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Norbert Haug: Bei Ferrari wäre Lewis Hamilton "kein Siegfahrer"

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Norbert Haug: Bei Ferrari wäre Lewis Hamilton "kein Siegfahrer"
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Warum der frühere Mercedes-Sportchef Norbert Haug glaubt, dass selbst Lewis Hamilton im aktuellen Formel-1-Ferrari keine Chance auf Siege hätte

"Wenn Lewis [Hamilton] jetzt im Ferrari wäre, wäre er auch kein Siegfahrer. Das kann man sagen. Dazu muss man kein ausgewiesener Experte sein", meint Norbert Haug. Der frühere Mercedes-Sportchef glaubt: Die aktuellen Ferrari-Ergebnisse sprechen für sich. Und mehr als das, was Charles Leclerc und Sebastian Vettel zeigen, sei mit dem SF1000 schlicht nicht möglich.

Die bittere Bilanz aus Ferrari-Sicht nach drei Rennwochenenden: WM-Zwischenrang fünf mit 27 Punkten und nur einem Podestplatz. Dazu jede Menge Unruhe im Team, denn nach der Motorenaffäre 2019/2020, dem angekündigten Abschied von Vettel und der aktuell schwachen Form steht nun Ferrari-Teamchef Mattia Binotto massiv in der Kritik.

In Maranello hat man bereits reagiert und erste Umstrukturierungen angekündigt. Laut Haug ist das auch notwendig, wie er bei 'Sky' erklärt. Sein Urteil: "Ich glaube, das System hat sich überholt. Die Aufstellung, die man bei Ferrari hat, unterscheidet sich einfach von einer Mercedes-Aufstellung. Dort gibt es flachere Hierarchien, breit aufgestellt."

Mercedes laut Haug "in einer anderen Liga"

Überhaupt suche die Mercedes-Leistung der vergangenen sechs Jahre "ihresgleichen in der Geschichte des Rennsports", so Haug. "Insofern bleibe ich dabei: Rot wird es sehr schwer haben."

Man könne höchstens auf "Ausnahmerennen" hoffen, "durch ein Safety-Car oder durch Regen. Dann muss man da sein, falls Mercedes patzen sollte", sagt Haug. "Aber so deutlich wie jetzt war die Überlegenheit aus meiner Erinnerung noch nie."

Was das in Zahlen bedeutet, hat Haug am Beispiel des Ungarn-Grand-Prix errechnet. Dort hatte sich Mercedes um "fast eine Sekunde pro Runde" verbessert und "Ferrari [ist] um ziemlich genau diesen Wert langsamer geworden", sagt Haug. "Das ergibt dann ein Loch von 1,7 [oder] 1,8 Sekunden. Das ist eine andere Liga." Auch deshalb würde sich selbst Hamilton im Ferrari schwertun.

Warum der SF1000 eine "Fehlkonstruktion" ist

Ralf Schumacher sagt bei 'Sky' sogar, das aktuelle Ferrari-Auto sei eine "Fehlkonstruktion", "weil das Auto auf beiden Strecken, Spielberg und Ungarn, nicht funktioniert hat. Es war ja nicht nur auf der Geraden, es war auch die Balance."

Speziell das Regen-Qualifying in Spielberg hätte die eklatanten Schwächen des SF1000 offenbart. Weder Leclerc noch Vettel hätten es geschafft, "das zu kaschieren", so Schumacher. "Wenn ein Auto im Regen nicht funktioniert, ist meistens mit der Mechanik was nicht in Ordnung. Deshalb habe ich von einer Fehlkonstruktion gesprochen."

"Viele haben ja gesagt, na ja, seit Ferrari den anderen Motor hat, ist das der Hauptgrund, aber das stimmt nicht. Auch auf der Autoseite gibt es einige Defizite", erklärt der sechsmalige Grand-Prix-Sieger. Und er meint: Mit einer Personalrochade in Maranello sei das nicht in den Griff zu kriegen.

