen Terminen zur Verfügung. Möglich, dass für alle anderen Termine Hülkenberg als Stand-by aktiviert wird.

Im Hinblick auf 2021 sind drei der vier Red-Bull-Cockpits in der Formel 1 "eigentlich schon klar", gibt Marko zu. Das bedeutet auch: Für Daniil Kwjat wird's eng, sollte sich Tsunoda wie erwartet für die FIA-Superlizenz qualifizieren. Dafür muss er die Formel-2-Meisterschaft mindestens als Fünfter beenden (und eventuell ein Freies Training in der Formel 1 fahren). Aktuell liegt er auf Platz drei.

Wer neben Verstappen, Gasly und Tsunoda vierter Fahrer wird, möchte Red Bull bis "spätestens Istanbul Mitte November" entscheiden. Realistisch betrachtet gibt es noch drei Kandidaten: Albon, wenn seine Formkurve nach oben zeigen sollte, Hülkenberg und Perez. Alle anderen sind laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' aus dem Rennen.

Übrigens: Die Verschwörungstheorie, dass Red Bull Albon am Nürburgring wegen seiner Aktionen gegen die AlphaTauri-Fahrer aus dem Rennen genommen haben könnte, war von Anfang an nicht plausibel - und wird jetzt von Marko entkräftet: "Ein Stein hat den Kühler vom ERS-System zerschlagen. Dadurch sind die Temperaturen hinaufgeschnellt und wir mussten ihn reinholen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Teams Aston Martin Red Bull Racing
Urheber Christian Nimmervoll