Online-Hass und Sabotagevorwürfe: Alpine schreibt offenen Brief an die Fans
Alpine reagiert auf Hassnachrichten gegen Esteban Ocon und Franco Colapinto und räumt mit Vorwürfen auf, das Team würde den Argentinier benachteiligen
Online-Hass: Franco Colapinto steht immer wieder im Zentrum
Foto: NurPhoto NurPhoto
Hassnachrichten und Morddrohungen im Internet haben in den vergangenen Wochen so stark überhandgenommen, dass sich das Formel-1-Team von Alpine nun zu einem offenen Brief an die Formel-1-Gemeinde entschlossen hat. Denn vor allem rund um Franco Colapinto hatte es zuletzt einige unschöne Reaktionen gegeben.
Es sind seine argentinischen Fans, die immer wieder deutlich über das Ziel hinausschießen und gegen alles hetzen, was der Karriere ihres Helden vermeintlich im Weg steht - dabei machen sie auch nicht vor Vorwürfen gegen das eigene Team halt, die Alpine ebenfalls mit klarstellen möchte.
"Nachdem wir die Reaktionen im Internet und in den sozialen Medien nach dem Großen Preis von Japan geprüft haben, haben wir als Team das Gefühl, dass wir es unseren Fans schuldig sind, bestimmte Punkte und aufgeworfene Fragen anzusprechen", schreibt der Rennstall am Donnerstag.
"Zudem wollen wir uns erneut gegen den Hass und den Missbrauch aussprechen, der sich nicht nur gegen einen unserer eigenen Fahrer richtet, sondern auch gegen unsere sportlichen Konkurrenten und andere Mitglieder der Formel-1-Familie."
Das Team verurteilt erneut "hasserfülltes Verhalten, Missbrauch, Drohungen oder Mobbing" im Internet und den sozialen Netzwerken. "In einem hart umkämpften und komplexen Sport werden die Menschen immer unterschiedliche Meinungen haben und uneins sein, aber wir ermutigen alle Fans jedes Teams und jedes Fahrers, dies auf eine freundliche und respektvolle Weise zu tun."
"Hier geht es nicht um eine bestimmte Fangemeinde, sondern darum, dass die gesamte Formel-1-Gemeinschaft zusammenkommt, um den Sport zu genießen, den wir alle lieben und für den wir brennen", so Alpine.
Hasskommentare gegen Ocon und Colapinto
Nach dem Großen Preis von China Mitte März hatte es von Fans Anfeindungen gegen Haas-Pilot Esteban Ocon gegeben, weil dieser im Rennen mit Colapinto kollidiert war und diesem einige Positionen und Punkte gekostet hatte.
"Esteban übernahm die volle Verantwortung und entschuldigte sich bei Franco, indem er ihn aktiv in der Medienrunde aufsuchte und sich auch in den sozialen Medien entschuldigte. Der daraus resultierende Missbrauch, der folgte, entsprach nicht dem Geist des Sports, und es war ein Versäumnis, dies nicht früher anzuprangern", hinterfragt Alpine auch sein eigenes Verhalten.
"Missbrauch jeglicher Art gegenüber allen Fahrern ist inakzeptabel, und es war besonders enttäuschend, dass er von einer Minderheit der Fans des Teams gegenüber einem Fahrer kam, der dem Team in der Vergangenheit so viel gegeben hat und ein Grand-Prix-Sieger für Alpine ist."

Esteban Ocon und Franco Colapinto waren in China aneinandergeraten
Foto: LAT Images
Gleichermaßen habe es aber auch nach dem Rennen in Japan Anfeindungen gegen Colapinto gegeben, der einen Unfall von Oliver Bearman mit seiner Fahrweise mitausgelöst hatte. Auch diese verurteilt Alpine.
"Das Wichtigste ist zunächst einmal die Sicherheit und das Wohlergehen der Fahrer, und glücklicherweise ist Ollie wohlauf. Die Annäherungsgeschwindigkeiten sind eine Charakteristik dieser Autos und werden, wie von der FIA erklärt, in den kommenden Wochen genau überprüft", schreibt das Team und betont, dass die FIA keine Strafe gegen einen Fahrer ausgesprochen hat.
Alpine weiter: "Das Team überwacht seine Kanäle genau und nutzt bestimmte Werkzeuge, um Kommentare zu moderieren, die nicht den Kriterien unserer Community-Richtlinien entsprechen. Das ist etwas, worüber wir als Team auch in ständigem Dialog mit der Formel 1 und der FIA stehen und was wir in Zukunft gemeinsam angehen und abmildern wollen."
Alpine wehrt sich gegen Sabotagevorwurf
Ein weiteres Thema, das Alpine in seinem Brief ansprechen möchte, ist eine mögliche Ungleichbehandlung der beiden Autos. Auffällig ist, dass Pierre Gasly bislang glänzen konnte und schon 15 Punkte einfahren konnte, während Colapinto meist deutlich hinter ihm liegt und erst einen Zähler auf dem Konto hat.
