Offiziell: Guanyu Zhou wird Teamkollege von Valtteri Bottas bei Alfa Romeo

Alfa Romeo wechselt 2022 beide Fahrer aus: Guanyu Zhou verdrängt Antonio Giovinazzi aus dem Cockpit, Oscar Piastri wird Testfahrer bei Alpine

Offiziell: Guanyu Zhou wird Teamkollege von Valtteri Bottas bei Alfa Romeo

Es ist ohnehin spätestens seit dem Zeitpunkt, als es ein Autohändler in Schanghai auf seinem Schaufenster plakatiert hat, kein Geheimnis mehr - aber jetzt ist auch die offizielle Bekanntgabe da: Der Chinese Guanyu Zhou steigt 2022 aus der Formel 2 in die Formel 1 auf und wird bei Alfa Romeo Teamkollege von Valtteri Bottas.

Das bedeutet, dass das Schweizer Sauber-Team erstmals seit 2019 wieder mit zwei neuen Fahrern in der Königsklasse antreten wird. Damals waren Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi auf Charles Leclerc und Marcus Ericsson gefolgt. Räikkönen beendet jetzt seine Karriere, und für Giovinazzi wird in der Formel 1 aller Voraussicht nach kein Platz mehr sein (zumindest als Rennfahrer).

"Sich von einem Fahrer zu verabschieden, ist niemals leicht", sagt Teamchef Frederic Vasseur. "Besonders im Fall von Antonio, der so lang beim Team war. Wir werden uns an die guten Zeiten erinnern und aus den schlechten Zeiten lernen. Daran sind wir gemeinsam als Team gewachsen. Wir wünschen ihm alles Gute, aber davor haben wir noch drei Rennen zu fahren, um die Saison stark zu beenden."

Wichtig war für Vasseur, dass Zhou von Alpine aus seinem Vertrag als Kaderfahrer entlassen wurde: "Er wird nicht mehr von Alpine gemanagt und steht nicht mehr dort unter Vertrag. Das war mir wichtig, denn ich muss frei sein und auf die Zukunft hinarbeiten können. Ein Einjahresprojekt, wenn ich wüsste, dass es für 2023 keine Chance gibt, ergibt keinen Sinn", sagt er gegenüber 'Motorsport.com'.

Eine schlechte Nachricht ist die Verpflichtung von Zhou für den Australier Oscar Piastri, der die Formel-2-Meisterschaft zwei Events vor Saisonende mit 178:142 Punkten vor Zhou anführt. Piastri, nach seinem Formel-3-Titel 2020 auf dem besten Weg dazu, sich die nächste Meisterschaft zu sichern, steigt aber innerhalb des Alpine-Kaders immerhin zum Formel-1-Testfahrer auf.

Alpine verspricht dem 20-Jährigen (Mentor: Mark Webber) ein "umfangreiches Testprogramm", um ihn auf eine Zukunft als Rennfahrer in der Formel 1 vorzubereiten. Piastri selbst freut sich auf und bedankt sich für die Chance und unterstreicht: "Ich habe mich in den vergangenen Jahren in den Nachwuchsformeln bewiesen. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt bereit bin für die Formel 1."

Sein erklärtes Ziel ist es, 2023 entweder bei Alpine zum Rennfahrer befördert zu werden oder bei einem anderen Team geparkt zu werden. 2022 werde er bei den Rennen anwesend sein, "um zu lernen, was von einem Formel-1-Fahrer erwartet ist, und um bereit zu sein, wenn sich eine Möglichkeit bietet", sagt Alpine-CEO Laurent Rossi.

Oscar Piastri

Oscar Piastri muss noch mindestens ein Jahr auf ein Renncockpit warten

Foto: Alpine

Endgültig aus dem Rennen ist damit Theo Pourchaire, aktuell Fünfter in der Formel-2-Meisterschaft. Der Franzose ist Sauber-Junior und steht bei Vasseur hoch im Kurs. Allerdings wäre, das hat Vasseur klargemacht, die Formel 1 nach dem schnellen Aufstieg in die Formel 2 für ihn 2022 womöglich noch zu früh gekommen.

Zhou ist der erste Chinese in der Geschichte der Formel 1, der einen Grand Prix bestreiten wird. Sein Aufstieg zu Alfa Romeo wird von einem Sponsorenetat in zweistelliger Millionenhöhe begleitet. Außerdem wird die Bekanntgabe bei Rechteinhaber Liberty Media vermutlich mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen.

China gilt als einer der potenziell größten Wachstumsmärkte für die Formel 1. Doch das Land hat bisher noch nie einen Rennfahrer in die Königsklasse gebracht. Am nächsten dran waren Ho-Pin Tung und Qinghua Ma. Tung war Testfahrer bei Williams und Renault, Ma bei HRT. Ma war 2012 sogar der erste Chinese, der als Freitagsfahrer an einem Rennwochenende zum Einsatz gekommen ist.

Zhou sei in den Nachwuchsserien "besser als jeder andere Chinese vor ihm" gewesen, betont Vasseur gegenüber 'Motorsport.com'. Außerdem sagt er: "Wir haben alle Möglichkeiten evaluiert, die auf dem Tisch lagen. Valtteri war eine offensichtliche Wahl. Und neben Valtteri hatten wir mehrere Optionen. Zhou ist aus vielen Gründen die erste Wahl."

Dazu gehört auch, daraus macht Vasseur keinen Hehl, ein attraktives Paket drumherum: "Es ist nie nur eine Sache. Performance steht nicht nur auf einer Säule, sondern immer auf einer Kombination aus Speed, Zusammenarbeit mit dem Team und dem Teamkollegen, der finanziellen Seite. Für die Weiterentwicklung der Firma ist das ein guter Schritt nach vorn."

Weitere Co-Autoren: Oleg Karpow. Mit Bildmaterial von Alpine.

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