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Nigel Mansell: Habe gesehen, wie Villeneuve aus dem Auto geflogen ist

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Nigel Mansell: Habe gesehen, wie Villeneuve aus dem Auto geflogen ist
Autor:
16.06.2020, 07:56

Ex-Weltmeister Nigel Mansell erklärt den krassen Gegensatz zwischen seiner aktiven Zeit im Grand-Prix-Sport und der modernen Formel 1

"Damals gab es häufig Tote", sagt Nigel Mansell, wenn er auf die frühen 1980er-Jahre der Formel-1-Geschichte angesprochen wird, wie nun von der 'Daily Mail'. Und Mansell räumt ein: "All das konnte dich psychisch durchaus beschäftigen."

Ein Erlebnis auf der Rennstrecke verfolge ihn bis heute, sagt Mansell, Formel-1-Weltmeister von 1992. Es ist der Unfalltod von Ferrari-Ikone Gilles Villeneuve. "Was ihm in Zolder passiert ist, werde ich bis ans Ende meiner Tage nicht vergessen", meint Mansell.

Villeneuve war im Qualifying zum Belgien-Grand-Prix 1982 in Zolder mit dem March von Jochen Mass kollidiert. "Ich fuhr im Auto dahinter und sah alles", sagt Mansell. "Ich sah, wie er durch die Luft flog, wie er runterkam, wie er aus dem Fahrzeug geschleudert wurde, wie er in die Leitplanken krachte."

Die Formel 1 als Risiko-Sportart

Er könne sich gut erinnern, was ihm in diesem Moment durch den Kopf gegangen sei. Nämlich, dass Villeneuves Überlebenschancen "praktisch nicht vorhanden" gewesen seien, so Mansell weiter. "Es war das Schockierendste, was ich je gesehen habe. Ich war bestürzt und bin es noch immer."

In der Formel 1 der 1980er-Jahre seien schwere Unfälle wie dieser aber grausame Realität gewesen. Rennfahren war laut Mansell, der nie offiziell zurückgetreten ist, eine "ernste Sache". Er meint: "Selbst wenn du nicht umgekommen bist, du konntest dich doch verletzten. Die Banden standen sehr nahe an der Strecke. Du wusstest nie, was passieren würde."

Ein Umdenken habe in der Formel 1 erst nach dem Unfalltod des dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna eingesetzt, also nach dem San-Marino-Grand-Prix 1994 in Imola, bei dem auch Roland Ratzenberger tödlich verunglückt war.

Imola 1994 brachte ein Umdenken

Diese Tragödie sei eine "Katastrophe für den Motorsport" gewesen, sagt Mansell rückblickend. "Weil es den Motorsport nachhaltig verändert hat. Es gab viele gute Veränderungen, aber auch einige schlechte."


Fotostrecke
Liste

Frontflügel-Endplatte

Frontflügel-Endplatte
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Foto: Giorgio Piola

Eine Veränderung betrifft den Frontflügel, bei dem die schürzenähnlichen Endplatten (wie hier beim Benetton B194) verboten werden und gekürzt werden müssen. Zur Pflicht gemacht wird das bereits zwei Rennen nach Imola in Spanien, genau wie ein kürzerer Diffusor. Das soll Abtrieb reduzieren und die Fahrzeuge langsamer machen.

Airbox

Airbox
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Foto: Giorgio Piola

Wiederum ein Rennen später müssen Löcher in die Airbox oder die Motorenabdeckung gemacht werden. Das soll den Luftstrom in Richtung Motor verringern, wodurch diese nicht mehr so viel Leistung erzielen können.

Bodenplatte

Bodenplatte
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Foto: Giorgio Piola

In Deutschland folgen weitere Maßnahmen. Die Wichtigste existiert noch heute: Die Bodenplatte wird zur Pflicht und soll die Fahrzeughöhe kontrollieren. Teams können nun nicht mehr zu tief am Boden kleben, weil die Platte während eines Rennens nicht mehr als einen Millimeter dünner werden darf.

Heckflügel

Heckflügel
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Foto: Giorgio Piola

Auch die Heckflügel-Dimensionen werden reglementiert. Hinter der gedachten Linie an der Hinterachse gibt es einen verbotenen Bereich von 150 Millimetern. Dadurch werden nach vorne ausufernde Flügel, sogenannte Pre-Wings, ausgeschlossen.