Daher kam es aus den Reihen der Fans zu einigen Vorwürfen, dass Alpine seine Fahrer ungleich behandelt und Colapinto benachteiligen würde.
Diese Vorwürfe wischt Alpine jedoch beiseite: "Das Team ist bestrebt, die zwei schnellsten Autos auf die Strecke zu bringen und beiden Fahrern die gleiche Chance zu geben, wettbewerbsfähig zu sein und wichtige Punkte für das Team in der Meisterschaft zu sammeln", betont man.
"In einigen Fällen ist das Team aufgrund der Notwendigkeit, Teile schneller bereitzustellen und den Herstellungsprozess sorgfältig zu steuern, nur in der Lage, ausgewählte Teile oder Upgrades zu bestimmten Events mitzubringen."
"Dies ist jedoch niemals der beabsichtigte oder gewünschte Ansatz, denn wenn ein Teil ein Performance-Upgrade ist, wie wir es hoffen und beabsichtigen, dann wollen wir es sofort an beiden Autos zur Verfügung haben."
"Nicht im Interesse des Teams, keine Punkte zu erzielen"
Dies sei in diesem Jahr bislang der Fall gewesen. Alpine stellt klar, dass Gasly und Colapinto bislang mit dem absolut gleichen Material ausgestattet wurden, "abgesehen von einigen kleinen Teilen in China, die kaum Auswirkungen auf die Performance hatten und auf den Wechsel von Getriebekomponenten zurückzuführen waren".
"Franco ist unser Fahrer, und das Team hat sein Vertrauen in ihn gesetzt, genau wie er in das Team. Das ist ein Zeichen für das Engagement, das wir gegenüber Franco haben, und für seinen Platz im Team auf Augenhöhe mit Pierre", so das Team. Vorwürfe über Sabotage und Ungleichbehandlung seien daher "völlig unbegründet".
Aber: "Es kann in diesem Jahr Zeiten geben, in denen im Entwicklungsrennen Upgrades zuerst an einem Auto ankommen, was das Team kommunizieren und worüber es völlig transparent sein wird. Davon abgesehen wird das Ziel immer bleiben, Upgrades nach Möglichkeit an beiden Autos zu bringen."
"Es liegt absolut nicht im Interesse des Teams, keine Punkte zu erzielen, und jede Andeutung von Selbstsabotage ist diesem ultimativen Endziel nicht dienlich", unterstreicht der Rennstall. "Wir wissen, dass wir unglaublich hart arbeiten müssen, um [in einer starken Position] zu bleiben und zwei Autos zu haben, die regelmäßig die Chance auf Punkte haben."
Gute Zusammenarbeit zwischen Gasly und Colapinto
Gleichzeitig betont Alpine, dass die Zusammenarbeit zwischen beiden Piloten gut funktioniert. "Pierre und Franco kommen regelmäßig an die Schreibtische des anderen im Ingenieursbüro, um Daten und Feedback zu teilen. Als Team haben wir das Glück, jemanden mit Pierres Erfahrung zu haben, und wie man an seinen Leistungen in den ersten Rennen sehen kann, ist er ein absoluter Profi und kann konstant auf einem unglaublich hohen Niveau fahren."

Pierre Gasly und Franco Colapinto arbeiten laut Alpine gut zusammen
Foto: Alpine
"Die Ingenieursgruppe ist sehr vereint und zieht an einem Strang. Das schließt sowohl Pierre als auch Franco ein. Es werden keine Informationen zurückgehalten oder Performance-Tricks geheim gehalten. Das gehört der Vergangenheit an und ist nicht Teil der modernen Formel 1, in der man jedes bisschen Input und Daten benötigt, um als Team erfolgreich zu sein."
"Dies gilt insbesondere für diese neuen Autos, Power-Units und die strategische Art und Weise, Rennen auf der Strecke zu bestreiten."
Die Pause bis zum nächsten Rennen in Miami werde Alpine nutzen, um die bisherigen drei Rennen zu verarbeiten, Wege der Verbesserung zu finden und weiter zu pushen, um noch stärker zu werden. "Auf der Strecke werden unsere Rivalen nicht ruhen und nicht stillstehen, also werden wir es auch nicht tun", so das Statement.
Alpine schließt mit den Worten: "Wir schätzen eure anhaltende Unterstützung wirklich sehr, sie bleibt nicht unbemerkt. Folgt weiterhin unseren Kanälen für regelmäßige Updates; wir werden euch weiterhin mehr Geschichten und Inhalte hinter den Kulissen aus der Fabrik liefern, um den Fortschritt des Teams zu zeigen."
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