Niels Wittich: Den Funk zu öffnen, war "klar die falsche Entscheidung"
Ex-Rennleiter Niels Wittich erklärt, warum es seiner Meinung nach die falsche Entscheidung war, den Funkverkehr der Rennleitung 2021 öffentlich zu machen
Max Verstappen und Lewis Hamilton beim Formel-1-Rennen in Saudi-Arabien 2021
Foto: LAT Images
2021 fuhr die Formel 1 zum ersten Mal in Saudi-Arabien - und erlebte direkt bei der Premiere in Dschidda ein denkwürdiges Rennen. Im Zentrum standen dabei nicht nur die Fahrer, sondern auch der damalige Rennleiter Michael Masi und der legendäre "Basar" vom Jeddah Corniche Circuit.
Hintergrund war eine Diskussion zwischen Masi und dem damaligen Red-Bull-Sportdirektor Jonathan Wheatley während einer Rennunterbrechung, in der über eine Strafe für Max Verstappen "verhandelt" wurde, nachdem dieser sich durch das Abkürzen der Strecke zuvor einen Vorteil verschafft hatte.
Weil der Funkverkehr zwischen Teams und Rennleitung in der Saison 2021 auch im Fernsehen übertragen wurde, bekam die ganze Welt die Konversation mit - genau wie diverse Funksprüche später beim kontroversen Saisonfinale in Abu Dhabi.
"Also wenn man mich nach meiner persönlichen Meinung fragt, war es ganz klar die falsche Entscheidung, das zu machen", sagt der spätere Formel-1-Rennleiter Niels Wittich über die damalige Entscheidung, den Funkverkehr in die TV-Übertragungen einzubinden.
In einem exklusiven Videointerview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de erklärt er, dass es für die Zuschauer "mit Sicherheit super interessant" gewesen sei, diese Einblicke hinter die Kulissen zu bekommen. "Für die war das eine neue Welt", so Wittich, der von 2022 bis 2024 Rennleiter der Formel 1 war.
"Es war COVID, man musste auch die Zuschauer begeistern irgendwie. Das heißt, man hat dem Sport einfach ein bisschen Mehrwert bringen wollen, um alle glücklich zu machen", erklärt Wittich. Daher habe Masi damals auch zugestimmt, den Funk zu veröffentlichen.
Wittich: Teams wollten sich permanent Vorteile verschaffen
Rückblickend sei es aber "definitiv die falsche Geschichte gewesen", betont Wittich, der erklärt: "Zum Finale hin ist es natürlich komplett eskaliert." Doch auch zuvor in der Saison hätten die Teams immer wieder versucht, sich durch Gespräche mit der Rennleitung einen Vorteil zu verschaffen.
Das führte laut Wittich dazu, dass Masi zunehmend mit Anfragen überschüttet wurde. "Der Workload, der auf dem Renndirektor sitzt, das ist schon nicht wenig", betont er und erklärt: "Es ist nicht so, dass man einfach nur in der Rennleitung sitzt und schön fern guckt und sagt: 'Oh, was ein super Rennen!'"
"Man muss sich permanent alle Abschnitte [der Strecke] angucken. Man muss mit seinen ganzen Leuten reden. Also da ist schon sehr, sehr viel, was permanent im Hintergrund läuft", so Wittich, der erklärt: "Abgesehen davon, dass diese ganze Funkerei da falsch war, es ist einfach nicht machbar gewesen."
Nach dem kontroversen Saisonfinale 2021 verlor Masi seinen Job und als 2022 mit Wittich und Eduardo Freitas zwei neue Rennleiter für die Formel 1 installiert wurden, schob die FIA den ständigen Diskussionen am Funk und damit auch der Übertragung im TV einen Riegel vor.
Die Teams haben seitdem keine direkte Verbindung mehr zum Rennleiter. Alle Konversationen zwischen Teams und Rennleitung werden durch einen weiteren Vertreter der Rennleitung durchgeführt, der dem Rennleiter wichtige Informationen weitergibt.
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