Seitenaufpralltest

Seitenaufpralltest
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Foto: Giorgio Piola

Für 1995 folgen weitere Regelungen, die unter anderem intensivere Crashtests und einen neuen Seitenaufpralltest vorschreiben. Auch die Motorenkapazität wird von 3,5 Liter auf 3,0 Liter reduziert und die Aerodynamik beschnitten.

Bodenplatte Teil 2

Bodenplatte Teil 2
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Foto: Giorgio Piola

Die Bodenplatte erhält noch einmal eine Veränderung. 1994 schränkt sie den Abtrieb durch den Unterboden ein, ein Jahr später wird der äußere Teil der Platte noch einmal um weitere 25 Millimeter angehoben, was die Effektivität des Unterbodens weiter reduziert.

Cockpit-Dimensionen

Cockpit-Dimensionen
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Foto: Giorgio Piola

Dramatische Veränderungen gibt es beim Cockpit, bei dem die Dimensionen geändert werden, um ein Eindringen von Trümmern zu verhindern. Das Monocoque wird an der Vorderachse um 150 Millimeter verlängert, um die Beine des Fahrers besser zu schützen. Zudem werden die Seiten hochgezogen, die Breite verringert und der Radius erhöht.

Vergleich 1994/1995

Vergleich 1994/1995
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Foto: Giorgio Piola

Die Aerodynamik wird beeinflusst von Veränderungen an der Höhe der Frontflügel-Endplatte, einer Reduzierung der Gesamthöhe des Fahrzeugs sowie einem niedrigeren Heckflügel. Zudem zeigen sich die Auswirkungen der neuen Cockpit-Dimensionen auf die Seitenkästen.

Vergleich 1994/1995

Vergleich 1994/1995
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Foto: Giorgio Piola

Auch von der Seite zeigt sich der Einfluss der neuen Dimensionen. Der Radstand hat sich durch die neuen Sicherheitsmaßnahmen ebenfalls erhöht. Zudem kann man im Bild die veränderten Dimensionen an Front- und Heckflügel sehen.


Was Mansell zum Beispiel als "schrecklichen Fehler" empfindet: "Viele Rennstrecken weltweit wurden sterilisiert." Traditionskurse, die über Jahrzehnte fast unverändert geblieben waren, erhielten durch verschärfte Sicherheitsvorgaben ein neues Gesicht, Mutkurven verschwanden, Sturzzonen wuchsen.

Mansell stört sich an diesem Trend. Begründung: "Die Formel 1 war einmal unglaublicher Sport, weil du dafür belohnt wurdest, gut zu fahren, und bestraft, wenn es dir gleichgültig war. Du konntest nicht mit 250 Sachen durch eine Kurve fahren ohne über ein gewisses Talent zu verfügen. Heute", meint Mansell, "ist das ganz anders."

Was früher besser war

Allerdings räumt Mansell ein, wie schwierig es sei, unterschiedliche Formel-1-Zeitalter miteinander zu vergleichen. Fest stehe für ihn aber zweifelsfrei: Früher war es deutlich gefährlicher.

"Viele brillante Fahrer hatten damals recht kleine Unfälle, brachen sich aber dabei die Beine oder die Arme und mussten ihre Karrieren beenden. Heute machen die Fahrer teils schreckliche Fehler, verletzen sich dabei aber nicht. Sie schwitzen ja fast gar nicht im Auto", sagt Mansell und witzelt: "Bei Rennende sieht es immer so aus, als kämen sie frisch vom Frisör!"

Noch vor 30 Jahren sei die Realität eine andere gewesen. "Zu meiner Zeit hast du dir nach 180 Grands Prix selbst auf die Schulter geklopft und dir zu einer guten Karriere gratuliert, weil du es überlebt hattest", meint Mansell.

"Jetzt bestreiten die Fahrer 300 Rennen und kommen ohne Verletzungen davon. Das kannst du einfach nicht vergleichen", so der 31-malige Formel-1-Sieger. "Wir mussten damals noch Blut, Schweiß und Tränen investieren und bekamen nur neun Punkte für Platz eins. Heute hat man es wesentlich einfacher - und bekommt 25 Punkte für den Sieg."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Urheber Stefan Ehlen