Noch stärker als 2017: Red Bull fährt in Mexiko allen um die Ohren

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Noch stärker als 2017: Red Bull fährt in Mexiko allen um die Ohren
Autor: Heiko Stritzke
Co-Autor: Erwin Jaeggi
26.10.2018, 22:23

Kompletter Red-Bull-Schock am Freitag: Max Verstappen und Daniel Ricciardo fahren in Mexiko-Stadt in anderen Welten - Problem bei Verstappen lokalisiert

Plötzlich mutet die Kampfansage aus Austin wie ein Understatement an: Red Bull hat in den Freitagstrainings zum Großen Preis von Mexiko 2018 die Gegner dermaßen vermöbelt, dass diese nicht mehr wissen dürften, wo oben und unten ist. 1,2 Sekunden Vorsprung auf alle anderen sind in der modernen Formel 1 kein Unterschied von Planeten mehr, sondern eher von Galaxien. Wenn da nur noch der Schönheitsfehler mit dem Ausrollen von Max Verstappen wäre …

"Es war ein Hydraulik-Problem, aber wir können es noch nicht exakt sagen", geben Max Verstappen und Christian Horner unisono an. Der Grund ist simpel: Das Auto war zum Zeitpunkt der Interviewrunde noch gar nicht zurück im Fahrerlager. "Sobald das Auto wieder zurück ist, werden wir es herausfinden", so das Versprechen von Red Bull.

So lief der Trainings-Freitag in Mexiko-Stadt:

Ein Hydraulikdefekt wäre auf den ersten Blick eine gute Nachricht, denn somit dürfte Verstappen um einen Motorenwechseln herumkommen. Aber selbst wenn, wäre es halb so wild, wie Horner versichert: "Er hat noch einen in seinem Pool. Das ist also kein Problem. Aber wir müssen erst verstehen, was es genau gewesen ist. Er hat es sofort gemerkt, weil die Lenkung schwer wurde. Die Hydraulik steuert alles in diesen Autos - Servolenkung, das elektronische Gaspedal und so weiter. Alles war auf einen Schlag schwer und er konnte das Auto gewissenhaft abstellen."

Wo kommt diese Pace her?

Davon abgesehen gibt es fast nur positive Seiten. Red Bull hatte am Freitag mehr als eine Sekunde Vorsprung auf den Rest des Feldes, der sehr eng zusammenlag. "Das ist wirklich enorm", staunt selbst der Red-Bull-Teamchef. Ganz klar: Mit einer derartigen Dominanz hat sein Team selbst in den kühnsten Träumen nicht gerechnet.

Bilder: Formel 1 in Mexiko-Stadt 2018

Was also ist das Geheimnis, dass der RB14 in Mexiko-Stadt so dominiert? Für Verstappen ist es keine Hexerei: "Wir haben ein gutes Auto. Es hat viel Abtrieb und guten mechanischen Grip. Man hat es schon in Monaco gesehen. Heute hat es gut funktioniert. Aber wir müssen weiter arbeiten und versuchen, noch besser zu werden." Verstappen verwendete am Freitag den neuen Red-Bull-Unterboden, während Ricciardo Back-up-Tests mit dem alten absolvierte.

Fotostrecke
Liste

23. Kevin Magnussen, Haas F1 Team VF-18

23. Kevin Magnussen, Haas F1 Team VF-18
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Foto: Jerry Andre / Sutton Images

22. Lando Norris, McLaren

22. Lando Norris, McLaren
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Foto: Zak Mauger / LAT Images

21. Fernando Alonso, McLaren MCL33

21. Fernando Alonso, McLaren MCL33
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Foto: Glenn Dunbar / LAT Images

20. Sergei Sirotkin, Williams FW41

20. Sergei Sirotkin, Williams FW41
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Foto: Manuel Goria / Sutton Images

19. Marcus Ericsson, Alfa Romeo Sauber C37

19. Marcus Ericsson, Alfa Romeo Sauber C37
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Foto: Mark Sutton / Sutton Images

18. Lance Stroll, Williams

18. Lance Stroll, Williams
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Foto: Andy Hone / LAT Images

17. Antonio Giovinazzi, Sauber C37

17. Antonio Giovinazzi, Sauber C37
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Foto: Simon Galloway / Sutton Images

16. Stoffel Vandoorne, McLaren

16. Stoffel Vandoorne, McLaren
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Foto: Andy Hone / LAT Images

15. Nicholas Latifi, Racing Point Force India VJM11

15. Nicholas Latifi, Racing Point Force India VJM11
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Foto: Manuel Goria / Sutton Images

14. Pierre Gasly, Scuderia Toro Rosso STR13

14. Pierre Gasly, Scuderia Toro Rosso STR13
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Foto: Simon Galloway / Sutton Images

13. Charles Leclerc, Sauber C37

13. Charles Leclerc, Sauber C37
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Foto: Steven Tee / LAT Images

12. Romain Grosjean, Haas F1 Team

12. Romain Grosjean, Haas F1 Team
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Foto: Andy Hone / LAT Images

11. Esteban Ocon, Racing Point Force India VJM11

11. Esteban Ocon, Racing Point Force India VJM11
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Foto: Manuel Goria / Sutton Images