Kurzfristig gelingt Ferrari keine Trendwende

"Letztendlich hat man nichts anderes getan als den Leiter der GT-Abteilung zu befördern. Der leitet jetzt das neue Performance-Center. Klingt für mich danach, als wolle man halt nach außen demonstrieren, dass sich was ändert."

Ferrari täte gut daran, die "alte Garde" zu reaktivieren, "Leute wie Rory Byrne, mit viel Erfahrung, die sogar schon zu Zeiten meines Bruders dabei waren", sagt Schumacher. "Die sollen jetzt Aufgaben übernehmen und sicherstellen, dass die Entwicklung weiter vorangebracht wird."

Kurzfristig aber, da sind sich Haug und Schumacher einig, wird sich bei Ferrari nicht viel bewegen. Haug etwa sagt: "Silverstone ist eine Leistungsstrecke. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ferrari aus dieser Ecke sehr schnell rauskommt. Silverstone wird ein sehr schwieriger Gang für alle, die nicht Mercedes heißen."

Ferrari vor dem nächsten Nackenschlag in Silverstone?

Schumacher findet noch deutlichere Worte und spricht von einem drohenden "Fiasko" für Ferrari in Silverstone. Er erklärt: "Der Ferrari-Motor ist bekannterweise im Moment nicht so stark, wie er es im letzten Jahr war. Silverstone ist eine sehr schnelle Strecke. Das heißt, man braucht Aerodynamik in schnellen Kurven, ein stabiles Auto."

Das alles spreche für Mercedes und für Racin Point, aber "übrigens auch für McLaren. Die waren sehr stark in Spielberg. Die Strecke ist ähnlich", meint Schumacher. Auch er erwartet "zwei schwierige Wochenenden" für die Ferrari-Fahrer Leclerc und Vettel.

Und womöglich muss man sich in Maranello auf eine lange sportliche Talfahrt gefasst machen. "Man braucht teilweise Monate", sagt Schumacher, um große technische Rückstände aufzuholen. "Siehe Red Bull: Die Autos sind so komplex. Wenn da der Hund irgendwo begraben liegt, muss man erstmal wissen, wo."

Ferrari hat sich bei der Motorenaffäre doppelt geschadet

"Bei Ferrari liegt er aber schon lange begraben, und das Set-up spielt dabei keine große Rolle. Die haben die Balance, die sie eben haben. Und das wird eine Aufgabe sein, die sicherlich den ganzen Winter benötigt. Da kann man nur hoffen, dass sie nächstes Jahr stärker sind", erklärt der frühere Formel-1-Fahrer.

Dass Ferrari dieses Jahr so schwach sei, das hat laut Haug mehrere Gründe. Er verweist auf die Motorenaffäre und meint, man habe sich "einen Vorteil verschafft". Ferrari hat [2019] "offenbar etwas am Motor gemacht, um mehr Leistung zu bekommen, was nicht innerhalb des Reglements war".

Damit wiederum aber habe Ferrari Mercedes "sehr provoziert", sagt Haug. Begründung: "Es wurde berichtet, dass Ferrari den stärksten Motor habe. Ich habe lange genug mit den Jungs [von Mercedes] gearbeitet. Wenn man denen ein rotes Tuch vorhält, dann greifen die richtig an. Das hat Toto ja auch selbst gesagt."

Die Kritik an Ferrari reißt nicht ab

Und wo Mercedes zulegt und noch besser wird, da knirscht es immer mehr bei Ferrari. Für Haug hätten sich Leclerc und Vettel auf unterschiedlichen Strategien im Ungarn-Grand-Prix einen "sinnlosen Kampf" geliefert, der unterm Strich niemandem helfe. Seine Kritik an Binotto: "Da muss der Teamchef mal Tacheles reden und klipp und klar sagen, was denn nun Sache ist auf der Strecke."

"Wenn die um Platz eins und zwei fahren, um den Sieg kämpfen, um den WM-Titel, dann lasse ich mir da ein bisschen mehr Spielraum gefallen, aber wenn man um wenige Punkte kämpft, ist jeder Punkt wichtig. Dann darf es keine Zehntelsekunde kosten, wenn zwei Teamkollegen unterwegs sind."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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