Nico Hülkenberg: Fahre in der Form meines Lebens

Heimlich, still und leise hat Nico Hülkenberg zuletzt Carlos Sainz entzaubert: "Diese neuen Autos kommen mir ein bisschen mehr entgegen", sagt er

Sechs Qualifying-Duelle hintereinander gewonnen, und im Rennen ist er überhaupt noch nie hinter dem Teamkollegen ins Ziel gekommen, wenn er denn ins Ziel gekommen ist: Nico Hülkenberg mausert sich im direkten Vergleich mit Carlos Sainz immer mehr zur Nummer 1 bei Renault. Das drückt sich auch in Punkten aus: Seit die beiden gemeinsam für Renault fahren, hat Hülkenberg 23 Zähler gesammelt, Sainz erst sieben.

Was die Frage nahelegt: Fahren Sie gerade in der Form Ihres Lebens? "Ja, ich denke schon", antwortet der 30-Jährige, der 2018 seine achte Saison in der Formel 1 bestreitet. "Ich bin selbstbewusst und zufrieden. Diese neuen Autos, wie wir sie seit vergangenem Jahr haben, kommen mir vielleicht ein bisschen mehr entgegen. Und mit all der Erfahrung, die ich inzwischen habe, fahre ich so gut wie vielleicht noch nie."

Beim Grand Prix von China steht Hülkenberg zum sechsten Mal hintereinander auf dem siebten Startplatz. In einer Ära, in der die drei Topteams mit ihren sechs Autos als unantastbar gelten, ein Qualitätsmerkmal. "Nico ist im Qualifying eine harte Nuss", räumt Sainz, selbst von den Experten als kommender Grand-Prix-Sieger gefeiert, ein. "War er schon immer. Und mit diesem Auto ist er das vielleicht noch mehr."

"Er versteht es einfach sehr gut", sagt Sainz. "Das konnte man schon sehen, als ich ins Team kam. Er hat diese kleinen Tricks, die ihn im Qualifying sehr, sehr schnell machen. Die muss ich erst entdecken und für mich nutzen. Aber es waren auch erst zwei Rennen. In Melbourne war ich in Q2 eine halbe Sekunde schneller als er. Die anderen beiden Qualifyings war ich dahinter. Ich glaube nicht, dass ich mir schon Sorgen machen muss."

 

 

Hülkenberg befindet sich im zweiten Jahr seines Dreijahresvertrags mit Renault. Sainz ist von Red Bull nur ausgeliehen. Sollte Daniel Ricciardo zu Ferrari oder Mercedes wechseln, würde ihn Helmut Marko möglicherweise zurückholen - wenn ihm Red-Bull-intern bis dahin nicht Pierre Gasly den Rang abgelaufen hat. Gegen Sainz spricht: Sein Vater Carlos sen. wird in der Red-Bull-Box nicht von allen gern gesehen.

Hülkenberg wiederum ist für seinen Teil glücklich bei Renault. Ein Wechsel zu Mercedes, Ferrari oder Red Bull gilt Stand heute als unwahrscheinlich. Umso größer ist sein Antrieb, das Renault-Projekt zum Erfolg zu führen. Und diesbezüglich stört ihn, dass der Rückstand auf die drei Topteams seit 2017 nicht dramatisch kleiner geworden ist.

"So ist halt der Sport", sagt er, in seiner bekannt nüchternen Art. "Du kannst dich davon runterziehen lassen oder auch nicht. Klar kann dir schon mal die Geduld ausgehen, aber in Wahrheit kannst du nicht viel dagegen tun. Ist halt so momentan. Wir müssen schneller entwickeln, gute Arbeit machen, die richtigen Entscheidungen treffen."

"Man muss sich ja nur die anderen Topteams anschauen: Bis sie da hingekommen sind, wo sie jetzt sind, haben sie viele Jahre gebraucht. Diese Zeit sollte man uns auch geben", fordert Hülkenberg. "Selbst wenn ich als Fahrer natürlich ungeduldig bin, weil ich am liebsten sofort das beste Auto hätte und immer um die fünf vorderen Plätze kämpfen möchte. Aber so weit sind wir noch nicht."

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