10. Sergio Perez, Racing Point Force India VJM11

10. Sergio Perez, Racing Point Force India VJM11
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Foto: Jerry Andre / Sutton Images

9. Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1

9. Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1
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Foto: Andy Hone / LAT Images

8. Kimi Räikkönen, Ferrari SF71H spins

8. Kimi Räikkönen, Ferrari SF71H spins
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Foto: Simon Galloway / Sutton Images

7. Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1

7. Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1
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Foto: Zak Mauger / LAT Images

6. Brendon Hartley, Toro Rosso STR13

6. Brendon Hartley, Toro Rosso STR13
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Foto: Sam Bloxham / LAT Images

5. Nico Hülkenberg, Renault Sport F1 Team

5. Nico Hülkenberg, Renault Sport F1 Team
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Foto: Zak Mauger / LAT Images

4. Sebastian Vettel, Ferrari

4. Sebastian Vettel, Ferrari
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Foto: Andy Hone / LAT Images

3. Carlos Sainz Jr., Renault Sport F1 Team

3. Carlos Sainz Jr., Renault Sport F1 Team
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Foto: Zak Mauger / LAT Images

2. Daniel Ricciardo, Red Bull Racing RB14

2. Daniel Ricciardo, Red Bull Racing RB14
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Foto: Zak Mauger / LAT Images

1. Max Verstappen, Red Bull Racing

1. Max Verstappen, Red Bull Racing
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Foto: Andy Hone / LAT Images

Horner gibt da schon etwas mehr preis: "Ich habe es schon im Vorfeld gesagt: Die große Höhe hier gleicht die Motorleistung etwas an. Die Motoren, die Bremsen und alle Kühler schnappen hier nach Luft. Wir fahren denselben Flügel wie in Monaco und haben den Abtrieb aus Monza. Wir können unser Auto im optimalen Fenster fahren und haben eine Antriebseinheit, die im Vergleich zu den anderen relativ konkurrenzfähig ist."

Dabei verweist er auch auf die überraschende Stärke des Renault-Werksteams: "Dasselbe wie uns ist auch Renault passiert. Sie sind relativ betrachtet konkurrenzfähiger, weil ihr Motor hier auf einem ähnlichen Niveau wie der der Konkurrenten ist."

Oder ist es vielleicht die Stärke des RB14 im mechanischen Grip? Der 44-Jährige winkt ab. "Alles muss in Harmonie miteinander arbeiten", führt er aus. "Die Aerodynamik ist und bleibt ein wichtiger Faktor und muss harmonisch mit der mechanischen Seite zusammenarbeiten. Man kann schlecht sagen, dass man ein gutes Auto im mechanischen Bereich, aber eine schlechte Aerodynamik hat, denn Letztere hat einen solch enormen Einfluss."

 

Reicht der Puffer für die Pole aus?

Natürlich bleibt die Sorge vor dem "Party Modus" bei Ferrari und Mercedes im Qualifying. Doch ob das 1,2 Sekunden kompensieren kann? Horner ist skeptisch: "Sicherlich werden sie die Motoren aufdrehen. Die Frage ist, wie viel ihnen das auf dieser Höhe bringen wird." Verstappen könnte jüngster Polesetter aller Zeiten werden und damit Sebastian Vettel den Rekord abluchsen. Momentan sieht es so aus, als könne nur Daniel Ricciardo ihn davon abhalten. "Ich hoffe doch, dass es so kommt. Bis jetzt sieht es jedenfalls so aus", grinst Verstappen.

Ricciardo hingegen bleibt vorsichtig: "Ich möchte nicht naiv sein. Mercedes und Ferrari werden morgen viel näher rankommen - hoffentlich nicht zu nah oder vor uns. Ich sehe nicht, dass wir eine halbe Sekunde vor ihnen sind." Er spricht sogar von einem möglichen Sechskampf um die Pole und reibt sich die Hände: "Das wäre doch ziemlich aufregend."

Daniel Ricciardo, Red Bull Racing

Daniel Ricciardo, Red Bull Racing

Foto: Zak Mauger / LAT Images

Sollte es tatsächlich so eng werden wie vom Australier prognostiziert, könnten taktische Spielereien wie das Windschattenfahren womöglich die Entscheidung bringen. Horner will davon aber nichts wissen: "Mit dem wenigen Abtrieb hier bringt es ehrlich gesagt mehr, eine freie Runde zu erwischen, als auf Windschatten zu setzen. Damit bringst du nur Chaos rein."

Andererseits hat auch Red Bull noch Potenzial. Verstappen beschwerte sich während des Freitags mehrfach über Graining und kurz vor seinem Ausrollen am Nachmittag über den Motor. "Das mit dem Motor hat nichts mit meinem Ausfall zu tun", versichert er. "Aber es hat in jedem Fall meine Rundenzeit beeinträchtigt. Zum Glück waren wir noch schnell genug." Und die Reifen? "Das war nicht ganz ideal. Im zweiten Training war es aber schon wesentlich besser als im Ersten."

Alles in allem bleibt die Feststellung: "Das war definitiv einer unserer besten Freitage. Wir sind noch stärker als vergangenes Jahr." Und schon da war Verstappen eine Klasse für sich …

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