Nico Rosberg besorgt: Klimakrise die "größte Bedrohung für die Menschheit"

Weltmeister Nico Rosberg erklärt, warum er sich als ehemaliger Rennfahrer nun für Klimaschutz stark macht - Welche Technologie die Zukunft beherrschen wird

Nico Rosberg besorgt: Klimakrise die "größte Bedrohung für die Menschheit"

Nico Rosberg hat seit 2016 eine Wandlung vollzogen. Der einstige Rennfahrer engagiert sich in seiner zweiten Karriere als Investor und Unternehmer in Sachen Umwelt- und Klimaschutz. Vor allem neue Formen der Mobilität haben es dem Weltmeister von 2016 angetan. "Das ist mein Thema."

Als "Herzensangelegenheit" bezeichnet Rosberg im Interview mit der 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' nachhaltige Mobilität. Davon war der Wiesbadener bis zu seinem überraschenden Rücktritt nach dem Titelgewinn vor vier Jahren noch weit entfernt, verkörperte er als Formel-1-Pilot doch die Antithese zu einem Klimaschützer.

"Es erfüllt mich gerade mit sehr viel Stolz, dass ich als Unternehmer etwas tun kann, um gegen den Klimawandel anzukämpfen, dass ich dabei sein kann, diese Welt ein bisschen besser zu machen", erklärt der Deutsche, der in Monaco lebt, seinen Antrieb hinter seinem Engagement.

"Bin nach wie vor der größte Fan der Formel 1"

Rosberg hat sich dem Thema Klimaschutz nach seiner Karriere im Motorsport verschrieben, hat als Investor in rund 20 Start-ups aus jenem Sektor Geld investiert - etwa in zwei Flugtaxi-Unternehmen aus Deutschland - und das Greentech Festival mitgegründet, das neuen grünen Innovationen eine Bühne bieten soll.

Der ehemalige Rennfahrer hat den Zeitgeist erkannt. Wie passt seine Vergangenheit mit seinen zukünftigen Ambitionen zusammen? Wie kann dieser Wandel zum "grünen" Investor gelingen?

"Ich kann da gut differenzieren und bin nach wie vor der größte Fan der Formel 1." Die Königsklasse habe eine "unglaubliche Strahlkraft" und daher auch die weltweite Reichweite und Plattform, um Gutes zu tun und die Welt zu verändern, ist er überzeugt.

 

 

Aber: "Die Formel 1 ist ein Ego-getriebener Sport, damit habe ich mich oft schwergetan", schildert Rosberg offen. Die vollkommene "Erfülltheit" habe ihm in der Formel 1 gefehlt. Deshalb habe er sich selbst ein Versprechen gegeben, das er nun erfüllen möchte.

 

"Dass ich mich nach dem Ende meiner Karriere mit Hingabe für andere einsetzen werde. Und es könnte für mich kein passenderes Thema als den Klimawandel geben, gegen den ich ankämpfen möchte als Unternehmer."

Experten unterschiedlicher Fachgebiete sind sich einig: Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen der Neuzeit, dieser blickt Rosberg sorgenvoll entgegen. Er bezeichnet die ansteigenden Temperaturen und die damit verbundenen Umwälzungen in der Natur als "größte Bedrohung für die Menschheit".

"Kraft der Jugend" treibt das Umdenken voran

Als Lichtblick sticht für den Vater von zwei Töchtern eine Umweltaktivistin heraus: Greta Thunberg. Wie schon Sebastian Vettel ist auch Rosberg von der Schwedin und ihrer "Fridays-for-Future"-Bewegung begeistert. Die junge Generation habe den Ernst der Lage bereits erkannt.

Die "Kraft der Jugend" wirke bereits bis in die größten Konzerne hinein, berichtet Rosberg erfreut. Er habe dies selbst erlebt, als in einer der weltgrößten Software-Firmen erst die Kinder des Geschäftsführers ihren Vater zum Umdenken brachten, als diese auf die hohen Emissionen des Unternehmens hinwiesen.

"Keine Chance. Bis die Kinder vom CEO zu ihm gegangen sind und gefragt haben: 'Papa, was machst du da eigentlich? Du hast doch alle Möglichkeiten, da kannst du doch nicht solche Emissionen rausblasen mit deiner Firma!' Am nächsten Morgen war das das Thema im Board-Meeting - und seitdem geht es ab."

In dieses Umdenken von innen heraus setzt Rosberg seine Hoffnung, ebenso in die Politik, die neue Rahmenbedingungen schaffen müsse. Nur durch einen gemeinsamen Kraftakt von Politik, Wirtschaft und allen Bürgern werde es gelingen, den Klimawandel noch aufzuhalten.

 

Laut einem neuen Bericht der Vereinten Nationen ("Emissions Gap Report 2020") droht eine Erderwärmung um drei Grad Celsius bis zum Ende des aktuellen Jahrhunderts. Trotz des Rückgangs der CO2-Emission aufgrund der Coronakrise in diesem Jahr werden die Pariser Klimaziele nicht eingehalten werden, sollte keine Abkehr von fossilen Brennstoffen stattfinden, heißt es in dem Report.

Mit dem "Green New Deal" der Europäischen Union sieht Rosberg die Bemühungen von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf dem richtigen Weg. "Sie will dafür sorgen, dass Europa als erster Kontinent emissionsfrei ist. Mit Joe Biden als neuem amerikanischen Präsidenten hat die Welt eine Riesenchance erhalten, weil auch er den Kampf gegen den Klimawandel zu seinem Thema macht."

In der Automobil-Branche hat das Umdenken ebenso längst begonnen. Neben der Elektromobilität setzt Rosberg auf Wasserstoff. "Aber dafür brauchen wir die Energiewende, das Ende der Kohlekraftwerke und ganz viel Energie aus erneuerbaren Quellen. Die ganze Infrastruktur muss dafür verändert werden."

Er geht sogar noch weiter und fordert: "Die gesamte Wirtschaft muss letztlich auf Wasserstoff laufen. Das ist ein Investment, das nur von der Regierung kommen kann."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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