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Norris rechnet mit Formel 1 ab: Fahrer hat keine Kontrolle mehr

Lando Norris übt erneut Kritik am aktuellen Formel-1-Reglement - Die Fahrer werden von der Batterie zu Manövern gezwungen, die sie selbst gar nicht wollen

Norris rechnet mit Formel 1 ab: Fahrer hat keine Kontrolle mehr

Lando Norris ist mit dem aktuellen Zustand der Formel 1 nicht zufrieden

Foto: LAT Images

Wenn der amtierende Weltmeister seinen eigenen Sport kritisiert, ist das meistens kein gutes Zeichen. Nachdem sich Lando Norris bereits zuvor mehrfach negativ über das neue Formel-1-Reglement geäußert hat, legt er nach dem Großen Preis von Japan noch einmal nach.

"Ja, die Rennen sehen im Fernsehen vielleicht toll aus, aber das Fahrerlebnis im Auto ist sicherlich nicht so authentisch, wie es sein müsste", sagt Norris, der konkret bemängelt, dass die Fahrer aktuell viel zu wenig Kontrolle über das hätten, was das Auto macht.

Das ist durchaus bemerkenswert, denn eigentlich hieß es in der Vergangenheit, dass das neue Reglement den Fahrer wieder mehr in den Mittelpunkt rücken soll. Laut Norris ist in einigen Situationen, die den Antrieb betreffen, in der Realität aber genau das Gegenteil der Fall.

Er nennt ein konkretes Beispiel aus dem Rennen in Suzuka und berichtet: "Ich wollte Lewis [Hamilton] gar nicht überholen. Es ist nur so, dass meine Batterie Energie abgibt, was ich eigentlich gar nicht will, aber ich kann es nicht kontrollieren."

"Also überhole ich ihn, aber dann ist meine Batterie leer, und er rast einfach wieder an mir vorbei", so Norris, der erklärt: "Wenn man einfach nur davon abhängig ist, was der Antrieb macht, sollte der Fahrer zumindest die Kontrolle darüber haben - und das ist nicht der Fall."

Norris hilflos: "Kann nichts dagegen machen"

Dazu muss man wissen, dass der Fahrer zwar eine gewisse Kontrolle im Cockpit hat. So kann er beispielsweise selbst darüber entscheiden, wenn er den Overtake- oder Boost-Modus verwendet. Auf das generelle Deployment, also die Energieabgabe, hat er jedoch keinen Einfluss.

Norris nennt das Hamilton-Beispiel aus Suzuka noch einmal und erklärt, dass die Batterie dort in der 130R-Kurve Energie abgebe. Dagegen kann der Fahrer nichts machen. Das werde allerdings zum Problem, wenn unmittelbar vor einem ein anderes Auto fährt.

"Ich muss vom Gas gehen, sonst fahre ich in ihn hinein", schildert Norris, "und ich darf nicht wieder Gas geben. Denn wenn ich Gas gebe, gibt meine Batterie Energie ab, aber das will ich nicht", erklärt er. Der Fahrer hat auf das Verhalten des Antriebs hier keinen Einfluss.

Verantwortlich für die Energieabgabe ist einzig die Software der Motoren. Der Fahrer wird also quasi zum Passagier im eigenen Auto. "Ich kann nichts dagegen machen", so Norris, der Hamilton in seinem Beispiel schließlich "gezwungenermaßen" in der Schikane überholte.

Weil seine Batterie anschließend allerdings leer war, konnte der Rekordweltmeister auf der Zielgeraden direkt wieder kontern. "Als Fahrer hat man einfach zu wenig Kontrolle", ärgert sich Norris und betont: "So sollte es einfach nicht sein."

Norris fordert auch Änderungen im Qualifying

Bereits nach der Qualifikation in Japan hatten Norris und weitere Piloten den aktuellen Zustand der Formel 1 kritisiert. "Ich war im Qualifying etwas enttäuscht, denn je mehr man pushte, desto langsamer wurde man", erklärte Williams-Pilot Carlos Sainz die Problematik.

"Schnelle Kurven sind jetzt zur Ladestation für das Auto geworden", kritisierte Landsmann Fernando Alonso zudem, und Norris selbst sagte, das Qualifying in Suzuka habe "sicher nicht" so viel Spaß wie mit den alten Autos in den vergangenen Jahren gemacht.

"Das Qualifying lief gestern besser als zuvor", sagt Norris heute mit etwas Abstand zwar, "aber es gibt noch Luft nach oben." Der Weltmeister erklärt: "Wir wollen einfach Vollgas geben. Ich möchte hier nicht vom Gas gehen und von der 130R bis zur letzten Kurve 60 km/h einbüßen."

Der McLaren-Pilot hofft daher, dass die FIA in den kommenden Wochen und Monaten eingreifen und die Regeln noch einmal anpassen wird. "Manches lässt sich verbessern, aber die FIA weiß das. Ich hoffe, sie tun es", so Norris.

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